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Eine wandelbare Stadt: Zu Besuch in Bochum

Frankfurt du bist so wunderbar meets Bochum

Folge 1 unserer kleinen NRW-Tour führt uns nach Bochum.

Denken wir Frankfurter ans Ruhrgebiet, haben wir alle bestimmte Bilder im Kopf, oder?
Der berühmteste Sohn der Region ist übriges nicht Herbert Grönemeyer, wie man dank seines Songs „BOCHUM“ denken würde – sondern James Bond. Um diese beiden Herren soll es aber in unserem kleinen Bochum-Ausflugsbericht nicht gehen. Sondern um Wandel und Neues. Um das Bermuda-Dreieck und einen gestrandeten Wal. Wir haben eure ungeteilte Aufmerksamkeit? Gut! Dann kommt mit uns auf Entdeckungsreise!

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Eine wandelbare Stadt

Bochum liegt mitten in einer riesigen Metrolpolregion, das kennen wir ja von Frankfurt. Wie das gesamte Ruhrgebiet hat die Stadt sich schon einige Male gewandelt. Denn nach Kohle und Stahl, Opel und Nokia ist sie nun ein Zentrum für Internetsicherheit sowie Wissenschaftsstadt. Ein aufgeschlagenes Buch ist daher seit einigen Jahren das Stadtlogo, denn immerhin gibt es neun Hochschulen hier. Angehende Astronauten lernen hier an der Ruhr-Universität Bochum zum Beispiel die nötigen Sprachen, das hätten wir nicht gewusst! Musical-Standort ist Bochum ja dank  „Starlight Express“ sowieso seit Jahrzehnten, aber auch sonst ist es Hotspot der Livekultur. Sehr beliebt ist es außerdem als Halt auf dem Ruhrtal-Radweg. Also viele Gründe, die Stadt zu erkunden!

Wir beginnen in der Innenstadt. Auch die wandelt sich, viel wird gebaut. Vorbei am imposanten Planetarium und der neuen Synagoge geht es durch den Stadtpark weiter Richtung Kunstmuseum. Wir streifen bloß den äußeren Rand des Parks und können daher nur erahnen, wie weitläufig er ist. Die ersten großen Skulpturen aus Stahl tauchen auf den grünen Wiesen auf. Insgesamt 700 solcher Freiluftkunstwerke gibt es seit dem Bildhauersymposium Anfang der 80er Jahre in der Stadt zu entdecken.

The Cast Whale: im Kunstmuseum

Angekommen im Kunstmuseum Bochum sind wir sehr gespannt auf die Ausstelllung “The Cast Whale Project“ von Gil Shachar. Direktor Dr. Hans Günter Golinski macht uns in seinen einführenden Worten noch neugieriger darauf: Der Künstler Gil Shachar plante schon seit fast einem Jahrzehnt einen Wal abzuformen, lebensgroß natürlich. Es musste warten bis das nächste Mal an einem zugänglichen Strand ein toter Wal strandete. 2018 ergab sich diese Chance schließlich in Südafrika. Gemeinsam mit einem Team aus südafrikanischen Künstlern und Präparatoren wurde der gigantische Abguss gemacht und später in Epoxydharz gegossen und gefärbt. Schon verrückt, so ein ganzer Wal im Museum!

Wir betreten den großen Saal, in dem der Wal installiert wurde. Man kann nah an ihn herantreten und um ihn herumwandeln. Das Zusammenspiel aus der Masse des Körpers und der Struktur der Haut ist sehr beeindruckend. Nachdenklich macht dieser Eindruck uns. Erst nach einigem Sinnieren kommt nach einem kurzen Türen- und Fenstercheck die Frage auf: Wie ist dieses Werk eigentlich hier hereingekommen? In Teilen, verrät uns Dr. Golinksi, dennoch war die Anlieferung dieses Kunstwerks für alle Beteiligten eine aufregende Herausforderung. Bis zum 25.Oktober 2020 kann man sich den Wal noch in Bochum anschauen und wir empfehlen es dringend!

Das Kunstmuseum macht auch um den Wal herum viel Spaß. Entworfen wurde die Erweiterung der ursprünglichen Villa von 1983 von Jørgen Bo und Vilhelm Wohlert und damit von den gleichen Architekten wie das Lousiana Museum of Modern Art in der Nähe von Kopenhagen. Es ist hell und offen. Eine freie Rampe lädt anstelle einer Treppe zum Flanieren ein. Als „Kunsthalle für alle“ wurde sie 1960 gegründet und sollte identitätsstiftend für die Region sein. Heute zeigt sie vor allem zeitgenössische Kunst.

The Cast Whale Project
Bis zum 25. Oktober 2020 im Kunstmuseum Bochum
www.kunstmuseumbochum.de

Im Off-Theater unter der Brücke

Nach einer gesunden Stärkung besuchen wir ein kleines Off-Theater in einem Brückenbogen, mitten im Rottlichtviertel Bochums. Das ROTTSTR5 wurde 2009 gegründet und hat sich seitdem durch einen durchgehenden Spielplan – nicht einmal eine Sommerpause gibt es – und den Off-Charakter einen etablierten Namen mit Rock‘n‘Roll-Ruf gemacht. Der Schauspieler und Regisseur Alexander Ritter erzählt uns mit leuchtenden Augen von den Besonderheiten dieses kleinen Theaters. Trotz der kleinen Fläche geht das Ensemble aus freischaffenden Schauspielern und Regisseuren auch große Stücke an.

30 Werke gehören zum Repertoire, darunter genau so Popliteratur, Filmstsoffe, wie Shakespeare-Stoffe. Wer sind die typischen Zuschauer, fragen wir uns und Alexander: „Das Publikum ist extrem gemischt“, kann er stolz berichten. Durch die Off-Atmosphäre schafft das Theater ROTTSTR5 eine geringe Hemmschwelle für Einsteiger, also kommen Jugendliche schon ab 16 Jahren, aber auch klassisches Theaterpublikum bis hin zum Rentenalter fühlt sich von dem besonderen Charakter angezogen. Mit kleinen Mitteln wird hier große Wirkung erzielt. Durch den beschränkten Platz ist der Bezug zwischen Zuschauer und Schauspieler viel enger. Unmittelbar ist die Wirkung. „Beide Seiten riskieren etwas in diesem engen Raum“, so fasst es Alexander zusammen. Und die Bahn, die pro Abend 3 Mal über das Theater rattert, wird einfach eininszeniert. 

Die fehlende Distanz macht die Frage nach Corona unvermeidlich. Zwischen den Schauspielern Abstand einhalten: soweit noch OK und in den Stücken einplanbar. Eine durchsichtige Plastikplane trennt seit Corona den Bühnenraum und die Zuschauer. Deren Plätze wiederum wurden auf ein Drittel reduziert. Das ist organisatorisch und finanziell natürlich nicht einfach zu stemmen, aber das Team ist gewillt, das Beste daraus zu machen. So kam es auch zur Idee des „Telefontheaters“, bei dem man als Zuhörer einen Zeitfenster buchen konnte und einen von 4 für Corona-Zeiten geschriebenen Monolog live über das Telefon vorgetragen bekam. Auch hier ging es wieder um die Unmittelbarkeit, die intensive Wirkung des Theaterstoffes. Diese  überträgt sich auf uns und wir können es nicht erwarten, hier mal ein Stück live zu erleben!

www.rottstr5-theater.de

Bochums Ehrenfeld

Als Pause widmen wir uns etwas Oberflächlicherem: dem Bummeln in der Nähe des Schauspielhauses. Viele schöne Läden und Concept Stores konnten wir dabei entdecken: „Die Kulturtasche“ mit Drogerie- und Kosmetikprodukten, die „Wohnbar“ mit Deko und Wohnaccessoires, „Tiny“, eine wunderschöne Boutique für Kinderkleidung- und Spielzeug. „Gebrauchsobjekte“ hat Vintageeinrichtung und „Stueckgut“, in dem wir übrigens auch Produkte aus Frankfurt entdecken. 

Für Eispausen warten die beiden tollen Läden “I am love” und “Kugelpudel“. Bei ersterem unbedingt das Eis „Teheran“ mit Safran probieren! Auch die Pizzeria mit dem einfach zu merkenden Namen “Pizza” ist uns in Erinnerung geblieben, wegen der großen OP-Leuten neben dem Ofen und natürlich dem leckeren Geschmack der Pizza. Ebenfalls direkt am Hans-Ehrenberg-Platz liegt die “Butterbrotbar“. Hier stillt man den Hunger mit hausgebackenem Sauerteigbrot mit frischen Aufstrichen. Das “Blondie” wiederum hat einen schönen lauschigen Hinterhof und sehr gute Burger im Angebot.

Shops:

Die Kulturtasche: Drogerie & Conceptstore: @diekulturtasche
Tiny: Baby & Kids Fashion: @tiny.bochum
Wohnbar: Interieur Conceptstore: @wohnbar.bochum
Gebrauchsobjekte: Vintage Gebrauchsgegenstände + Designobjekte: www.gebrauchsobjekte.de
Stueckgut: Geschenke, Möbel, Accessoires: www.stueckgut-bochum.de

Food:

I am Love: Eis: @i_am_love_icecream
Kugelpudel: Eis: @kugelpudel_haus_am_see
Pizza: @pizzabochum
Butterbrotbar: www.butterbrotbar.de
Blondies: Burger & Co.: @blondies_bochum

Luxusteppiche aus Bochum

Ein internationales Luxusgut kommt übrigens auch aus Bochum: Teppiche. Der Designer Jan Kath ist in Bochum geboren, aufgewachsen und hat sein Unternehmen hier bzw. von hier aus in jungen Jahren groß gemacht. Wir besuchen den Showroom und streichen über die verschiedenen Muster und Materialien. Zu einer Zeit, in der sich niemand für Teppiche interessierte, legte “Jan Kath” mit seinen Ideen los und löste einen regelrechten Boom aus. Alte typische Muster, zum Beispiel von klassischen Perserteppichen, werden von ihm einfach und heftig gebrochen. Zum Teil sieht das Ergebnis aus, als habe jemand einfach Farbe darüber gespritzt, aber alles ist aus feinsten Materialien handgeknüpft. Deshalb sind die Teppiche natürlich nicht für jeden erschwinglich. Allerdings halten diese Teppiche mit etwas Pflege auch 50 bis 80 Jahre.

Manche Designs wirken wie raumgroße Gemälde, wir schauen auf Galaxien, auf Wolken und Wälder und pastellige Farbverläufe – und vergewissern uns mit den Händen immer wieder, dass diese Bilder und Flächen wirklich aus Fäden gemacht sind. So schnell wird man zum „Ruggie“, zum extremen Teppichliebhaber, wie wir uns sagen lassen haben – und das nicht nur in Hollywood!

www.jan-kath.com

Im Bermudadreieck

So, die Sache mit dem Wal haben wir nun aufgelöst. Aber was ist denn nun dieses Bermudadreieck? Vom Hotel aus konnten wir es schon erahnen. Kneipe an Kneipe reiht sich hier, über 60 Lokalitäten. Das Alt-Sachs von Bochum sozusagen! Nachmittags noch ist es hier beschaulich, aber schon am frühen Abend wird es deutlich belebter. Omnipräsent dort, aber auch in der restlichen Stadt, ist „Fiege“, das Bochumer Bier der Familien-Privatbrauerei Moritz Fiege, die schon 1878 gegründet wurde.

Ein neues Juwel der Hochkultur befindet sich übrigens auch nur wenige Schritte entfernt: das Musikforum. Eine entweihte Kirche wurde als Foyer in einen neue Konzertraum integriert, der 2017 eröffnet wurde und seitdem unter anderem für seine Akustik viel gelobt wird.

Es ist gar nicht leicht, diese kontrastreiche Stadt und unsere Eindrücke zusammenzufassen. Und das spricht absolut für Bochum! Weitere Infos findet ihr unter www.bochum-tourismus.de.

DIESER BEITRAG IST IN KOOPERATION MIT NRW TOURISMUS ENtSTANDEN.

CategoriesAllgemein
Vicky

Mitgründerin. Eigentlich Musikerin, daher eine große Liebe für Strukturen. Pedantisch, neugierig und Handcremesüchtig. Hört und sieht alles, lässt es sich aber nicht anmerken. Immer hungrig. Mag an Frankfurt die Kontraste und die Echtheit, nur ist es ihr zu weit weg vom Meer.