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Die Welt zu Füßen: Daniel Benz im Interview

Ein spannendes Gespräch mit Asphaltgold-Macher und Sneaker-Papst Daniel Benz in Darmstadt über die Anfänge und den Erfolg.

Fotos: Amin Baghi

Schon mal „wie werde ich erfolgreich“ gegoogelt? Gebt’s zu! Verschiedene sehr seriöse Quellen schlagen hier Jobs vor. Sorgenfrei vor 30 – garantiert. Gut, unter den Suchergebnissen stecken auch immer einige faule Eier – Websites, die nichts lieber wollen als Euer PayPal-Passwort. Für Charity selbstverständlich. Aber die vielen seriösen Quellen, so seriös wie Rowan Atkinson in der Rolle des Doppelnullagenten, schlagen folgende Jobs vor: Unternehmensberater, Investmentbanker, Entwickler, Ingenieur und immer so weiter. Da steht nichts von Schuhverkäufer. Und doch: Es gibt ihn. Daniel Benz ist 37 Jahre alt und hat einen der eindrücklichsten Senkrechtstarts in der Geschichte der Rhein-Main-Region hingelegt. Schuhverkäufer mit zweistelligem Millionenumsatz. Mitten in Darmstadt.

Sein Erfolg hat aber weniger mit der Branche oder dem Produkt zu tun, sondern vielmehr mit Selbstvertrauen, Durchblick, Biss und dem Glauben, der Gewissheit: Das wird was! Wir haben Daniel getroffen und mit ihm über seinen Laden „Asphaltgold“, seine Anfänge und Ziele gesprochen. Und über den Sneaker – dem demokratischsten aller Modestücke.

Have you ever googled „how to become successful?“ Oh, come on, admit it, you did! Various highly serious sources would advise you to go looking for a job. Free of worries before even turning 30 – guaranteed. There might be a few foul eggs among your search results, though – websites that only for charity reasons aim for your PayPal password, perhaps. Returning to the serious sources, as serious probably as Rowan Atkinson in the part of Johnny English, you’ll be told to do something like: business consultant, investment banker, software developer, engineer, and so on. Those websites tell you nothing about selling shoes. And still, he exists: Daniel Benz is 37 years old and has succeeded in showing the whole Rhein-Main region how it’s done, to go from zero to hero in the blink of an eye. A shoe seller with a two-digit million turnover. Right in the center of Darmstadt.

His success is much less due to a certain industry or a product, it was enabled by self-confidence, perspective, courage and the belief, the certainty even: This is going to work! We met Daniel to ask him about his “Asphaltgold” store, how everything began and how he wants to go on with his journey. And of course we asked him about the magic behind the sneaker – the most democratic piece of wardrobe there is. An interview.

Daniel, wie wird ein junger Mann Schuhverkäufer?
DANIEL BENZ: Meine Interessen zur Schulzeit waren Sport und Produktdesign. Bei Produktdesign musste ich mir ehrlich eingestehen, dass es Leute gibt, die das besser können als ich. Also habe ich mich entschieden, Sport zu studieren – habe aber meinen Schwerpunkt später im Hauptstudium auf Ökonomie gelegt.

… und bist „auf den Schuh“ gekommen?
BENZ: Ich weiß noch ganz genau, dass mir meine ersten Nike Airs das Gefühl gegeben haben, schneller laufen und höher springen zu können. Klar, Schuhe sind eine Grundlage zum Ausüben von Sport und auch Statussymbole. Ich verbinde Turnschuhe aber vor allem mit der Stilfrage und häufig auch mit der Geschichte hinter dem Design.

Und daraus hat sich für Dich ein Faible für Sneaker entwickelt?
BENZ: Ja, Turnschuhe haben für mich seit Kindesbeinen eine große Rolle gespielt. Sei es beim Basketball oder Skateboard fahren – Oder auch durch das Interesse an der Hip Hop Kultur.Während meines Studiums habe ich ein Praktikum bei Nike gemacht. Für mich als Sneaker-Fan stand fest: das Angebot im Rhein-Main-Gebiet ist zu klein; und so kam die Überlegung auf die Passion zum Beruf zu machen.

Wie kam dann die Idee auf, da entgegen zu wirken?
BENZ: Für meinen Studienabschluss musste ich ohnehin einen Businessplan aufsetzen. Dafür habe ich einfach mal das Konzept „Sneaker-Shop in der Darmstädter Innenstadt“ durchgerechnet und gemerkt: Hey, das könnte sogar klappen.

2008 hast Du dann den ersten Laden aufgemacht. Wie kam das zustande?
BENZ: Eigentlich stand ich kurz vor einem Neuseeland-Trip. Zusammen mit einem Kumpel wollte ich dort als Skilehrer arbeiten, das war schon so gut wie fix. Dann sprach mich der Vorpächter des Geschäfts am Friedensplatz an und fragte, ob ich seinen Mietvertrag zu Ende nutzen wolle. Sein Geschäft sei am Umziehen. Ich habe ohne zu zögern ja gesagt.

Und dann ging’s los.
BENZ: Ja. Ich habe den Laden eigenhändig umgebaut, um Geld für die erste Schuhbestellung zu sparen. Die ersten Jahre waren harte Arbeit. Ein 24-Stunden-Job. Ich habe Kunden beraten und parallel meine Steuererklärung fertiggemacht. (Lacht.) Erst Ende 2011 kam Phil, meine erste Aushilfe, dazu.

BENZ: Ja. Ich habe den Laden eigenhändig umgebaut, um Geld für die erste Schuhbestellung zu sparen. Die ersten Jahre waren harte Arbeit. Ein 24-Stunden-Job. Ich habe Kunden beraten und parallel meine Steuererklärung fertiggemacht. (Lacht.) Erst Ende 2011 kam Phil, meine erste Aushilfe, dazu.

Ich habe den besten Job der Welt und bin dankbar dafür, dass ich das machen kann, was mir Spaß macht – und damit auch noch erfolgreich bin.

Du verkaufst hier ja keine „Nullachtfuffzehn“-Turnschuhe, sondern echte Liebhabermodelle. Wie bist Du damals an die Brands gekommen?
BENZ: Die großen Marken fahren natürlich sehr stark sogenannte Key-City-Strategien. In London oder Paris ist es daher deutlich einfacher, einen gehobenen Sneaker-Store aufzubauen als in Darmstadt. Aber die Firmen waren von meinem Konzept und meiner Kompetenz angetan. 2008 gab es noch deutlich weniger Läden, die sich rein auf die Sneakerkultur konzentriert hatten.

Weil das zu der Zeit ein Randinteresse war?
BENZ: Der Sneaker hat sich ja über Jahrzehnte zum zeitlosen Modestück entwickelt, war also nie „tot“. Aber 2008 war das eher ein Nischenthema, das stimmt. Ganz anders heute: Nicht bloß Sneaker zu tragen, Sneaker zu sammeln, ist ja quasi zum Volkssport geworden. (Lacht.)

Wie hat sich die Sneaker-Kultur seit 2008 gewandelt?
BENZ: Mit einem Wort: Enorm. Der Sneaker als Accessoire hat zum einen von der Retrowelle der letzten Jahre profitiert. Wodurch auch eher, sagen wir, zielgruppenferne Labels auf den Turnschuh für den Alltag aufmerksam geworden sind. Heute hat ja auch Gucci oder Prada einen Sneaker in der Kollektion. Das Aufleben der Branche wurde zudem von der zunehmenden Digitalisierung flankiert. Du kannst dir etwa deinen Schuh online individualisieren. Adidas hat jetzt eine Sohle aus dem 3D-Drucker. Das Geschäft und mit ihm auch die Kundschaft sind also deutlich facettenreicher geworden.

Wie bist Du heute aufgestellt?
BENZ: Ich führe ein mittelständisches Unternehmen mit 80 Mitarbeitern. Wir verschicken täglich Ware in alle Kontinente, haben zwei Läden und zwei Lager.

Irre. Hast Du rückblickend das Gefühl, dass Du auf dieses Leben gut vorbereitet warst?
BENZ: Natürlich hatte ich auch eine Lernkurve. Viele Dinge ergeben sich nun mal erst, wenn man richtig anpackt. Und obwohl mein Studium nicht direkt praxismündend war, habe ich dort doch alle Softskills an die Hand bekommen, die ich heute brauche. Aber viel wichtiger, davon bin ich überzeugt, ist ein Sinn für Ästhetik und gute Menschenkenntnis!

Inwiefern Menschenkenntnis?
BENZ: Egal ob online oder offline – wir arbeiten eng mit Kunden zusammen, mit deren Zufriedenheit, mehr noch mit deren Wohlbefinden, unser Unternehmen steht und fällt.

Wie erreichst Du, dass die Kunden sich wohlfühlen?
BENZ: Es genügt nicht, fit in Sachen Buchhaltung zu sein. Es geht um Herzlichkeit. Ich habe das beste Team der Welt, Geschäfte, in denen man sich zu Hause fühlen kann und Social-Media-Kanäle, die unsere Arbeit nach außen transparent machen, so dass jeder an Asphaltgold teilhaben kann.

Facebook, Instagram und Co. Spielen bei Euch ja tatsächlich eine riesige Rolle. Können die Sozialen Medien den stationären Einzelhandel retten?
BENZ: Der stationäre Einzelhandel kann sich nur selbst retten. Mit Social Media befeuern wir in erster Linie unseren Onlineshop. Weil aber unser Geschäft so viel mehr ist als ein Geschäft – wir sind Treffpunkt und machen Aktionen, Release-Events, im Winter gibt’s Glühwein, nach Feierabend kommt mal ein DJ und macht Musik – brauchen wir diese Kanäle, um dieses „Mehr“ zu kommunizieren. An der Kreuzung von online und stationär, dort liegt die Antwort.


Daniel, how does a young man become a shoe seller?
DANIEL BENZ: Back when I went to school, I was interested in sports and product design. When it came to the design part, I had to be honest with myself and accept that there are people with more talent than me. So I decided to go for a degree in sports – and focused on economy during the course of my studies.

… and became interested in the economy of shoes?
BENZ: I still remember how my first pair of Nike Airs gave me the stunning feeling that I could walk faster and jump higher. Of course, shoes are the basis for doing sports and have more and more become status icon. In my point of view, sneakers include an important style factor and they tell the story of their design.

So this is where your soft spot for sneakers has come from?
BENZ: Absolutely. Sneakers have been a part of my life ever since I was a kid. When I was playing basketball, skating, listening to Hip Hop music, becoming part of the culture sneakers were essential for. During my studies I became an intern with Nike. As a fan of sneakers I knew pretty soon that the offer in the Rhein-Main region was too small; and this is where I got the idea to follow my passion professionally.

So you decided to originate the change by yourself?
BENZ: One of the tasks for my diploma was to write a business plan. So I just calculated the concept of creating a sneaker store in the town center of Darmstadt and realized: This could work.

You actually opened the store in 2008. How did the plan become reality?
BENZ: Actually, that was the time when I was busy planning a trip to New Zealand with a friend, where we were going to work as ski trainers. Then the tenant of the store at Friedensplatz contacted me and asked me if I wanted to try my concept until his rental contract expired, since he had found a new place. Without hesitation I said yes.

And then it began.
BENZ: Yeah. I redecorated the store myself so I could use all the money I had on the first order of shoes. The first couple of years I worked extremely hard, practically 24 hours a day. I talked to customers while I was working on my tax returns. (Laughs.) Only in late 2011, I hired Phil, my first employee.


I’ve got the greatest job on earth and I’m extremely grateful that I can do what I love – and even be successful with it.

Daniel Benz

At your store you don’t sell just any kinds of standard sneakers but focus on real collector’s items. How did you manage to make your store interesting for the large name brands?
BENZ: Of course, basically, the large brands follow so called key city strategies, which makes it a lot easier to build your high-level sneaker store in London or Paris, than in Darmstadt. But the companies were impressed by my concept and my competence. And in 2008 the number of stores that only focused on sneaker culture was way smaller.

Because sneakers weren’t that big of a deal back then?
BENZ: The sneaker has had years of history where it continually became the timeless piece of fashion that it is today – the sneaker was never “dead”. But in 2008 the sneaker was indeed more of a niche product. Today it’s not only hip to wear sneakers, you also collect them. It has become like a national sport. (Laughs.)

How has the culture developed since 2008?
BENZ: Just one word: enormously. The sneaker as an accessory has profited massively from the retro trend that has grown over the last years. This has also led to a tendency that fashion labels that, let’s say, design fashion for customers that aren’t usually into sneakers have designed their own everyday-wear shoes: Gucci or Prada for instance. What has also formed the industry is the fact that digitalization has brought along numerous goodies for the customers. Now you can buy and individualize your shoe online or get an Adidas sneaker with a sole that was produced in a 3D printer. The business as well as its customers, have become more and more multi-faceted.


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Felix

Bonvivant.

Mehr als irgendeine Stadt lässt Frankfurt Felix' Herz höher schlagen. Sein Enthusiasmus für Bob Dylan provoziert mitunter offene Besorgnis. Einem achtbaren Lebenswandel steht obendrein noch seine Cinephilie im Wege. Aber kochen kann er.

Dem Chaos ist er näher als der Ordnung. Sofern das nicht eh ein und dasselbe ist. Genau wie Schreiben und Denken. Erwischt sich immer wieder bei Selbstgesprächen. Mit anderen unterhält er sich aber auch gerne.