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DIE NEUN | Frankfurter Buchtipps für die Quarantäne

Ob als Auszeit vom Home Office-Wahnsinn oder als entschleunigende Digital Detox-Kur – viele besinnen sich in dieser Zeit auf den Klassiker unter den Zeitvertreiben: Das Lesen. Lesen ist Entspannung und zugleich geistiges Training. Es ist Flucht aus der Realität und eine Reise in unsere Fantasie. Oder, wie Voltaire es ausdrückte, „Lesen stärkt die Seele“ – und was brauchen wir in diesen Tagen mehr? Für Bücherwürmer, die sich inspirieren lassen möchten oder solche, die einen kleinen Leseanstoß suchen, haben wir eine Auswahl an Tipps zusammengestellt. Und natürlich drehen sich alle um unser geliebtes Frankfurt.

1 | Krimi: Die ‘Kayankaya’- Reihe von Jakob Arjouni

Wer der Quarantäne mit Nervenkitzel und heißen Spuren entfliehen will, kann sich mit Privatdetektiv Kemal Kayankaya in die Abgründe des Bahnhofsviertels und der organisierten Kriminalität, in die alten Villen des Frankfurter Diplomatenviertels oder die edlen Anwesen der Upper Class im Taunus begeben. Erstmals 1985 lässt der bereits 2013 verstorbene Autor Jakob Arjouni seinen kettenrauchenden Protagonisten im Rahmen der fünfbändigen Krimi-Reihe in seiner Heimatstadt Frankfurt ermitteln.

Kayankaya, ein Komissar vom Typ harter Kerl, etwas verschlagen und gerne mal verkatert, hat mit Morden in Bordellen, Bandenkriegen sowie verschwundenen Mädchen zu tun und ermittelt da, wo die Polizei nicht hinschauen möchte. Dabei wird der türkischstämmige Kayankaya nicht selten mit Rassismus konfrontiert, dem er mit Schlagfertigkeit, Witz und einer Spur Sarkasmus begegnet.
Locker, spannend und stimmt doch nachdenklich– mit anderen Worten sehr lesenswert!

2 | Liebe: ‘Frankfurt verboten’ von Dieter David Seuthe

Ganz anders, aber nicht weniger spannend, liest sich der erste Roman des Psychotherapeuten Dieter David Seuthe. Er erzählt die Geschichte der angehenden jüdischen Pianistin Elise Hermann und ihrer großen Liebe, dem Jurastudenten Max von Hochem, im Frankfurt der Weimarer Republik und des Dritten Reichs. Die talentierte Musikstudentin des Hoch’schen Konversatoriums scheint zunächst eine vielversprechende Zukunft vor sich zu haben, bis sie jedoch mit dem Beginn des Nationalsozialismus in Deutschland ihre Karriere und ihre Liebe verliert und als letzte Rettung nach Neuseeland flieht. Seuthe, der selbst aus Frankfurt kommt und lange in Neuseeland gelebt hat, beschreibt sehr mitreißend und authentisch das persönliche Schicksal der jungen Frau, ihre Liebesgeschichte und gibt einen spannenden Eindruck der Situation in Frankfurt zur damaligen Zeit. Dem Roman war zurecht das Lesefest „Frankfurt liest ein Buch“ im Jahr 2016 gewidmet.

3 | Geschichte: ‘Straßen von gestern’ von Silvia Tennenbaum

Bereits 2012 ebenfalls vorgestellt bei „Frankfurt liest ein Buch“, spielt sich der historische Roman „Straßen von gestern“ der US-amerikanischen Schriftstellerin Silvia Tennenbaum ebenso vor Frankfurter Kulisse ab. Sie beschreibt, teilweise sehr autobiografisch, die Geschichte der großbürgerlichen, jüdischen und wohlhabenden Familie Wertheim. Der Leser wird mitgenommen ins edle Westend und in das kultivierte, prunkvolle Leben der „jüdischen Buddenbrooks“ (so die F.A.Z) mit seinen Krisen sowie den Schicksalen der einzelnen Familienmitglieder. Die liebevoll beschriebenen Schauplätze unserer zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits kulturell sehr bunten Stadt, wird jeder Frankfurter wiedererkennen. Auch Kunst spielt eine sehr wichtige Rolle im Leben der Wertheims, was den Roman zu einem heißen Buchtipp des Städelmuseums macht. Ein Muss für jeden, der sich für die bewegte Vergangenheit unseres Frankfurts und eine bewegende Familiengeschichte interessiert.

4 | Bildband: ‘Frankfurt – New York’ von Torsten Andreas Hoffmann

Wer hat sich beim Blick auf die Frankfurter Skyline nicht schon einmal bei dem Gedanken ertappt: Ist ja schon irgendwie ein bisschen wie New York? In Fotograf Torsten Andreas Hoffmanns Bildband-Klassiker „Frankfurt – New York“, haben wir den Vergleich schwarz auf weiß. Chrysler Building und Messeturm, Manhattan Bridge und Holbeinsteg, Main und Hudson – Hoffmann hat spannende Perspektiven, Menschen und Eindrücke beider Städte eingefangen. Auch wenn Manhattan es selbstverständlich nicht mit Mainhattan aufnehmen kann – die Ähnlichkeit ist verblüffend. Ein perfektes Coffee Table Book also, um sich in diesen Tagen wegzuträumen.


5 | Guide: ‘Im Frankfurter Bahnhofsviertel’ von Ulrich Mattner

Wenn wir schon nicht hinaus dürfen, haben wir hier eine Möglichkeit für Euch, einen illustrierten Rundgang durch eine der aufregendsten Nachbarschaften Frankfurts zu machen: Das Bahnhofsviertel. Kaum jemand kennt diesen Kiez so gut wie der Journalist und Fotograf Ulrich Mattner. Der ehemalige F.A.Z-Korrespondent lebt seit vielen Jahren im Bahnhofsviertel und zeigt uns in diesem Kulturführer seine Highlights. Er nimmt uns mit in die Unter- und Parallelwelt des Szeneviertels. Für alle, die nach diesem Guide mehr über das Bahnhofsviertel erfahren wollen, ein kleiner Tipp für die Zeit nach Corona: Der International Media Award-Preisträger des Frankfurter Presseclubs Mattner bietet Führungen unter den Titeln „Kunst- und Kiez-Tour“ oder „Crack, Koks, Heroin“ an. Na, neugierig?


6 | Für die Kleinen: ‘Mein erstes Frankfurt-Buch’ von Jennifer Langer

Für die Kleinsten, die ihre Kita-Freunde vermissen und sich nach Beschäftigung sehnen, empfiehlt sich „Mein erstes Frankfurt-Buch“ der Kunst- und Deutschlehrerin Jennifer Langer. Liebevoll illustriert und mit kurzen Kommentaren, können die jüngsten Frankfurter berühmte Orte, Sehenswürdigkeiten und Kulinarisches der Stadt bestaunen – bevor Ihr bald wieder einen Familienausflug dorthin machen könnt!


7 | Kulinarik: ‘Frankfurter Kochbuch der Kulturen’ des Frankfurter Jugendrings

Frankfurt isst bunt! Das zeigt auf wunderbare, leckere Weise dieses Kochbuch, das aus einem Schul- und Kochprojekt des Frankfurter Jugendrings. Es ist bei der Vorbereitung zur Parade der Kulturen 2007 entstanden. Schulklassen, Kinder- und Jugendgruppen sowie Kulturvereine aus 34 Ländern haben sich an diesem Projekt beteiligt. Jedes einzelne Rezept wurde nachgekocht sowie aufgeschrieben. 73 Rezepte aus Ländern wie Afghanistan, Thailand, Türkei, Indien und Spanien inspirieren uns auf 138 Seiten zum Nachkochen und zeigen gleichzeitig die kulturelle Vielfalt Frankfurts. Im Jahr 2008 wurde das bunte Kochbuch im Rahmen der Londoner Buchmesse mit dem weltweit renommierten Gourmand World Cookbook »Special Award« sowie im Rahmen der Frankfurter Buchmesse mit dem »The Best Of The Best«-Preis ausgezeichnet. Ein wundervolles Ergebnis ehrenamtlichen Einsatzes, das gleichzeitig auch noch schmeckt!


8 | Lyrik: ‘Es geht um Poesie’ von Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken (Hrsg.)

Die Lyrik-Fans unter uns können sich mit der sorgfältig ausgewählten Textsammlung „Es geht um Poesie“ der Direktorin des Frankfurter Goethe-Hauses und -Museums, Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, in die verträumte Welt der Deutschen Romantik entführen lassen. Inspirierende Gedichte und Prosatexte von Novalis bis Eichendorff befreien uns aus den vier Wänden der Quarantäne. Und das Beste daran: Mit dem Kauf dieses Buches spendet Ihr zwei Euro für den Bau des Deutschen Romantik-Museums.


9 | Kurzgeschichten: Die ‘Ein Viertelstündchen Frankfurt’- Reihe von Meddi Müller und Marcel
Dax (Hrsg.)

Woher haben die Frankfurter Straßen eigentlich ihren Namen? Wie lässt sich das Nilgans-Problem lösen? Was verbirgt sich hinter Dodge City? All diese Fragen werden in den drei Bänden der Reihe „Ein Viertelstündchen Frankfurt“ beantwortet. Zehn Kurzgeschichten von bekannten Autoren aus der Region wechseln sich ab mit zehn Texten zu wissenswerten Fakten über Frankfurt und seiner Geschichte. Wer keine Muse für lange Lesestunden hat, kann beruhigt sein: Alle Texte sind in einem „Viertelstündchen“ zu genießen – Unsere kleine Dosis Frankfurt für zwischendurch!
Wer nicht genug bekommen kann: Die Sammlung an Buchtipps aus und über Frankfurt ist schier endlos, stöbert doch einfach mal – online – in unseren lokalen Buchläden!


Doch lieber Filme und Serien statt Bücher?
Dann hier entlang!

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Nathalie

Gebürtig aus Darmstadt, seit mehreren Jahren Wahlfrankfurterin - und immer noch frisch verliebt in die Stadt. Leidenschaftliche Spaziergängerin, Kaffee-Trinkerin, Yogi, Tänzerin, Medienkulturwissenschaftlerin und PR-Trainee. Kochmuffel und daher Restaurantfan. Theater- und Kunstliebhaberin. Früher Vogel oder Nachteule je nach Tagesform. Reich an Sommersprossen.