„Bitte alle aussteigen!” – Vom Leben an Frankfurts Endstationen

Stolze 43 Stadtteile zählt unser wunderbares Frankfurt. Doch, seien wir mal ehrlich: Manche von ihnen sind manchen von uns vor allem von den Zielanzeigern der U-Bahn bekannt. Während wir uns sehr zielsicher durch innerstädtische Biosphären bewegen, haben manche von uns von Praunheim, Riedberg oder Enkheim nur sehr vage Vorstellungen. Wie schade eigentlich – findet ihr nicht auch?

Zeit also, auf ein wenig Tuchfühlung mit den äußeren Zipfeln Frankfurts zu gehen! Hierfür haben wir junge Menschen ausgemacht, die auf ihrem Heimweg bis zum letzten Halt sitzen bleiben. In unserer neuen Serie erzählen sie, wie sie in ihren Stadtteilen gelandet sind, was sie dort besonders schätzen, was sie vermissen. Und nicht zuletzt verraten sie, weshalb jeder einmal bis zur Endstation durchfahren sollte. Zum Auftakt unserer Reihe steigen wir in die U-Bahnen der Linien U1, U6 und U8 und unterhalten uns nach Fahrtende mit Elizabeth, Annette und Johanna.  

Elizabeth aus Hausen: Hier leben Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen!”

Ein “waschechtes Frankfurter Mädchen” ist Elizabeth. Sie hat in unserer Lieblingsstadt das Licht der Welt erblickt und ist nach dem Studium in Leipzig an ihren Geburtsort zurückgekehrt. Auch weit weg von ihrer Heimat hat sie sich jederzeit als echte Frankfurterin gefühlt: Vor allem ihre Schulzeit hat ihr Zugehörigkeitsgefühl zur Stadt nachhaltig geprägt. Doch wieso ausgerechnet Hausen? „Meine Familie ist dort in das Haus meiner Großeltern gezogen, als ich dreizehn war“, erzählt uns die heute 26-Jährige. An ihrem Stadtteil weiß sie zu schätzen, dass mit der Nidda samt namensgleichem Park die grüne Natur nicht weit ist – kein Wunder, dass sie uns ans Herz legt, unbedingt einmal die putzigen Nutrias zu beobachten, die sich in und um Hausen pudelwohl fühlen.  

Außerdem schätzt Elizabeth, dass auch das Zentrum der Stadt in Form der Hauptwache recht schnell mit der U-Bahn erreichbar ist. Mit dem Auto sei man außerdem ratzfatz auf der A66 und damit schon fast in Wiesbaden. In Hausen, stellt sie fest, lebten ganz unterschiedliche Menschen mit den verschiedensten Hintergründen – zahlreiche Kinder und Jugendliche inklusive. „Das hier ist eine sehr familienfreundliche Wohngegend!“, ist sie sich sicher. Wie auch, dass die drei Worte „grün“, „rund“ und „angebunden“ ihr Viertel am besten beschreiben.


Ein wenig schade findet die Hausenerin jedoch, dass sich in ihrem Stadtteil keine hippen Cafés und Bars finden lassen. Dafür aber, schmunzelt sie, „hat man von hier aus einen wirklich guten Blick auf die Skyline“. Und würde die U-Bahn durchweg unterirdisch durch ihr Viertel verkehren, wäre das auch ganz nett. Allen Vorzügen zum Trotz ist Elizabeth aber gerade auf der Suche nach einer neuen Wohnung – solange sie jung ist, würde sie lieber in einem zentraleren Stadtteil wohnen. „Im Nordend zum Beispiel“, erzählt sie, „um das wirklich städtische Leben eine Weile lang zu leben.“

Bis es aber soweit ist, trifft man sie jedoch noch häufig in der U-Bahn der Linie 6 an – auf dem Weg in die Stadt. „Ist ja wirklich nicht so weit!“

Annette aus Riedberg: „Das hier ist absolute Lebensqualität!“

Auch Annette ist Frankfurt zwischenzeitlich untreu geworden: Für ihr Studium hat sie die Mainmetropole verlassen und anschließend sogar im Ausland gelebt. Zurückgekommen ist sie trotzdem – der Liebe wegen. Gemeinsam mit ihrem Mann, verrät sie, hat sie sich für Frankfurt als ihre neue, alte Heimat entschieden. Und seit dem Jahr 2016 ist der Riedberg ihr Zuhause. Darüber, dass sie eine Endstations-Bewohnerin ist, hat sie sich noch nie den Kopf zerbrochen – ganz sicher ist sie sich aber, sehr glücklich im ab dem Jahr 2001 auf grüner Wiese errichteten Stadtteil zu sein. „Park, Felder und den Taunus vor der Haustür zu haben – das ist absolute Lebensqualität!“, gerät sie ins Schwärmen. Kein Wunder, dass die Reise-Expertin es liebt, sich auch im Alltag ganz wie im Urlaub zu fühlen. Sie joggt sehr gerne und weiß es zu schätzen, im Riedberg – oder sollte man besser sagen: „auf dem Riedberg?“ –  einfach drauflos laufen zu können.

Ihr Geheimtipp für einen Riedberg-Besuch? „Man sollte unbedingt einmal bei Sonnenaufgang auf die Skyline geblickt haben!“, empfiehlt sie uns. Und bringt die Vorzüge ihres Stadtteils mit drei Worten auf den Punkt: „International, lebendig, grün!“ Trotz aller Natur seien die Wege im Stadtteil kurz – „alles, was man zum täglichen Leben braucht, ist ein Laufweite zu finden“. Dieser Umstand spare Zeit und Nerven – und wenn man denn möchte, sei man dennoch innerhalb von 20 Minuten in der Innenstadt. Egal, ob mit U-Bahn oder Auto.

Der Riedberg – ein perfekter Stadtteil? Für die 45-Jährige nicht ganz: „Das gastronomische Angebot könnte breiter sein“, moniert auch sie. „Eine Weinbar wäre schon schön!“ Da der Stadtteil durch die U-Bahn nicht umsteigefrei erschlossen ist, trifft man sie im Zweifel auch eher im Car2go an. Nichtsdestotrotz fühlt sie sich gegenüber anderen Frankfurtern in keiner Weise benachteiligt: „Kein Zweifel!“, versichert sie. „Ich liebe meine Stadt!“

Worte, denen wir nur beipflichten können. Und Lust auf eine weite Laufrunde in Riedberger Gefilden haben wir auch bekommen.

Johanna aus Ginnheim: „Natürlich fühle ich mich als echte Frankfurterin!“

Unterwegs in aller Welt – und in Ginnheim zu Hause: Das ist Johanna. Bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung in Reichweite zur Uni ist die Flugbegleiterin im Nordwesten der Stadt fündig geworden. Als eine von 16.000 Ginnheimern – und noch dazu gebürtige Frankfurterin – weiß sie die Nähe zum Niddapark sehr zu schätzen. „In ihm sollte man unbedingt kurz vor Sonnenuntergang mal eine Runde spaziert haben!”, empfiehlt sie. Dass auch sie die kurze Fahrzeit in die Innenstadt lobt, bestätigt den Verdacht: Unsere Lieblingsstadt ist so kompakt, dass auch die Stadtteile der Endhaltestellen mehr mittendrin als nur dabei sind! Allerdings, merkt die 23-Jährige an, fehle es Ginnheim dann doch ein wenig an „Stadt-Feeling“.

Für echtes kosmopolitisches Flair mangelt es ihr in Ginnheim an einem schönen Café ums Eck oder einer Drogerie. „So ist das eben”, sagt sie, “Ginnheim ist ein Ort zwischen Grün und Skyline”. Trotzdem fühlt sich Johanna in keinster Weise abhängt: „Ich fühle mich definitiv als echte Frankfurterin!“, beteuert sie und verrät zum Abschluss, dass sie nur noch selten mit der U-Bahn unterwegs ist. „Die Verbindungen über den Dornbusch oder Bockenheim sind einfach ein paar Minuten schneller!“ 

Seid auch ihr schon einmal bis nach Hausen, Riedberg oder Ginnheim durchgefahren?
Habt ihr spannende Sachen dort erlebt? Wie waren eure Eindrücke? Lasst es uns doch wissen – wir freuen uns schon jetzt auf eure Kommentare!

Ihr mögt U-Bahnen? Wir haben Euch mal die 9 schönsten Frankfurter U-Bahn-Stationen herausgesucht.

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Matze

Zugezogen, doch fühlt sich im Herzen längst als Frankfurter. Wenn er nicht gerade zu viel Geld für Bücher, Schallplatten und Kleinbildfilme ausgibt, vertrödelt er mit Vorliebe ganze Nachmittage im Café. Dort trinkt er zu viel Kaffee und raucht zu viele Zigaretten - meint zumindest sein Arzt. Großer Verfechter des Apfelweins (sauer!), betreibt gern Multitasking, kaut ununterbrochen Kaugummi. Liebt Prinzipien und mag es strukturiert:
Selbst für seine To-Do-Listen schreibt er To-Do-Listen.