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“Bitte alle aussteigen!” – Vom Leben an Frankfurts Endstationen | Teil II

Stolze 43 Stadtteile zählt unser wunderbares Frankfurt. Doch, seien wir mal ehrlich: Manche von ihnen sind manchen von uns vor allem von den Zielanzeigern der U-Bahn bekannt. Während wir uns sehr zielsicher durch innerstädtische Biosphären bewegen, haben manche von uns von Praunheim, Riedberg oder Enkheim nur sehr vage Vorstellungen. Wie schade eigentlich – findet ihr nicht auch?

Im ersten Teil unserer Serie haben wir wunderbare Frankfurter in der U-Bahn bis zur Endstation begleitet – nach Hausen, Ginnheim und auf den Riedberg. Und auch heute bleiben wir wieder bis zuletzt sitzen und lassen uns von drei Fahrgästen erklären, wie es sich in drei weiteren Stadtteile fernab der Innenstadt so lebt und liebt. Wir nehmen Platz in den U-Bahn-Linien U4, U5 und U7 und treffen Menschen an der “Endstation”…

Denise aus Bergen-Enkheim : “Und plötzlich
war da UNSER Haus!”

Bühne frei für Bergen-Enkheim, Bühne frei für Denise! Schon 2009 hat sie sich dazu entschieden, nach Frankfurt zu ziehen. Nach einigen Jahren in Bockenheim hat es sie dann gemeinsam mit ihrem Mann nach Bergen-Enkheim gezogen, wo sie seit 2013 lebt. Im östlichsten Stadtteil, der erst 1977 eingemeindet wurde und bis heute eine eigene Vorwahl hat, hat sie auch ihr Familienglück gefunden und eine kleine Tochter bekommen. Ob Denise den Stadtteil an der Endhaltestelle der U4 für sich entdeckt hat, oder Bergen-Enkheim geradezu auf die 39-Jährige gewartet hat, ist ihr selbst nicht ganz klar: „Wir hatten nach einem eigenen Haus gesucht“, erinnert sie sich. „Eine schwierige Aufgabe in Frankfurt, wir waren damals sogar dazu bereit, noch weiter raus zu ziehen“. Als glückliche Fügung lässt sich bezeichnen, was dann geschah: „Plötzlich war da UNSER Haus“, lächelt sie. „Und das sogar in Frankfurt. Obwohl sich Bergen-Enkheim ja nicht so wirklich nach Großstadt anfühlt…“


Die Nähe zur Natur hat sie schnell zu schätzen gelernt. „Wir haben die Wetterau vor der Tür, das Enkheimer Ried, den Lohrberg…“, schwärmt sie. Auch das Schwimmbad in Laufweite empfindet sie als echten Standortvorteil. Doch auch sie selbst hat einiges dafür getan, um die Attraktivität des 18.000 Einwohner starken Stadtteils zu steigern: Als Selbstständige betreibt Denise ein Büro für Interior-Design und hat den kleinen Laden „Schätze Bergen“ im Stadtteil gegründet. Dort verkauft sie selbst designte Möbel und besondere Deko- und Geschenkartikel. „Wir lieben das Schöne“, heißt es auf ihrer Homepage – „aber noch mehr unseren Stadtteil“. Na, wenn das mal kein schönes Bekenntnis zu ihrem Viertel ist!


Bei aller Liebe zu Bergen-Enkheim ist Denise allerdings ein Dorn im Auge, dass sie erst einmal zur U-Bahn-Haltestelle gelangen muss, bevor sie in die Innenstadt düsen kann. Angesichts der vielen jungen Familien, die in den Stadtteil ziehen, wünscht sie sich auch ein attraktives Café sowie eine attraktive Mitte. „Die Marktstraße verliert etwas an Attraktivität, da viele kleine Einzelhändler aufgegeben haben“, bedauert sie. „Bad Vilbel hat das toll hinbekommen“, nimmt sie sich ein Vorbild an der Nachbarstadt – betont aber, dass sie sich ganz unbedingt als echte Frankfurterin fühlt.

Klar, dass eine Vollblut-Bergen-Enkheimerin auch tolle Tipps für uns parat hat:
„Ein Spaziergang lohnt sich hier auf alle Fälle. Und anschließend unbedingt bei Dragi einkehren, das ist die Wirtin der alten Post!“ Machen wir, Denise. Aber vorher stellen wir noch unsere obligatorische Frage: Kannst du deinen Stadtteil in drei Worte fassen?

Natürlich kann sie. Und muss hierfür gar nicht lange überlegen: „Familienfreundlich, naturnah, liebenswert!“, bringt es die Umtriebige auf den Punkt. Und macht uns richtig Lust, selbst einen ausgedehnten Streifzug durch ihr Bergen-Enkheim zu unternehmen. Wir sehen uns!

Oliver aus Praunheim: „Von hier aus kann man fantastisch
in den Taunus blicken!“

Oliver wohnt seit 2006 in Praunheim. „Ich kam sehr schnell und unkompliziert an eine schöne Wohnung“, erinnert sich der 31-Jährige. Seinen Umzug innerhalb der Stadt hat er nie bereut: „Es ist sehr ruhig in Praunheim, aber dank einer guten U-Bahn-Anbindung ist man auch ruckzuck in der Innenstadt“, erklärt er die Vorzüge des 16.000 Einwohner starken Stadtteils. Somit ist der Sachbearbeiter einer großen Bank auch fast täglich mit der U7 unterwegs – bis hin zur Endstation. Kein Manko, wie er findet: Er hat hier alles, was er zum Leben braucht. Die Supermärkte sind fußläufig, und für die ausgedehnte Shopping-Tour schätzt und nutzt er den Bus hinüber zum Nordwestzentrum. Und wenn alle Wege zurückgelegt und sämtliche Einkäufe getätigt sind?




Dann liebt Oliver die Nähe zur Natur. „Das freie Feld beginnt gleich hintendran“, schwärmt er. „Von dort aus hat man einen fantastischen Ausblick auf den Taunus!“ Für einen gebürtigen Frankfurter ist es wahrscheinlich schwierig, seinen Stadtteil in nur drei Worten zu beschreiben. Wir bitten trotzdem darum – und bekommen eine prompte Antwort: „Ruhig, zentral & unaufgeregt“, formuliert er zielsicher. „Könnt ihr damit arbeiten?“ Können wir, lieber Oliver – und nehmen uns fest vor, demnächst auch einmal bis zum Fahrtende sitzen zu bleiben und einen Spaziergang durch Praunheim zu unternehmen…

Melanie aus Preungesheim: “Ich lebe fast wie
auf dem Dorf!”

Am Endpunkt der U-Bahn-Linie 5, eingerahmt von den Stadtteilen Eckenheim und Berkersheim, lebt Melanie. Dass sie im Oktober 2014 ausgerechnet in Preungesheim „landen“ würde, war so nicht geplant: „Das war Zufall“, erinnert sich die 34-Jährige Online Marketing-Managerin. „Ich brauchte damals sehr dringend eine Wohnung, hatte nur zwei Wochen Zeit und schrieb ein Gesuch im Internet. Daraufhin meldete sich meine heutige Vermieterin – und bot mir die Wohnung in einem Reihenhaus an, in der ich heute lebe.“

Für die Dienste von „Kommissar Zufall“ ist Melanie bis heute dankbar: „Preungesheim hat eine tolle Lage!“, betont sie einen der Vorzüge ihres Stadtteils. Bis zur Innenstadt ist es nicht weit, und an Sonntagen spaziert sie am liebsten durch die nahen Felder. Ihre nette Nachbarschaft hat sie schnell heimisch im knapp 16.000 Frankfurter zählenden Stadtteil werden lassen. „Das fühlt sich hier manchmal eher nach einem Dorf an!“, schmunzelt sie. Lediglich ein gemütliches Café um die Ecke vermisst die Zugezogene. „Dafür ist von der Hektik der Stadt aber auch nicht viel zu spüren hier!“ Melanie hat rasch die Vorzüge Frankfurts als Stadt der kurzen Wege für sich entdeckt. „Noch viel häufiger als mit der U-Bahn bin ich mit dem Fahrrad unterwegs“, sagt sie. „Damit bin ich viel schneller und flexibler!“


Einen Tipp für alle, die sich ihren Stadtteil einmal anschauen möchten, hat sie natürlich auch für uns parat: „Man sollte unbedingt die Aussicht auf die Skyline genießen!“, sagt sie und legt uns gleich den besten Ort hierfür ans Herz. Von einer der Brücken über die nah gelegene Autobahn hat man laut Melanie nämlich den besten Blick auf Frankfurts Wolkenkratzer. Natürlich haben wir auch unsere Preungesheimerin gebeten, ihren Stadtteil in drei Worten zu beschreiben. Hier geht Melanie neue Wege – indem sie es einfach bei zweien belässt. „Bodenständig und lebenswert!“, sagt sie. Eben wie auf dem Dorf.

Hier geht es zu Runde 1 aus Hausen, Ginnheim und vom Riedberg. Ihr wollt uns mehr über Eurer Viertel und Euren Stadtteil erzählen? Dann schreibt uns gern einfach!


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Matze

Zugezogen, doch fühlt sich im Herzen längst als Frankfurter. Wenn er nicht gerade zu viel Geld für Bücher, Schallplatten und Kleinbildfilme ausgibt, vertrödelt er mit Vorliebe ganze Nachmittage im Café. Dort trinkt er zu viel Kaffee und raucht zu viele Zigaretten - meint zumindest sein Arzt. Großer Verfechter des Apfelweins (sauer!), betreibt gern Multitasking, kaut ununterbrochen Kaugummi. Liebt Prinzipien und mag es strukturiert:
Selbst für seine To-Do-Listen schreibt er To-Do-Listen.