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So kontrastreich wie ihre Stadt: die Frankfurter Band Firstborn Unicorn

Die Band Firstborn Unicorn auf der Bühne

Diese Frankfurter führen ein Doppelleben: Eric, Alu und Niclas sind tagsüber ganz normale Büroangestellte und Studenten. Nach Feierabend arbeiten die drei aber fleißig an ihrer musikalischen Karriere. Wie das klingt und warum, hat uns Bandmitglied Eric verraten.

Titelbild: Management4artists

Wie alles begann

Firstborn Unicorn – so nennen sich drei Frankfurter Kleinkünstler, die sich so engagiert auf die Bühnen kämpfen, dass wir darüber berichten möchten. Vor zwei Jahren noch, saß Eric in neutralem Shirt und dunklen Jeans am Schreibtisch. Niemand hätte je erahnt, dass in ihm noch eine ganz andere Persönlichkeit schlummern könnte, als ein kreativer Konzernmitarbeiter. Vor über einem Jahr zeigt er plötzlich seine andere Seite, erscheint tätowiert und mit blau-gefärbten Haaren im Büro. Seitdem ist es nicht mehr zu verheimlichen: Eric ist nicht nur Jimi-Hendrix-Fan, sondern selbst leidenschaftlicher Musiker.

Seit einigen Jahren tüfteln er und sein Bandkollege Alu schon in ihrem Probenraum an ihren Songs und damit auch an ihrem ganz persönlichen Genre. Inspirieren lassen sich die Jungs dabei nicht nur von Jimi Hendrix, sondern auch von den Red Hot Chili Peppers und Rage Against The Machine. Seit kurzem sind auch Einflüsse von Künstlern wie Eminem, Samy Deluxe und Bilderbuch vertreten. „Unsere Musik ist ultra abwechslungsreich und voller Energie. Wir haben Punk-Metal-Stücke in gleicher Linie aber auch Indie- und Akustik-Songs“, beschreibt Eric.

Die Texte schreibt der halbe US-Amerikaner selbst – sie entstehen aus Fetzen, die er immer wieder in sein Sketchbook kritzelt – hauptsächlich sind es Reime, die er da notiert. 

Inspiration aus der Stadt

„Frankfurt ist schön, hat aber auch eine dreckige und kontrastreiche Seite. Was man hier so tagsüber auf den Straßen erlebt, bietet genügend Stoff für gute Texte“, erklärt er. Dabei erzählt er von einigen Begegnungen und Szenen dieser Stadt, die ihn bereits inspiriert haben. 

Frankfurt hat als internationale, durch Elektro und Deutschrap geprägte Stadt, einen besonderen Reiz für die Jungs. „Es gibt hier nicht die eine berühmte Band. Die Stadt ist musikalisch bunt gemischt aber die Kleinkunstszene muss man mit der Lupe suchen, nicht zuletzt mangels Möglichkeiten zum Proben und Auftreten.

Musikalisch bunt gemischt

Diesen Fakt haben sie auch in einem Song auf ihrem ersten eigenen Album verarbeitet: „In „Dreamdefenders“ geht es um Träume, die meistens nur Träume bleiben. Denn, obwohl wir die Kraft hätten, sie zu verwirklichen, wirft einem das Leben immer wieder Steine in den Weg, die uns daran hintern, unsere Träume zu leben“, so Eric. „Bei uns bestand so ein Stein in der jahrelangen Suche nach einem Schlagzeuger:in, weshalb wir nicht auftrittsfähig waren.

Doch unsere aufwendige Suche hat sich nun ausgezahlt: Vor einem Jahr kam Niclas zur Band. Er studiert Jazz-Schlagzeug und bringt ein breites musikalisches Spektrum mit. Außerdem sprudelt er vor neuen Ideen, einen besseren Drummer hätten wir uns nicht vorstellen können“, erzählt Eric. 

Fotos: Management4artists

Pandemie lässt Kleinkunstszene schrumpfen

Den Stein, der sich dann in den Weg stellte könnte man eher als einen gewaltigen Felsen bezeichnen. Denn mit Ausbruch der Pandemie folgte zuerst die Absage der Tour und inzwischen ist die gesamte Branche gefährdet. „Zum heutigen Zeitpunkt geht es nicht mehr um den bloßen Wunsch, die Kleinkunstszene zu fördern, sondern darum sie zu retten. Viele Live-Clubs kommen nicht durch die Krise und werden den Künstler:innen zukünftig keine Bühnen mehr bieten können. Mal ganz davon abgesehen, dass man nicht weiß, wie viele kleine Bands es nach der Pandemie noch geben wird“, sorgt sich der Bandleader. 

Die Pandemie hat aber auch ihre positiven Auswirkungen auf Firstborn Unicorn. „In unserem Probenraum lassen wir mehrmals pro Woche unsere Musik fließen und probieren derzeit viel Neues aus. Unsere „Jam-Sessions“ nehmen wir häufig auf, hören immer wieder an, was wir produziert haben und entwickeln dann ein Thema. Wenn wir einen Song kreieren, sprechen wir viel in Bildern, um eine Stimmung zu erzeugen. Die Texte kommen später dazu“, so Eric. 

Auf diese Weise ist auch ihr erstes Album „Off Outside“ entstanden, auf dem sie sich damit auseinandersetzen, dass sich der Mensch immer weiter von seinem Ursprung entfernt. Seit Februar 2020 halten sie ihr in Eigenregie produziertes Album stolz in den Händen: „Es ist eine kritische Betrachtung des vom Menschen selbst geschaffenen Systems“, schildert Eric.

Denkt an Eure Lieblingskünstler:innen!

Klar, wir alle werden die ausgefallenen Konzerte mindestens nachholen wollen, aber bis wir wissen, wann das ist, gibt es noch ein paar Möglichkeiten, Eure liebsten Musiker:innen zu unterstützen. Ganz einfach geht das zum Beispiel mit dem Kauf von Musik natürlich, aber auch Merchartikel helfen. Schaut die Livestreams, kommentiert und teilt Beiträge. Veranstaltungsorte freuen sich natürlich über Spenden oder Gutscheinkäufe.


Ihr wollt mehr von der Band Firstborn Unicorn erfahren? Schaut doch mal auf Instagram vorbei. Den Sound gibt es bei Spotify.

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Maria

Kam ursprünglich zum Arbeiten nach Frankfurt und ist inzwischen so sehr angekommen, dass sie hier geheiratet hat und sich als Mama eines Frankfurter Mädsche bezeichnen darf.
Liebt Wein, dunkles Bier, Musik, gepflegte Füße und philosophische Bücher über
alternative Lebenskonzepte.
Hegt eine Vorliebe für gute Kaffeesorten, die sie sich in Genussmaßen zuführt.
Schätzt an Frankfurt, dass Südfrankreich und der Rest der Welt schnell erreichbar sind und hofft schon lange auf eine autofreie Innenstadt – denn am liebsten bewegt sie sich per Fahrrad durch die vielen lebens- und liebenswerten Stadtteile.