OFOF Cafebar: Kaffee, Kuchen & Kreativität

OFOF Cafebar: Kaffee, Kuchen & Kreativität

 

Das Ziel meiner heutigen Reise hat mich an den Rand des neuen Hafenviertels geführt. Etwas genauer gesagt befinde ich mich in einem Straßencafé, welches sich in direkter Nachbarschaft zur Heyne Fabrik befindet und sich nahtlos in das kreative Nordend einreiht, optisch aber genauso gut in London, Paris oder Tokio seine Tore hätte öffnen können. In einem minimalistischen Rohbau mit hohen Decken, reiht sich ein massiver Tresenbereich mit wuchtiger Espressomaschine, neben gradlinigem Interieur und Design, welches in einem cleanen Ambiente auf Pflanzen und moderne Zeitschriften trifft. Parallel füllen den Raum wechselnde Kunstausstellungen, Events und elektronische Musik. In diesem kreativen Umfeld serviert uns der warmherzige und modisch aufgeschlossene Kosmopolit und Inhaber Engin Efe Kaffee, Kuchen und kulinarische Köstlichkeiten. Vorhang auf, hier kommt mein ausführlicher Hintergrundbericht über ein vermeintliches Szenecafé, das mehr zu bieten hat als aufgesetzte Hipsterattitüde.

Let’s Make Offenbach Great Again

Bereits Anfang des Jahres, bin ich indirekt auf das neue Café im Offenbacher Nordend aufmerksam geworden. Schuld daran, war ein Plakat an der Fensterfront des Cafés. Auf diesem war in großen Lettern zu lesen: „Lets make Offenbach Great again!“ Kurz davor, wurde der Slogan im amerikanischen Wahlkampf zu einem riesen, viralen Erfolg. Das ließ natürlich viel Raum für Interpretationen. Online sowie offline überschlugen sich die Gerüchte in meinem Freundeskreis. Es wurde gemunkelt, spekuliert und getwittert. Was sich letztendlich dahinter versteckt hat, habe ich allerdings erst ein paar Wochen vor der Fertigstellung, der OFOF CAFÈBAR erfahren. Bis hier hin, war das schon mal gelungenes Marketing.

Bis zu der Eröffnung der CaféBar war es für den 34jährigen Engin Efe, der mit seiner türkischen Familie in Essen (im Ruhrpott) aufgewachsen ist, allerdings ein langer, kreativer aber vor allem abwechslungsreicher Weg. Ursprünglich ist Engin gelernter Chemielaborant und hat als solcher 7 Jahre in einem großen Chemiekonzern gearbeitet. Bis er sich die Frage gestellt hat: „möchte ich lieber bis zur Rente ein sicheres Einkommen haben oder meinen Horizont erweitern und mich in meinem Leben verwirklichen?“ Seine Entscheidung ist ihm letztendlich sehr leicht gefallen. Er brach alle Zelte in Essen ab, kündigte seinen sicheren Job und machte sich lediglich mit einer Orchidee unterm Arm und einem Weekender in der Hand auf den Weg nach Frankfurt am Main, um vor Ort ein Studium in Kommunikationsdesign zu beginnen. Parallel zu seinem Studium, sammelte er erste Erfahrungen in der Gastronomie-Branche (wie sollte man auch sonst ein Studium finanzieren). Mit dem abgeschlossenen Studium in der Tasche, folgten schnell eine Anstellung als Art Director in einer Kosmetikfirma und in Folge weitere kreative Aufgaben im Verlagswesen. Später sogar als Freelancer. „Ich habe sehr schnell festgestellt, hier bin ich richtig. So viele kreative Menschen um mich herum: Fotografen, Illustratoren, Typo-Leute, … mein Interesse an visuellen Künsten, Editorial/- und Grafik Design, war schon immer sehr ausgeprägt und wurde einfach immer größer. Das hat mich in meinem Kopf sehr beflügelt und kreativ angetrieben. Noch heute trage ich mein kleines Büchlein mit mir rum und muss immer alles, ganz schnell aufschreiben und aufzeichnen“ Insider Fact: Engin hat während seinem Studium einen Kurs über Typografie belegt, der von Peter Reinhard (Die Genussverstärker) gehalten wurde. An diesem Beispiel sieht man mal wieder, wie klein die Welt ist und das gute Leute, mit dem gewissen Etwas sich gegenseitig anziehen.
 

Zu seiner kreativen Ader gesellt sich dann noch das Verlangen die Welt zu entdecken. Auf seinen vielen Reisen besuchte der Kosmopolit New York, durchquerte auf seinem Weg von Norden nach Süden Lateinamerika, ging von dort nach Istanbul und erkundete den mittleren Osten. Oman und der Iran standen dabei ebenso auf seiner Route wie Europa, Australien oder Japan. Gebräuche, Menschen und die Gespräche mit ihnen sind für Engin ausschlaggebend. Er mag den „Kreativen Austausch“. Auf seinen Reisen hat er nicht nur fremde Menschen und deren Lebensweisen, sondern auch die verschiedensten Kaffeekulturen kennengelernt. Durch seine Herkunft ist Engin bereits früh mit Kaffee oder noch genauer mit der Mokkakultur,inklusive dem Lesen des Kaffeesatzes seiner Oma in Berührung gekommen. Er sagt: „Ganz viele Länder und Städte haben in Sachen Kaffeekultur einfach die Nase vorn. Das ist ein ganz anderer Umgang mit dem Thema. Ein Café kann zum Lebensmittelpunkt oder auch zum zweiten Wohnzimmer werden. Zu einem Ort, wo man alle nötigen Geschichten und Informationen des Tages, durch den Austausch mitFremden oder Freunden erfährt und für den Tag oder für sein Leben mitnimmt. Darüber hinaus, habe ich auf meinen Reisen tolle Kaffeespezialitäten kennengelernt.“

Er erzählt mir, dass im mittleren Osten der Kaffee mit Rosenwasser aufgebrüht oder mit Kardamom verfeinert wird. In Australien hingegen, sah die Sache schon wieder ganz anders aus. Die Cappuccinos und Macchiatos werden dort aus der ausgekratzten Schale einer Avocado getrunken. Dont believe the hype: „Man muss nun wirklich nicht jeden Trend mitmachen und sich vielleicht sogar dadurch absetzen- aber Rosenwasser oder Kardamom-Kreationen, kann man vielleicht schon in der kalten Jahreszeit bei mir probieren.“ Für mich klingt das sehr stark nach Understatement.

Nach einem halben Jahr auf Weltreise, mit genügend Eindrücken aus den verschiedensten Ländern und Städten im Gepäck, hat Engin all seine Erfahrungen und Interessen auf eine Karte gesetzt und sie unter einem Dach vereint. Er kreierte eine CaféBar die er selber gerne besuchen würde aber in dieser Form bis dato für sich noch nicht gefunden hatte. In den meisten Cafès in seiner Umgebung, hat für Engin einfach immer etwas gefehlt. Entweder war die Location wie für ihn gemacht oder ihm hat der Kuchen gut geschmeckt. „Ich esse einfach wahnsinnig gerne Kuchen, Gott sei Dank sieht man es mir nicht an.“ Nun hat er kurzerhand zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und die perfekte Anlaufstelle für sich und seine Gäste kreiert. Die OFOF CAFÈBAR ist als eine Mischung aus zweitem Wohnzimmer, Worklab oder am ehesten – als eine Plattform für kreativen Austausch zu betrachten. Laut Homepage verbirgt sich dahinter ein Mikrokosmos in dem man Freunde trifft, eine Anlaufstelle für Coffee & Foodlover, sowie Kunst- & Designaffine Personen.

Die Idee der OFOF CAFÈBAR war also schon früh geboren, ist über die Jahre in seinem Kopf Stück für Stück gewachsen und hat letztendlich nach vielen Wochen harter Arbeit, Anfang Juli in Offenbach das Licht der Welt erblickt. Das Geburtsgewicht war beeindruckend. Bei einer gut besuchten Eröffnungsparty lies Engin sein Baby auf die Leute los. Wenn man sich die glücklichen Gesichter auf seinen Facebook- und Instagram-Fotos anschaut, hat er ähnlich wie bei seiner Getränke und Speisenauswahl auf das richtige Pferd gesetzt.

Trotz der ganzen Einflüsse die Engin auf seiner Weltreise gesammelt hat, wird in der Ludwigstraße regionaler Kaffee ausgeschenkt. Der Gorilla Kaffee stammt aus Obertshausen, von der Kaffeerösterei Joerges (ca. 10 Km entfernt) und wird auf Wunsch, getreu dem Motto: „Die Milch machts,“ wahlweise mit frischer Voll/- Soja/- oder auch laktosefreier Milch zubereitet. In Sachen Latteart lernt der frisch gebackene CaféBar-Besitzer täglich dazu. „Der Latte Macchiatto soll schließlich auch schön aussehen.“ Am besten bestellt man sich zu seinem koffeinhaltigen Heißgetränk, ein köstliches Croissant, ein handgemachtes Küchlein mit frischen Beeren oder auch einen mächtigen Muffin. Auch hier kann der ernährungsinteressierte Feinschmecker (zum Teil) zwischen veganen und nicht-veganen Varianten wählen. Seine leckeren Produkte stammen zum Teil aus einer Backstube in Frankfurt aber auch aus seiner Hand. Wer stattdessen lieber auf der Suche nach einem kleinen Snack oder einem herzhaften Mittagstisch ist, wird in der OFOF CAFÈBAR aber ebenso fündig werden. Während meinem intensiven Besuch traf hessische Küche auf leichte orientalische Kost, mit einem verspielten französischen Einschlag. Die Quiche mit Spinat und Schafskäse kann ich euch wärmstens empfehlen. Die hat mir richtig gut geschmeckt. Engin möchte, dass sich die Gerichte auf dem Teller saisonal abwechseln und diese frisch und mit viel Liebe zubereitet werden. Unterstützt wird er dabei von einem Koch. Neben den ganzen Kaffee, Kuchen und kulinarischen Kreationen, finden wir erfrischende Softdrinks von z.B. Limoment, Materia und Balis, leckere Weine, Biere und unterschiedlichste Longdrinks auf der Getränkekarte. Ich würde mal sagen, es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

In das Konzept der CaféBar gehört wie anfangs beschrieben aber noch mehr als nur Essen und Trinken. Eingerahmt wird das Angebot von einem gradlinigen Interieur. Ein industrieller Rohbau mit hohen Decken, coolen Zeitschriften, Pflanzen und Neon-Leuchtschrift, bildet das Fundament. „Bitch Better Have My Coffee“ In diesem Ambiente, welches man tatsächlich eher in New York oder London erwarten würde als in Offenbach (dazu aber später mehr) soll in Zukunft wechselnde, zeitgenößische Kunst ausgestellt, Theater aufgeführt, Workshops abgehalten und/oder Partys und Events veranstaltet werden. Den Start hat eine langjährige Künstlerin und gute Freundin aus Hamburg übernommen. Julia Giebels stellt aktuell ihre Fashion-Illustrationen aus. Die Bilder zeigen zeitgemäße Mode, ähnliche wie man es aus den Sketch-Books großer Fashionfirmen kennt. Auf ihrem Facebook oder Instagram Profil, kann man sich einen Überblick über ihre Arbeiten verschaffen. Engin ist in jedem Fall mächtig Stolz, die großartigen Zeichnung in seinem Café ausstellen zu dürfen und potenzielle Interessenten zu vermitteln.Untermalt wird das tägliche, bunte Treiben in dem modernen Mikrokosmos von zeitgemäßer, elektronischer Musik. Diese verleiht dem Café eine noch coolere Färbung. Für besondere Events und Partys, kommt die Musik nicht mehr aus der Dose, sondern live gemixt, von zwei sich drehenden Plattenspielern. Jefferson aka DJ Celestino hat hier schon mehrmals seine Plattenteller angeschmissen und die Gäste vom Kaffeekränzchen am Tag, zum Longdrink in der Nacht begleitet. Engin nutzt auf seiner Plattform Synergieeffekte. Zwei Komponenten die gut zusammen passen, sich ergänzen und gegenseitig befruchten, probiert er miteinander zu verbinden. Brücken werden gebaut. „Das kann man auf der einen Seite aus der geschäftlichen Sicht oder aber auch aus der von zwei oder mehreren interessanten Personen betrachten.“ Unabhängig von Kaffee & Kuchen können wir uns sicher sein, dass in der OFOF CAFÈBAR noch viel passieren wird. Da ist laut Engin noch einiges in Planung und bei der Umsetzung in Offenbach wird ihm sein kleines, sympathisches Team mit Rat und Tat zur Seite stehen und unterstützen.

Als es um einen passenden Ort für seinen Mikrokosmos ging, hat er nicht lange überlegen müssen und sich letztendlich bewusst und sehr schnell für die Stadt Offenbach entschieden. Grund dafür ist sicherlich die bunte Vielfalt dieser Stadt. Durch seine vielen Reisen, steht Engin den unterschiedlichen Kulturen sehr offen gegenüber. „Ich finde wir können alle noch von dem jeweils anderen lernen und uns die ein oder andere Scheibe abschneiden und so vielleicht, dass Beste aus mehreren Kulturen, zu unserer eigenen machen.“ Engin fragt sich, wo eigentlich der schlechte Ruf her kommt und warum dieser der Stadt Offenbach so weit voraus eilt. „Meistens sagen das Leute, die noch nie einen Fuss in die Stadt gesetzt haben und es cool finden, in die gleiche Kerbe zu hauen, wie 1000 andere zuvor. Ich glaube eher an das große Potenzial vor Ort. Ähnlich wie meine Heimat Essen, ist Offenbach eine Arbeiterstadt, in der früher ordentlich malocht wurde. Heute reiht sich neben der Industrie noch die kreative Szene mit ein, die dem Ganzen eine andere Richtung mit auf den Weg gibt. Alleine schon die vielen Nationen in meiner direkten Nachbarschaft, verleihen dem Kiez in dem ich mich niedergelassen habe, diese tolerante, multi-kulti Atmosphäre. Für ein kreatives, friedliches und entspanntes miteinander muss ich nicht nach Berlin gehen, dass kann ich auch viel besser hier vor Ort in Offenbach genießen. Dazu kommt noch der derbe Backstein von gegenüber, was mich immer ein bißchen an den Stadtteil Dumbo aus New York denken lässt.“

Baby-Brooklyn mitten am Main…

Über das Thema Offenbach sind wir zu guter Letzt noch auf mein Projekt zu sprechen gekommen. Engin zollt meinem Stadtmagazin #schöneeckenausOffenbach sehr viel Respekt. „Es müsste viel mehr so Leute wie mich geben, die ihre Ärmel hochkrempeln, anpacken und die Stadt, mit ihren eigenen Mitteln und Wegen voran treiben.“ Dazu passt sein Leitspruch sehr gut: „Wahrnehmen. Erkennen. Umsetzen. Mehr braucht es manchmal nicht, um sein Umfeld ein kleines bißchen besser zu machen.“

Nach meiner Einschätzung kommt ihm Offenbach wie gerufen. Man könnte sogar hier parallelen zu dem Synergieeffekt ableiten. Im Nordend kann er sich mit seiner OFOF CAFÈBAR kreativ austoben und verwirklichen, der Stadt etwas zurückgeben und damit wie bereits Wochen vor der Eröffnung angekündigt, sein Versprechen einhalten: „Lets make Offenbach great again!“ oder wie er mir so schön bei unserem Interview gesagt hat: „Tue etwas gutes und es kommt zu dir zurück!“ Ich möchte euch ans Herz legen, auf euren nächsten Runden durch das Nordend, unbedingt den Weg durch die Ludwigstraße mit einzuplanen und Engin in seiner OFOF CAFÈBAR einen Besuch abzustatten. Vor Ort treffen Kaffee, Kuchen und kulinarische Köstlichkeiten, auf ein kreatives Konzept aus Kunst, Kultur und Kommunikation.


OFOF Cafebar
Ludwigstraße 197
63067 Offenbach am Main

www.ofofcafebar.de

 
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