Frankfurter Lesestoff: Tipps für Bücher aus und über Frankfurt

Frankfurter Lesestoff: Tipps für Bücher aus und über Frankfurt

 

In diesen ungemütlichen Tagen ist es von unschätzbarem Vorteil, eine Leseratte zu sein: Endlich kann man sich darauf freuen, in aller Ruhe auf dem Sofa, im Bett oder im Lieblings-Café verkrümeln zu können - ohne Angst haben zu müssen, da draußen irgendetwas zu verpassen. Nun ja, außer Dunkelheit und Kälte eben. 

Doch auch im Sommer gibt's doch eigentlich nichts Schöneres, als sich mit guter Lektüre im Park, am Mainufer oder am Strand niederzulassen und sich von der Sonne streicheln zu lassen! 

Lesen, das ist Alltagsflucht. Doch nicht nur in ferne Welten kann man sich von Büchern entführen lassen - viele der Schmöker haben nämlich gar unser geliebtes Frankfurt als Handlungsort oder laden dazu ein, die eigene Stadt einmal ganz neu zu entdecken.

Manche davon erlangten auch überregional Bekanntheit und wurden zu Bestsellern, manche sind noch echte Geheimtipps. Bleibt auch ihr beim Lesen gerne mal "vor der Haustür"? Dann hab' ich hier ein paar Empfehlungen für spannenden Frankfurter Lesestoff für euch! 

Macht euch auf zum Buchhändler eures Vertrauens (nicht vergessen: Amazon killt eure Nachbarschaft!) - und lasst die Welt da draußen doch einfach mal die Welt da draußen sein! 


Ganovenjagd am Main:
Krimis, die in Frankfurt spielen


Bücherratten, aufgepasst! Habt ihr Lust auf ein wenig Nervenkitzel? Dann sind die folgenden meiner Frankfurter Lieblingsbücher ganz sicher brandheiße Tipps für euch! 
 

"Julia Durant" - Reihe von Andreas Franz

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Von Frankfurt aus in die Hände von Leseratten im ganzen Land: Schon 1996 schickte der Offenbacher Autor Andreas Franz seine Romanheldin und Kommissarin Julia Durant auf Verbrecherjagd. Krimi-Fans in ganz Deutschland fiebern mit, wenn sie gemeinsam mit ihrem nicht minder sympathischen Kollegen Frank Hellmer in Frankfurt böse Buben jagt und dabei weder von Schicksalsschlägen noch von Einblicken in menschliche Abgründe verschont wird.  

Als Autor Franz unerwartet und viel zu früh starb, übernahm kurzerhand Daniel Holbe die Fortsetzung der Reihe - sodass sich eine große Fangemeinde bereits über den 17. Band der Reihe namens "Kalter Schnitt"  freuen kann. Auch im jüngsten Band führt Kommissarin Durant wieder einen Kampf gegen das Verbrechen und ihre Alltagssorgen - wenn sie nicht gerade Gauloises raucht oder Dosenbier in der Badewanne trinkt. Das macht sie nämlich ziemlich gerne.

Einheimischen Lesern läuft bei der Lektüre (mit Dosenbier in der Badewanne) jedenfalls gerne mal ein kalter Schauer über den Rücken, wenn Mord & Totschlag vor der eigenen Haustür geschehen. Wenn auch nur im Buch... 

 

Marthaler-Reihe von Jan Seghers

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Auch Robert Marthaler, Protagonist der gleichnamigen Krimi-Reihe des Autors Jan Seghers, ist seines Zeichens Kriminalkommissar der Kripo Frankfurt. In nunmehr sechs Romanen lernt er den Ganoven in der Mainmetropole das Fürchten. Dass es eine große Freude ist, die Romanfigur dabei zu begleiten, hat auch das ZDF erkannt - und bislang fünf der Bücher verfilmt. Im neusten Band der Reihe, "Menschenfänger", verschlägt es den eigenwilligen Ermittler sogar nach Südfrankreich, um das Rätsel um ein sehr prominentes Verbrechen der Frankfurter Stadtgeschichte zu lösen. Mehr wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten! Auch von einem fulminanten Showdown auf dem Goetheturm mag ich lieber nicht zu viel erzählen... 

Wenn Marthaler einmal nicht damit beschäftigt ist, Gaunern das Handwerk zu legen oder Cognac in seinem Apartment im Nordend zu trinken, verbringt er seine rare Freizeit im "LeseCafé" in Sachsenhausen. Dort lernt er auch seine Liebe Teresa kennen, die in jedem der Bücher eine große Rolle spielt. 

Der Clou daran: Das Café existiert wirklich! Warum macht ihr's euch also nicht mal bei einem extragroßen Cappuccino und einem "Marthaler"-Buch genau dort bequem, wo auch der Herr Kommissar so gern zu sitzen pflegt? 

 

Robert Maier: "PANKFURT"

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Habt ihr schon einmal von Autor Robert Maier gehört? 
Macht nix, hatte ich auch nie - bis ich dann über sein Erstlingswerk "PANKFURT" gestolpert bin. Und, was soll ich sagen: Das Buch geriet prompt zu einer meiner spannendsten Entdeckungen in diesem Jahr! 

Der im Charles-Verlag erschienene Debüt-Roman erzählt die Geschichte von Frank, der Anfang der 1980er voller Erwartungen von der hessischen Provinz hinein in die abenteuerliche Großstadt zieht, um zu studieren. 

Dass er sich dabei recht schnell inmitten der Szene der Flughafenausbau-Gegner wiederfindet und in seiner Bockenheimer Wohnengemeinschaft der "Klassenkampf" diskutiert wird, hatte er indes so nicht geplant. Robert macht das Beste daraus, in diesem spannenden Frankfurt des Jahres 1981. Und verliebt sich ausgerechnet in die Tochter des politischen Gegners... 

Ihn dabei zu begleiten, ist nicht nur ein großartiges Lesevergnügen - das Werk ist obendrein eine wohl auch autobiographische Liebeserklärung des Autors an die wilden Tage unserer Stadt, eine spannende Zeitreise. Kaufen und verschlingen! 
 

Lotter & Wissdorf: DOWNTOWN

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Auch "Downtown", ein herrlich verschrobener Frankfurt-Krimi der Autoren Johann Christian Lotter und Reinhard Rael Wissdorf, hat mich begeistert. 

Was ich mir unter einem "Architektur-Krimi" vorstellen sollte, war mir zunächst nicht ganz klar. Schon nach wenigen Kapiteln erklärte sich die Genre-Einordnung aber gewissermaßen von selbst, als sich der hedonistische und ein wenig chaotische Privatdetektiv Morbius samt dem dienstbeflissenen Kommissar Driessen einer rätselhaften Serie von Gebäudeeinstürzen in der Frankfurter Innenstadt konfrontiert sehen. Mit einer gehörigen Portion Witz und Lokal nimmt das ungleiche Duo seine Ermittlungen in feinsten Frankfurter Kreisen auf...  

Die Dialoge schreiend komisch, die Handlung auf eine gefällige Art und Weise absurd - und der Schauplatz immer Frankfurt. Es ist ein herrliches Vergnügen, die hanebüchene Geschichte um die beiden eigensinnigen Ermittler zu verfolgen. Dabei die beschriebenen Örtlichkeiten immer wieder ganz genau vor Augen zu haben, ist da nur das i-Tüpfelchen. Seid ihr nicht auch ständig an der Hauptwache?
 

Andrea Habeney: “Jenny Becker“ - Reihe

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Immer noch nicht genug vom Nervenkitzel "made in Frankfurt"?
Bitteschön, ich hab' noch einen Tipp auf Lager! Nämlich die Krimi-Reihe um Jenny Becker, erdacht und aufgeschrieben von Autorin Andrea Habeney. 

Die Romanheldin ist - ihr habt es sicherlich bereits geahnt - ebenfalls bei der KriPo Frankfurt und durfte in bereits sechs Bänden ihre Fälle lösen. 

„Arsen und Apfelwein“ oder  „Apfelwein trifft Weißbier“: Bereits die Titel der einzelnen Bücher lassen erahnen, dass es auch in Habeneys Romanen mit gehörigem Lokalkolorit zugeht. 

Die Reihe mag zwar nicht ganz so prominent sein wie die Abenteuer von Julia Durant und Kommissar Marthaler es sind - lesenswert ist sie aber allemal. Nicht nur für Frankfurter, die sich auch auf hier über jede Menge bestens bekannte Handlungsorte freuen dürfen! 

 

Alex Reichenbach: "Staustufe"

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Noch so'n Frankfurt-Krimi, den ich mit Genuss verschlungen habe. Mit Kommissar Winter und seiner türkischen Kollegin Hilal Aksoy hat Autor Alex Reichenbach ein multikulturelles Duo erschaffen, das sich selbst zunächst so gar nicht sympathisch ist. 

Seite für Seite arrangieren sich die beiden miteinander, als es gilt, einen Mord aufzuklären, in den auch die Tochter des Kommissars verwickelt sein könnte. 

Der Spannungsbogen reicht mindestens vom Ostend bis nach Griesheim, wo in der Staustufe eine Leiche gefunden wird. Die Hauptstadt des Verbrechens: Eben definitiv auch Hauptstadt des Kriminalromans! 


Bücher ohne Mord und Totschlag

Nun ist's zum Glück nicht so, dass über Frankfurt ausschließlich Bücher geschrieben würden, welche sich mit jeglichen Formen des Mordes und Totschlags beschäftigen würden. Dies entspräche zwar ganz dem gängigen Klischee - ist aber zum Glück nicht der Fall! 

Dankenswerterweise gibt es nämlich gleich Dutzende Bücher, die sich mit der spannenden Stadtgeschichte und dem nicht minder spannenden gegenwärtigen Geschehen Frankfurts befassen. Die auch Alteingesessene dazu einladen, die Stadt gänzlich neu zu entdecken. 

Wie zum Beispiel diese hier, die ganz sicher auch euch manch verregneten Tag retten werden... 

 

Michael Herl: "Heimatkunde Frankfurt"

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Der Titel klingt zunächst einmal nach ödem Sachkundeunterricht, doch Michael Herl (einer meiner liebsten Autoren!) gelingt in diesem Buch, ein durch und durch unterhaltsames Bild unserer Stadt zu zeichnen.  

Wehmütige Erinnerungen an die „gute, alte Zeit“ fehlen genausowenig wie praktische Tipps zum Überleben des Frankfurter Großstadtwahnsinns. Garniert mit der für den Autor typischen Prise Sarkasmus und dem Spiel mit sämtlichen gängigen Klischees ist dieses Buch ein praktischer Guide für alte und neue Frankfurter. Ein herrlicher Herl!

 

"Frankfurter Einladung" 

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Ihr meint, Frankfurt bereits zu kennen wie eure Westentasche? Dann fühlt euch im wahrsten Sinne des Buchtitels dazu eingeladen, Frankfurt aus einer ganz anderen Sicht kennenzulernen! Nämlich aus der von nicht weniger als 40 (!) Autoren, die gleich 45 Kurzgeschichten aus den unterschiedlichsten Stadtteilen erzählen.

Ganz besonders hat mir bei der Lektüre dieses Buches gefallen, dass sich die Vielfalt unserer Stadt nicht nur in zahlreichen Anekdoten aus den unterschiedlichsten Vierteln wiederspiegelt, sondern obendrein um Rezepte ergänzt wird. Wird die hessische Küche denn nicht ungemein unterschätzt? 

So oder so, dieses Buch versüßt euch jede Bus- oder Bahnfahrt: Die Kapitel sind kurz und unterhaltsam, verschaffen immer wieder neue Einblicke - insbesondere in die eher unbekannten Winkel der Stadt. Frankfurt, das ist eben so viel mehr als nur Main & Skyline...

 

"Süß, Sauer, Pur"

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Man kann ihn lieben (so wie ich das tue), oder schon beim bloßen Gedanken an ihn angewidert das Gesicht verziehen. Dass er zu Frankfurt gehört wie Römerberg und Main, kann man dem Apfelwein jedoch ganz sicher nicht absprechen! Auch gerne mal als "Ebbelwoi", "Äppler" oder "Stöffche" bezeichnet, schätzen ihn seine Liebhaber in den Variationen Süß, Sauer oder Pur.

Ebendiese Variationen sind dann auch Titel dieses tollen Buches, in dem zwölf Frankfurter Autoren einen spannenden Streifzug durch die Apfelweinkultur wagen. Wissenswertes zu Geschichte und Herstellung des "Stöffche", Einblicke in das Geschehen Frankfurter Apfelweinwirtschaften und Anekdoten der Autoren, die allesamt irgendetwas mit dem Apfelwein zu tun haben: Diese unterhaltsame Mischung macht das Buch zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Auch für Bierfreunde.
 

 

"Mach's in Frankfurt"

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Als ich dieses Buch geschenkt bekam, wusste ich zunächst nicht genau, was ich davon halten solle: Ein "unfertiger Stadtführer"? 

Schnell habe ich mich aber darauf eingelassen, das Buch ganz nach eigenem Gusto zu gestalten und mich der vielen kleinen "Aufgaben" der Autorin Isabel Blumenthal anzunehmen. Diese Aufgaben eignen sich nämlich ganz vorzüglich dazu, die Stadt auf eine - nun ja, eher unkonventionelle - Art und Weise zu entdecken. 

Entstanden ist ein ganz persönliches Werk voll Anekdoten, Zeichnungen und Kaffeeflecken. Letztere fein säuberlich beschriftet mit Herkunfts-Café, Anlass und geschmacklichen Wohlgefallen. Aufgabe ist schließlich Aufgabe, und all die Anregungen haben sogar einen "Frankfurt-Fuchs" wie mich an neue Orte geführt und auf neue Ideen gebracht. 

Nicht nur für Neu-Frankfurter ein ideales Geschenk! 

 

"Frankfurter Verkehrsliteratour" 

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Wer "Literatour" statt "Literatur" schreibt - der leider entweder unter Legasthenie, oder hat eine wirklich spannende Buch-Idee. Zum Glück ist hier Letzteres der Fall! 

Das Konzept des Buches ist es nämlich, es gerade nicht von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen - sondern sich entsprechend dem Frankfurter Nahverkehrsnetz durch die einzelnen Kurzgeschichten aus den einzelnen Stadtteilen zu hangeln. 

Das "Umsteigen zur nächsten Story" ist zwar anfangs ein wenig ungewohnt, macht aber schnell große Lesefreude. Ein erfrischendes Konzept - und dank der unterhaltsamen Anekdoten der vielen Autoren ist's auch gar nicht schlimm, steigt man einmal in die falsche Bahn ein... 


Open urban Institute: "Kleinöde" 

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Was mag eine "Kleinöde" wohl sein? Richtig, irgendetwas zwischen "Kleinod" und "Ödnis". Und davon gibt's in Frankfurt eine ganze Menge, nämlich in Form von öffentlichen Plätzen. 

Der genaueren Betrachtung derer hat sich das "Open urban Institute" verschrieben und mit dem Bildband "Kleinöde" ein Werk erschaffen, das dem Leser nicht nur viele schöne Bildaufnahmen kredenzt - sondern sich obendrein kritisch mit der Stadtentwicklung und der soziokulturellen Bedeutung öffentlicher Plätze in Frankfurt am Main beschäftigt. Nachdem ihr euch den Bildband zu Gemüte geführt habt, werdet ihr all die großen und kleinen Plätze in der Stadt ganz sicher mit anderen Augen sehen. 

Definitiv eines meiner Lese-Highlights des Jahres! 

 

Jey Jey Glünderling: Traumberuf Marktschreier  

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Sollte es überhaupt DEN Frankfurter Poetry-Slammer überhaupt geben, dann hat diesen Titel vermutlich "Jey Jey Glünderling" inne. Dieser heißt zwar nicht wirklich so, hat sich mit bissigen Texten voll bösartigem Humor längst einen Namen gemacht. Und nun hat er mit "Traumberuf Marktschreier" auch noch ein brüllend komisches Werk verfasst! 

In bester Glünderling-Manier schildert er den Frankfurter Alltag, zieht Immobilienmakler ebenso durch den Kakao wie S-Bahn-Führer und Friseursalon-Besitzer. Regt sich auf über Szeneläden und teilt aus gegen das Spießbürgertum. Bei aller Bösartigkeit lässt der Autor nie ein Augenzwinkern zwischen den Zeilen vermissen, sodass das Buch dennoch als kleine Liebeserklärung an Frankfurt verstanden werden kann. Auch wenn wirklich jeder sein Fett weg bekommt. 

Wer Glünderling noch nicht kennt, wird schnell auf den zynischen Geschmack kommen. Und wer seine Texte ohnehin schon feiert, wird dieses Buch erst recht lieben! 


Gut gerüstet durch den Winter

Ich wünsche euch schon jetzt viel Freude beim Schmökern in meinen persönlichen Frankfurter Lese-Highlights des Jahres 2017! Mit meinen Tipps solltet ihr jedenfalls bestens gerüstet für ungemütliche Tage sein - und den ein oder anderen "Oha! - Moment" erleben dürfen! 

Verratet ihr mir eure Lieblingsbücher "made in Frankfurt"?

 
So wohne ich: Mittendrin

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Bildschön: Der Frankfurter Dezember 2017 in Bildern

Bildschön: Der Frankfurter Dezember 2017 in Bildern