Hinter den Kulissen: Das Music Discovery Project

Hinter den Kulissen: Das Music Discovery Project

 

Ein lang gehegter Traum – Mäuschen spielen bei Proben des hr-Sinfonieorchesters – ging dieses Jahr in Erfüllung. Das es auch noch bei Proben zu dem Music Discovery Projects war, machte das Erlebnis umso toller. Der Konzertabend war ebenfalls nachhaltig beeindruckend! Und weil nach dem Music Discovery Project VOR dem Music Discovery Project ist und es – noch! – Karten gibt für Februar 2019, lest ihr hier, warum ihr euch die unbedingt schnellstens besorgen solltet.

Zwei vollkommene verschiedene Musikstile zu mischen, ist tricky. Das ganze auch noch live zu tun, sehr gewagt. Aber es gibt bei solchen Experimenten so viel zu entdecken – das macht es zu einem „Discovery Project“. Mit dabei waren unter anderem schon Pauly van Dyk, Mousse T, Oliver Koletzki und Milky Chance.

2018 war die Band, die dieses Wagnis zusammen mit dem hr-Sinfonieorchester einging: Hundreds, eine Elektropop-Band aus Hamburg. Elektro mit Klassik also. Und: Schlagwerk, denn der italienische Star-Perkussionist Simone Rubino war auch noch dabei und wirbelte über die Bühne und seine Instrumente.

Es sei schwer, Musiker zu finden, die sich dieses Wagnis trauen, so die Leiter des Projekts. Ein renommiertes Orchester im Rücken zu haben, eine grandiose und gleichzeitig sehr respekteinflößende Vorstellung. Allen Beteiligten – und das sind wirklich viele, wie wir am Gewusel auf und hinter der Bühne merken – verlangt das viel ab. Unbequem ist es, viel Arbeit, Neuland, wenig Zeit. Aber das gesamte Team lässt sich jedes Jahr voller Herzblut darauf ein, so berichteten die Verantwortlichen stolz.

Die Generalprobe geht los, aus dem Gewusel wird konzentrierte Ordnung. Die Jahrhunderthalle ist bis auf wenige Plätze komplett leer. Die Scheinwerfer flackern über unzählige leere Sitzreihen. Seltsam fühlt sich das an. Die leeren Reihen sind dabei nicht das Problem, die Band und das Orchester proben und füllen den Raum ja mit lautem Klang. Aber: Nach der geballten Power des Songs entlädt sich die gesammelte Energie nicht, denn keiner applaudiert, keiner jubelt. Nur ein: „ok, hier müssen wir noch einmal schauen“ von der Dirigentin Elim Chan oder andere gemurmelte Proben-Ansagen.

Was außerdem interessant ist: das Orchester, sonst abends seriös in schwarz, ist hier bunt in Freizeitkleidung und unterscheidet sich plötzlich – zumindest optisch – gar nicht mehr so sehr vom Bild des vertrauten Musikvereins oder dem Laienorchester. Eva Milner, die Sängerin der Hundres steht in groben Wollsocken auf der Bühne, während sie den Saal professionell mit ihrer kraft- und gefühlvollen Stimme flutet.

Das Bühnenbild war dieses Jahr ein 3D-Würfel vor einem durch LED-Umrandung dreidimensional nach vorne geöffneten Raum vor einer Leinwand, auf die zusätzlich zum Hintergrund verschiedene Filme projiziert werden. Diese sollen den eventuell herausgeforderten oder gar überforderten Zuhörer mithilfe der vermittelten Bilder und Stimmungen bei der Musikaufnahme helfen.

Szenen aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel flackern im Bühnenbild auf, bei anderen Songs: Naturszenen, Gräser, bei wiederum anderen: psychedelische Muster. Noch bis nach den allerletzten Proben wird daran weiter überlegt und probiert, erfahre ich nach der Generalprobe von Natalie Friedmann, die mir dennoch sehr entspannt von den Gedanken und Planungen des Bühnenbilds erzählt.

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Zur Musik nun aber: Denn die schwankt zwischen „reiner“ Klassik (Prokofjew: Romeo und Julia, Bernstein: Sinfonische Tänze aus der West Side Story), reiner Perkussion (Xenakis: Rebonds B) und reinem Pop (Hundreds: Fighter, Rabbits on the roof, Please rewind), vor allem aber: dazwischen. „Wind in the pines“ und „Aftermath“ sind so gut für beide Welten arrangiert, dass sie völlig selbstverständlich wirken. Passenderweise ist das Überthema des Abends ja auch: Beziehung.

Dann der erste Konzertabend: andere Stimmung, alle in ihrem Bühnenoutfit, die Halle ausverkauft voll. Unverändert großartig: das musikalische Erlebnis.

Manche Kombinationen funktionieren so gut, dass man schwören würde, sie seien nur so gedacht gewesen. Manche sind ungewohnt, sogar anstrengend. Wer sich gern einfach nur berieseln lässt ist hier eben falsch. Denn auch die Zuhörer müssen sich voll auf das Experiment einlassen und bereit sein, Ungewohntem zu lauschen. Wem allerdings „normale“ klassische Konzerte zu steif sind, oder sogar – ähem – zu langweilig: hier geht einiges mehr ab als sonst. Mehr Gejubel, lauter, mehr Licht, mehr Pop – kurz dachten wir am Konzertabend, Teile des Publikums würden aufspringen zum Tanzen.

Wir können euch nur dringend empfehlen, euch auch mal auf dieses Experiment einzulassen und dabei zu sein!Alle Infos zum Music Discovery Project 2019 unter dem Motto „FarbTöne“ mit Alvaro Soler und dem hr-Sinfonieorchester mit dem Dirigenten und Geiger Jean-Christophe Spinosi findet Ihr hier.

Und Karten gibt es noch hier: www.hr-sinfonieorchester.de/music-discovery-project. Lasst Euch das nicht entgehen!

 
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