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Waschen, Stechen, Fönen: Zu Besuch bei “Mr. Leon’s Scherenhänden”

Nach einem Besuch bei „Mr Leon‘s Scherenhände“ kann man nicht nur mit einem neuem Haarschnitt, sondern obendrein mit dem Lieblingsmotiv unter der Haut zurück nach Hause kehren. Die ungewöhnliche Fusion von Friseur- und Tätowier-Handwerk ist jedoch nur einer der Gründe, weshalb wir so gerne in Frankfurts wohl bemerkenswertesten Salon Platz nehmen…

Ein Umzug in eine neue Stadt zehrt erst einmal gehörig an den Kräften und Nerven. Kaum, dass dann endlich auch die letzten Umzugskisten ausgepackt sind, wartet bereits die nächste Herausforderung: Neben neuen Freunden und einem Lieblingscafé will schließlich auch ein neuer Friseur gefunden werden! Eine Suche, welche schnell mit einigem Frust und entsetzen Blicken in den Spiegel verbunden ist.

Aber hey, kein Grund zur Panik: Wir von eurem liebsten Stadtmagazin haben einen brandheißen Tipp für euch, um euch vor Unfällen und verheulten Gesichtern zu bewahren. Und außerdem: Wer versteckt sein Gesicht schon gerne wochenlang unter einer Mütze? Begleitet uns bei unserem Besuch beim Friseurstudio unseres Vertrauens – auf geht’s zu “Mr. Leon’s Scherenhände”!

“Die Suche hat ein Ende – Mr. Leon’s Scherenhände!”

„Das ist nicht nur ein Slogan, das ist unser Versprechen!“, heißt uns Inhaber Leon in seinem Salon willkommen, den man zweifellos ebenso als “Atelier” bezeichnen könnte. In bester Bornheimer Lage hat der Friseurmeister seinen ganz eigenen Traum Wirklichkeit werden lassen.

Wer den roten Teppich am Eingang beschreitet und das geräumige Studio betritt, dem schlägt mit voller Breitseite eine akute Reizüberflutung ins Gesicht. Auch wir müssen wir uns erst einmal sammeln und nehmen Platz auf einem barocken Plüschsofa. Dass der Friseur großen Wert auf eine ausgefallene Inneneinrichtung legt, sticht sofort in unser Auge: Der Salon ist gespickt mit skurrilen, gewitzten und ungewöhnlichen Dingen. Staunend wandert der Blick umher, bleibt erst an einem schmucken Klavier hängen. Moment mal, steht daneben nicht R2D2? Der Roboter aus Star Wars ringt uns ein Schmunzeln ab – nein, wie beim nächstbesten 08/15-Friseur sieht es hier weiß Gott nicht aus! An einer Wand hängt eine Fledermaus, eingerahmt spreizt sie die Flügel. Dass uns nicht weit weg von ihr eine in Formaldehyd eingelegte Schlange aus aufgerissenen Augen anstarrt, wundert uns da kaum noch.

 


„Nett, gell?“, fragt Leon und grinst schelmisch. „Ich wollte ein Ambiente schaffen, das an ein Wohnzimmer erinnert“, verrät er uns. „Schließlich sollen sich meine Kunden hier nicht nur wohl, sondern ganz wie zu Hause fühlen !“ Sein Vorhaben scheint gelungen: Statt Trockenhauben und schnöder Waschsäulen zieren auf Hochglanz polierte Vintage-Möbel den Salon, darauf platziert ist gleich ein ganzes Sammelsurium geheimnisvoller Dinge. Wir entdecken große Gläser mit Reptilien, eingelegt in Formaldehyd. Fragen uns, was sich wohl in der Schatzkiste verbergen mag, würden gern einmal durchs Fernrohr schauen. Ein wunderschönes altes Grammophon bildet den Gipfel unseres Augenschmauses.

 „Viele der Dinge hier stammen tatsächlich aus meinem Wohnzimmer“, reißt uns Leon aus unseren Gedanken. „Manche habe ich aber auch auf meinen Streifzügen über Antikmärkte entdeckt – wie auch meinen absoluten Liebling!“, erinnert er sich und deutet auf einen lebensgroßen schwarzen Raben.

Eigens anfertigen lassen habe er sich dagegen den großen Spiegelwürfel in der Raummitte. Wozu ein solcher Aufwand? „Gegenüber klassischer Wandspiegel hat ein solches Konstrukt einen ganz entscheidenden Vorteil“, schwärmt der gebürtige Spanier. „So nah beieinander, befinden Team und Kunden sich ruckzuck im Gespräch!“

Ein Team wie eine Familie

Auf sein junges Team ist der gutgelaunte Inhaber ohnehin besonders stolz. Seine acht Experten sind nicht nur für jeden flotten Spruch zu haben, sondern sorgen auch mit viel Leidenschaft und Können dafür, dass ein jeder Kunde wieder mit einem Lächeln in den Spiegel schauen kann. Die Stimmung im Laden ist gut – es wird gelacht, gescherzt, ab und an sogar getanzt.

Sein Studio ist auch für ausgefallene Frisuren die richtige Anlaufstelle, versichert Leon: „Mit unkonventionellen Schneidetechniken und einer Menge an Ideen und Know-How holen wir aus jedem Typ das Beste raus!“ Nicht umsonst habe er sich für den Friseurberuf entschieden. „Ich liebe die Herausforderung, stets das Optimum auf einen Kopf zu zaubern. Wenn sich ein Kunde dann mit einem Lächeln verabschiedet, ist das mein größter Lohn!“

Wem allein ein neuer Haarschnitt der Veränderung noch nicht genug ist, der kann sich gleich im Anschluss noch ein neues Schmuckstück unter die Haut stechen lassen. Im hinteren Bereich des Salons betreibt Leons Kollege Martin nämlich ein Tattoo-Studio. „Der kann das auch wirklich gut!“, verspricht Leon. Zum Wohle seiner Mitmenschen beschränke er selbst sich aber auf das haarige Geschäft.


Gute Laune & Nachhaltigkeit

Ganz besonders wichtig ist ihm außerdem ein herzliches „Du & Du“ zwischen Team und Kunden. „Wir alle sind junge Menschen, mit uns kann man sich nicht nur übers Wetter unterhalten!“  Ebenso im Fokus des Salons liege aber auch ganz klar die Nachhaltigkeit: „Wir setzen auf natürliche Produkte, auch sind all unsere Haarfarben PETA-zertifiziert“, versichert er. 

A propos Haarfarbe: „Während die Tönung einwirkt, darf natürlich gern nach Herzenslust in die Tasten gegriffen werden!“, zeigt Leon erneut ein breites Grinsen. Welch Attraktion dagegen in der Kunden-Toilette zu finden ist, möchte er nicht gleich verraten. „Nur soviel: Es darf getanzt werden!“

Bevor wir uns – nach kurzem Abstecher aufs stille Örtchen – verabschieden, haben wir noch eine letzte Frage an den Spanier mit den vielen Tattoos. „Müsstest du deinen Laden mit drei Worten beschreiben – welche wären das?” Der Salonchef muss kurz überlegen und beginnt anschließend zu lachen. „Jung, brutal, gutaussehend!“, ruft er aus und blickt in unsere fragenden Gesichter. „Ein junges Team, brutale Schmerzen beim Tätowieren, und nach Hause geht man immer gutaussehend!“

Bis zum nächsten Termin!

Wir verstehen, stimmen in sein Lachen ein und sind uns sicher:
Mit „Mr. Leon‘s Scherenhände“ hat unser Gegenüber eine herrlich-verrückte Abwechslung vom üblichen Einheitsbrei der Friseursalons erschaffen. Auch beim zwanzigsten Besuch fühlen wir uns noch eher als Gast bei Freunden, denn als Kunde im Friseursalon. Wir jedenfalls haben den Laden längst ins Herz geschlossen – und den ausgeflippten Leon sowieso. Wann begebt ihr euch in seine Scherenhände?



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Matze

Zugezogen, doch fühlt sich im Herzen längst als Frankfurter. Wenn er nicht gerade zu viel Geld für Bücher, Schallplatten und Kleinbildfilme ausgibt, vertrödelt er mit Vorliebe ganze Nachmittage im Café. Dort trinkt er zu viel Kaffee und raucht zu viele Zigaretten - meint zumindest sein Arzt. Großer Verfechter des Apfelweins (sauer!), betreibt gern Multitasking, kaut ununterbrochen Kaugummi. Liebt Prinzipien und mag es strukturiert:
Selbst für seine To-Do-Listen schreibt er To-Do-Listen.