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So wohne ich: Ein Altbau im Nordend

Fotos: @analora_photoart Sandra Scherer

Die Wohnung verrät sehr viel über ihre Bewohner. Pseudopsychologische Auflösungen bieten wir Euch hier nicht (aber Ratgeberforen um so mehr. Bunte Wände? Achtung! Exzentriker!). Was Ihr hier aber findet: Einblicke in das Leben und Wohnen von Frankfurtern. Wir lassen sie dazu erzählen, was ihren Wohnstil und ihre Nachbarschaft ausmacht. Familien im Westend, Pärchen in Bornheim, Banker im Gallus. Oder junge Männer aus dem Nordend wie dieses Mal:

“Ich lebe nun seit letztem Jahr in dieser Wohnung mitten im Frankfurter Nordend. Ein schöner Dreizimmer-Altbau mit hohen Decken mit Stuckleisten und Dielenboden. Ich fühle mich hier sehr wohl, sowohl in meiner Wohnung als auch in meinem Stadtteil.

Die Jahre vorher habe ich im Bahnhofsviertel gewohnt – richtig mittendrin, in der Münchener Straße. Dort gibt es viele Touristen und Pendler, was das Leben dort ziemlich anonym macht. Hier im Nordend ist es eher wie im Dorf. Man trifft ständig die gleichen Leute wieder, sei es auf der Straße oder beim Einkaufen. Im Sommer sind hier dann alle draußen, zum Beispiel auf dem Matthias-Beltz-Platz beim Wasserhäuschen „Gudes“. Dann ist die Stimmung so ausgelassen wie in meiner Heimat Spanien.

Ich mag am Nordend vor allem die vielen schönen Cafés und Läden.

Viele davon kennen nur die Nachbarn und Frankfurter aus anderen Stadtteilen nicht. Es gibt auch sehr tolle Einrichtungsläden wie das „2nd Home“ oder „Lorber“, mit sehr interessanten und netten Inhabern.

Viele Wohnviertel im Nordend haben große Innenhöfe mit hohen alten Bäumen, die im Sommer alle ihre verschiedenen Grüntöne zeigen. Diese Innenhöfe sind wie kleine „Privatparks“, in denen sich Vögel und Eichhörnchen tummeln. So einen grünen Innenhof habe ich hier auch. Ich sehe von meinem Küchenfenster aus direkt auf einen großen Kirschbaum, der sieht im Sommer, wenn die Kirschen reif sind, ganz wunderbar aus. Das Dörfliche und das viele Grün waren der Grund für meinen Umzug aus dem Bahnhofsviertel hierher. Das Haus ist ein Vierparteienhaus, aber ich bin irgendwie der einzige, der den Garten wirklich nutzt. Im Sommer grillen meine Freunde und ich hier häufig. Ich will dort unten noch einiges anders machen, aber manches kam jetzt im Sommer dran.

Aber auch drinnen habe ich viel grün: alle Pflanzenarten stehen in großen und kleinen Töpfen herum. Immer wieder werden Ableger neu eingepflanzt und umgetopft, die Pflanzen gehegt und gepflegt.

Ich liebe es, mich mit Interior Design zu beschäftigen.

Ich habe deshalb auch so viele Bücher zum dem Thema im Regal stehen, besonders die, die dem goldenen Zeitalter des skandinavischen Designs gewidmet sind (1950-1960). Aus diesem Zeitraum stammen einige der besten Möbeldesigner aller Zeiten wie Arne Jacobsen, Hans J. Wegner oder Alvar Aalto.

Die meisten Möbel hatte ich schon in der alten Wohnung und habe sie mitgenommen. Mein Stil würde ich als eine Mischung aus MidCentury-Klassikern, No-Name-Vintage-Stücken und zeitgenössischen Marken wie USM, Flos, Vitra oder BoConcept beschreiben.

Ich besitze auch einige Vintage-Klassiker. Meine Lieblingsstücke sind meine 5 „Grand Prix“ Stühle von Arne Jacobsen. Die Stühle stammen aus dem Jahr 1957 und sind eine echte Rarität, da sie nicht mehr in dieser Form und aus Teakholz hergestellt werden. Für diese Wohnung im Nordend habe ich die Lampen extra neu gekauft, denn hier habe ich die perfekten drei Meter hohen Decken dafür. Beleuchtung ist mir sehr wichtig, deswegen sind viele Lampen in verschiedenen Designs und Größen in der Wohnung verteilt. Meine Lieblingslampen sind die „Zeppelin“ im Wohnzimmer und die „Snoopy“ im Esszimmer, beide von der Italienischen Marke „Flos“.

Die Dekoration in der Wohnung ist zusammengesammelt. Viele Stücke stammen von Reisen und wurden ganz vorsichtig im Flugzeug transportiert: Midcentury-Lampen aus Kopenhagen oder Vasen vom Flohmarkt in Amsterdam oder Stockholm. Der Leuchtbuchstabe, das orange „V“, ist aus einem Vintage-Laden in Vigo, Spanien, und erinnert mich immer an meine Heimatstadt.

Ich habe einiges an der Wohnung gemacht und machen lassen. Neben dem Streichen der Wände hat das Verlegen des Fliesenbodens in der Küche und im Flur die meiste Zeit beansprucht. Das Fliesenmuster unterstreicht den Altbaucharme der Wohnung. Der gleiche Boden ist auch in einer Bäckerei im Bahnhofsviertel zu finden. Es war gar nicht so leicht, das Muster zu planen, da die Wände – typisch Altbau – alle ziemlich schief sind. Die Küche sollte eine Bar-Atmosphäre bekommen, denn hier sitze ich abends oft mit meinen Freunden. Die Küche, die bei meinem Einzug noch in dieser Wohnung war, fand ich sehr hässlich und sie flog daher raus. Die neue Küche wurde mit der Hilfe des Leipziger Duos „Studio Oink“ maßgeschneidert entworfen. Die riesige runde weiße Lampe an der Küchenwand haben sie extra für mich gebaut.

Den Glastisch im Esszimmer mag ich sehr: er ist groß, bietet viel Platz für das Essen mit Freunden und wirkt durch das Glas nicht so wuchtig wie ein Holztisch.

Der Trend zu schwarz-weiß und minimalistisch, den man auch viel bei Instagram sieht, ist nicht meins. Ich liebe Farben, daher auch die sehr knallige Arbeitsplatte in der Küche. Die farbige Wand im Wohnzimmer zum Beispiel ist noch ganz frisch. Das dunkle Grün verleiht dem Raum mehr Struktur und macht ihn gemütlicher. Es werden sicher noch viele andere Farben in der Wohnung dazukommen.

Ich mag Veränderung.

Deswegen gestalte ich immer mal etwas in der Wohnung neu. Auch bei Möbeln und Deko behalte ich nicht alles und verkaufe manche Teile irgendwann auch wieder. Das ist auch der Grund, weshalb ich meine Wohnung so oft und gern fotografiere: Um die Veränderungen für mich zu dokumentieren und meinen Freunden, die nicht ständig vorbeikommen können, zu zeigen, was sich bei meiner Einrichtung so tut.”

Danke, dass wir einfach so in deine Wohnung, durften, lieber Hugo. Seit wir ihn besucht haben, hat sich einiges in seiner Wohnung getan. Spoiler: die grünen Wände sind nicht mehr grün. Ihr wollt sie sehen? Dann klickt doch mal hier.

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Vicky

Mitgründerin. Eigentlich Musikerin, daher eine große Liebe für Strukturen. Pedantisch, neugierig und Handcremesüchtig. Hört und sieht alles, lässt es sich aber nicht anmerken. Immer hungrig. Mag an Frankfurt die Kontraste und die Echtheit, nur ist es ihr zu weit weg vom Meer.