Accounts, die man kennen sollte: @ramitawil.artwork (DE/ENG)

Accounts, die man kennen sollte: @ramitawil.artwork (DE/ENG)

 

Viele von uns Instagramern machen schnell mal ein Foto mit dem Smartphone . Wir machen zwei oder drei Bilder, wir probieren unsere zwei Lieblingsfilter während wir weitergehen. Dann noch die ersten 15 Hashtags die uns einfallen und: fertig. Aber so funktioniert es nicht für @ramitawil.artwork.

Rami ist 29, er kommt aus Aleppo, Syrien, dort studierte er Kunst und Design. Jetzt setzt er sein Studium in Frankfurt fort. Rami will „Visual Artist” werden. Grafikdesign, Fotografie und Video gehören dazu. Als der Krieg ausbrach ging er 2012 in den Libanon. Dort arbeitete er als Grafikdesigner und beschloss Profi-Fotograf zu werden. Als auch der Libanon kein sicheres Land mehr für ihn war, musste er ein Land finden in dem er ein neues Leben beginnen konnte. 2015 fiel seine Wahl auf Deutschland. Die meisten seiner Instagram-Fotos zeigen melancholisch dunkle Architektur- und Stadtlandschaften in Frankfurt und anderen Städten.


Rami, woher kommt Deine Liebe zur Architektur?
Mein Vater arbeitete in einem Bauunternehmen. Ich habe mich immer schon für Architektur interessiert. Für die Linien, für die Strukturen. Alles der Krieg begann hörte alles auf, ich verlor alles. Jetzt mochte ich nur noch etwas finden, dass mir das Gefühl gibt: ok, eines Tages gibt es meine Stadt wieder so wie sie einmal war. Ich versuche meine Gefühle in diese Architektur-Bilder zu übersetzen. Meine Bilder sind melancholisch, dunkel, leer. Normalerweise sind Architektur-Bilder mit blauem Himmel und Sonnenschein. Ehrlich gesagt mag ich die Sonne nicht, ich mag den Nebel und wolkiges Wetter denn dann ist die richtige Stimmung in meinen Bildern. (lacht.)

Was magst Du an Frankfurt?
Ich mag die Skyline und die vielen gemütlichen Plätze wie die Coffee Bars und die Kneipen, die Techno Clubs und die netten Leute hier. Als Fotograf kombiniere ich sehr gerne alte und neue Gebäude und die verschiedenen Stile und Details.

Was ist Dein Lieblingsort in Frankfurt?
Die neue EZB, denn es gibt sehr interessante Reflektionen auf ihrer Oberfläche, abhängig vom Wetter, und dann der Blick vom „Main Tower“ – dort kann man ganz Frankfurt sehen und man ist mitten in der Skyline. Jetzt bin ich gespannt darauf wie die neuen Hochhäuser aussehen werden.

Wie findest Du Deine Motive?
Jedes Mal, wenn ich durch die Straßen gehe, suche ich nach einer möglichst perfekten Perspektive. Ich wandere in den Straßen umher. Die meiste Zeit alleine, denn wenn du die perfekte Aufnahme machen willst braucht das Zeit. Für die Wolkenkratzer versuche ich, den richtigen Winkel zu finden, um sie alle in perfekten Schichten zu kombinieren, die alle in perfekten Linien strukturiert sind. Für mich ist Fotografie eine Kunst der Beobachtung, es geht darum das Besondere im Gewöhnlichen zu finden.

Bist Du also ein Perfektionist?
Ja bei allem in meinem Leben: mein Zuhause, meine Kleidung, die Dateien auf meinem Laptop… Das ist eins meiner Probleme… es braucht Zeit, um etwas zu tun. (lacht)

Was ist beim Fotografieren am wichtigsten für Dich?
Die Qualität. Manchmal warte ich zwei Stunden auf die richtigen 5 Sekunden, um ein perfektes Bild zu machen. Zuhause bin ich oft trotzdem nicht zufrieden mit den Ergebnissen, dann gehe ich zurück und versuche es noch einmal. Und manchmal finde ich zufällig ein besonderes Motiv, also mache ich Fotos mit meinem Handy und dann gehe ich wieder zurück, um mit meiner Pro Kamera die Aufnahme zu machen. Danach ist es schwer zu entscheiden, welches Bild ich posten möchte. Bis jetzt habe ich rund 20.000 Fotos. Die Bearbeitung dauert manchmal eine Stunde für ein Foto. Außerdem muss ich die passenden Hashtags in jedem Foto auswählen. Es ist eine Menge Arbeit und es braucht Zeit, aber gleichzeitig ist es eine reine Kunst und das ist es, was ich besonders mag, wenn ich das Ergebnis sehe.

Danke, Rami, für das Gespräch und für die vielen großartigen Bilder von unserer Lieblingsstadt! Ihn findet ihr übrigens auch so: @mr.tawil.


Most of us instagramers just take a picture with the smartphone – on our way, in our everyday life. We take two or three pics, we check our favorite two filters while we continue walking, pick the first 15 hashtags that come to mind and: done. It is not how it works for @ramitawil.artwork.

Rami is 29. In his hometown Aleppo, Syria, he studied art and design and now he is completing his studies looking forward to being a visual artist. As the war began he travelled to Lebanon in 2012, where he worked as a graphic designer and started making plans to be a professional photographer. When Lebanon was also no longer a safe place to live, he had to choose a place where he could start a brand-new life. Germany was his first choice, where he moved to in 2015. Most of his Instagram pictures show moody, dark architecture ensembles and cityscapes in Frankfurt and other cities.

Rami, where does your love for architecture come from? My father used to work in a building company. I have always been interested in architecture, the lines, the structures. When the war started, everything stopped, I lost everything. Now I just want to find something that makes me feel like: ok, one day my city will be back, the same as it once was. So I am trying to translate those feelings into the pictures of architecture.
My pictures are dark, moody, empty. Usually architecture photos are with blue skies and a lot of sunshine. Honestly, I don’t like the sun (laughs), I like foggy and cloudy weather because there is more feeling in the pictures taken on these days.

What do you like about Frankfurt?
I like the skyscrapers and the many cozy places like coffee bars, techno clubs and the nice people here. As a photographer: I really like combining the old and the new buildings’ styles in pictures and giving more details.

What is your favourite spot in Frankfurt?
The new ECB. Because of the interesting reflections on its surface, depending on the weather, and the view from Main tower where you can see all Frankfurt and you are in the middle of the skyscrapers, now I’m waiting for the new skyscrapers to see how they will look like.

How do you find your motifs?
Every time I walk through the streets, I look around for a possible perfect perspective. This is how I find my motifs: by wandering around. Most of the time on my own, because when you want to take the perfect shot and that takes some time, no one cares. For the skyscrapers I try to find the perfect angle to combine them all in perfect layers, all of them structured in perfect lines, and find more places no one care about it.

Would you say it is something you like in general: perfection?
Yes, it is the same with everything in my life: my home, my clothes, my file structures on my laptop (laughs). That is one of my problems...it takes time to do something.

What is most important about taking pictures for you?
The quality. Sometimes, I wait two hours to make the perfect picture. Because at times there are just five seconds with no one in the spot (smiles). It happens that I take pictures at one spot, get home and I am not completely satisfied with the results. That’s why I go back and try again. And sometime I find a special stop, so I use my phone to take photos and then I go back again to bring my pro camera to take the shot. Afterwards it is hard to decide which picture I want to post until now I have around 20000 photos. The editing sometimes takes one hour for one photo. Also I need to choose the matching hashtags. In every photo they are different. It is a lot of work and it takes time but at the same time it is pure art and that’s what I like especially when I see the result. And briefly I would like to say: To me, photography is an art of observation, It's about finding something interesting in an ordinary place.

 
Waschen, Stechen, Fönen: Zu Besuch bei "Mr. Leon's Scherenhänden"

Waschen, Stechen, Fönen: Zu Besuch bei "Mr. Leon's Scherenhänden"

Wunderbarer Freitag #1: esistfreitag bei Liebesdienste

Wunderbarer Freitag #1: esistfreitag bei Liebesdienste