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Schon immer da: Schuhmacher Lenz im Bahnhofviertel

Seit gefühlt schon immer gehört die Schuhmacherei Lenz zum Straßenbild der Münchener Straße und somit zu Frankfurt. Inmitten des kunterbunten kulturellen Potpourri der „Münchener“, ist die Schusterstube ein wenig aus der Zeit gefallen. Kein Wunder, denn der Name des Gründers Wolfgang Lenz schmückte die Fassade des schicken Altbaus bereits, als noch längst nicht jedermann gleich zwölf Paar Sneaker im Schuhschrank stehen hatte…

…Als die lieben Latschen nicht gleich fortgeschmissen wurden, wenn sie einmal kaputt gingen – sondern zum Schuhmacher des Vertrauens gebracht wurden, um sie fachkundig und sorgsam reparieren zu lassen.

Genau das geschieht in der Schuhmacherei Lenz schon seit 76 Jahren. Seit 1941 werden hier mitten im Bahnhofsviertel nicht nur maßgefertigte Schuhe hergestellt, sondern auch Nähte erneuert und Sohlen neu genagelt, damit die Kundschaft wieder auf flotten Sohlen unterwegs sein kann. Und die stammt nicht nur aus Frankfurt!

Generell legt man hier viel Wert auf Service. „Früher gehörte der Gang zum Schuster zum Alltag“, erzählt Jürgen Dohn, der gerade selbst an seinem Meistertitel arbeitet. „Heute hingegen muss man die Leute davon überzeugen, dass es sich lohnt, zum Schuhmacher zu gehen.

Es ist schade, dass Schuhe zum Wegwerf-Artikel verkommen sind!

Jürgen Dohn

Ob sein Handwerk denn eine Zukunft habe? „Sicherlich!“, sagt er und schaut zuversichtlich. „Es wird sich auch in Zukunft lohnen, Wert auf Qualität zu legen.“

In der Werkstatt geht es laut zu, der Geruch von Leder und Klebstoff weckt süße Kindheitserinnerungen. Ein Besuch in der Münchner Straße 36 lohnt sich aber auch dann für Euch, wenn sich eure Lieblingstreter noch bester Gesundheit erfreuen. Ein weiteres, recht skurriles Highlight befindet sich nämlich im Obergeschoss: Seit 2006 betreibt Bildhauer Oskar Mahler hier ein Hammermuseum. Hier könnt Ihr eine Sammlung von über eintausend Hämmern von einst bestaunen. Von einst, als die Gummistiefel noch aus Holz waren* …

Wir wünschen alles Liebe für die nächsten 76 Jahre!


(* Der Autor möchte sich entschuldigen. Es war ihm kurzerhand ein Bedürfnis, diesen Kalauer im Text unterzubringen.)

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Matze

Zugezogen, doch fühlt sich im Herzen längst als Frankfurter. Wenn er nicht gerade zu viel Geld für Bücher, Schallplatten und Kleinbildfilme ausgibt, vertrödelt er mit Vorliebe ganze Nachmittage im Café. Dort trinkt er zu viel Kaffee und raucht zu viele Zigaretten - meint zumindest sein Arzt. Großer Verfechter des Apfelweins (sauer!), betreibt gern Multitasking, kaut ununterbrochen Kaugummi. Liebt Prinzipien und mag es strukturiert:
Selbst für seine To-Do-Listen schreibt er To-Do-Listen.