Kunst ohne Leinwand, Archiv ohne Heimat

Kunst ohne Leinwand, Archiv ohne Heimat

 

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Wenn Straßenkunst einmal weg ist, ist sie ja immer gleich so richtig weg. Schade eigentlich, findet auch ein Projekt, was im August am Main gastiert. Das TRANSURBAN Urban Art Archiv aus NRW macht Halt am Osthafen und bringt eine bunte Tüte an Musik, Events und Infos zu urbaner Kunst mit! Und natürlich sind wir von „Frankfurt du bist so wunderbar“ mit dabei.

Was, wenn urbane Kunst ihrem Image nach wertgleich mit „echter Kunst“ wäre? Wer entscheidet eigentlich, dass das auf der Leinwand im Louvre Kunst ist und das, was von der Schlichtheit des kalten Betons an einer Hauswand ablenkt, nicht? Ist das überhaupt schon entschieden? Andernfalls; geht ihr, der Kunst der Gassen und Brückenpfeiler, nicht ihr wesenhaftes Moment verloren, sobald sie quasi per Ritterschlag zum ernstzunehmenden Produkt der Hochkultur erhoben wird? Der ganze Guerilla-Spaß, der „L'art d'en bas“-Effekt, das unbefugte Aneignen, Dosen statt Pinsel, der vermummte Künstler? Die Antwort, wenn es eine gibt, muss wohl irgendwo dazwischen liegen.

Fragen über Fragen also – die jetzt aber endlich mal ordentlich beackert werden. Und zwar hier in Frankfurt! Am Main gastiert nämlich ab kommendem Samstag, 11. August, für mehr als zwei Wochen das Urban Art Archiv. Kennt Ihr nicht? Dann passt auf!

 Forscher bei der Arbeit: Ziel und Aufgabe des Urban Art Archivs ist es, Kunst im öffntlichen Raum zu präservieren, bevor sie verschwindet

Forscher bei der Arbeit: Ziel und Aufgabe des Urban Art Archivs ist es, Kunst im öffntlichen Raum zu präservieren, bevor sie verschwindet

Seit rund einem Jahr betreibt Georg Barringhaus das Urban Art Archiv, vor allem im Ruhrgebiet. In einer ganzen Handvoll Städte hat der umfunktionierte Container bereits Halt gemacht, ein eigenes Zuhause hat er nicht. Zu dem Paket, das der 36-Jährige unter dem Titel „TRANSURBAN“ schnürt, gehören obendrein Festivals – alles im Zeichen von Urban Art. „TRANSURBAN“ ist eine (vorrangig) NRW-weite Plattform für Kunst und Künstler, initiiert durch das international renommierte „CityLeaks Urban Art Festival“. Das Opening in Frankfurt ist übrigens die erste von insgesamt drei Etappen. Die anstehende Tour führt den Container außerdem nach Antwerpen im September und Amsterdam im Oktober!

Gegen die Vergänglichkeit

Aber eins nach dem anderen. Fangen wir mit der ersten Prämisse an: Urbane Kunst ist immer vergänglich und deswegen schutzbedürftig. Ein Wandbild (engl. mural) ist länger von Bestand als etwa eine Performance im öffentlichen Raum, aber auch immer nur temporär, zeitlich begrenzt. Man muss sich kümmern, Kunstwerke erst mal auffinden, dann Bestände aufzeichnen, organisieren, denn, und das ist die zweite Prämisse, urbane Kunst ist schützenswert. „Wir müssen uns vor Augen halten, dass Urban Art gleichermaßen Reflex und Notwendigkeit von Stadtgesellschaften ist“, erläutert Barringhaus. „Urbane Kunst bildet einen nie endenden Dialog ab, in dem letztlich erörtert wird, wie wir miteinander in der Stadt leben wollen.“

 Der Aufbau hat beireits am Dienstag begonnen: Am Osthafen schlägt bald, mehr noch als sonst, der Puls der Frankfurter Kunstszene.

Der Aufbau hat beireits am Dienstag begonnen: Am Osthafen schlägt bald, mehr noch als sonst, der Puls der Frankfurter Kunstszene.

Anders als museale Kunst ist Urban Art ihrem Kontext nach schließlich immer ortsspezifisch. Der Leinwand ist es, frech gesagt, egal an welcher Wand sie hängt. Die Kunst der Straße hat immer nur genau einen Ort und eine Zeit. Und damit es mit den Werken urbaner Kunst nicht einfach vorbei ist, wenn sie fertig sind oder übermalt werden oder einem Abriss zum Opfer fallen (oder, oder, oder), sammelt und dokumentiert das Team um den studierten Politologen Barringhaus Kunst im öffentlichen Raum. Die Funde werden mit Infos, Fotos und Geo-Daten angereichert. Publikationen werden gesammelt und mit Auskünften zu verknüpften Institutionen (Galerien, Festivals, Ausstellungen, Projekte) in die Datenbank eingespeist – gleichsam Forschung und Arbeit gegen die Vergänglichkeit.

 Das Urban Art Archiv hat vielleicht kein richtiges Zuhause. Aber es hat einen Platz - an der Stelle nämlich, wo sich Stadt, Politik und Kunst überschneiden.

Das Urban Art Archiv hat vielleicht kein richtiges Zuhause. Aber es hat einen Platz - an der Stelle nämlich, wo sich Stadt, Politik und Kunst überschneiden.

Jetzt ist das fahrende Archiv zu Gast in Frankfurt. Aktuell sind im Archiv über 400 Einträge zu Positionen von Kunst im öffentlichen Raum verzeichnet. Und es werden immer mehr. Mit an Bord ist übrigens auch der NRW-Tourismusverband mit seinem Projekt #urbanana. Ihr bekommt also nicht nur Kunst soweit das Auge reicht, sondern auch die Chance, den Nachbarn aus Deutschlands Westen und uns von „Frankfurt du bist so wunderbar“ Hallo zu sagen!

Was erwartet mich?

Das Programm ist liebevoll zusammengestellt: Vom 11. bis zum 29. August habt Ihr Gelegenheit, so richtig in Frankfurts Urban Art-Szene einzutauchen. Das Archiv selbst ist in der Zeit immer von Dienstag bis Sonntag geöffnet, jeweils von 13 bis 19 Uhr. Obendrein warten zahlreiche spannende Events auf Euch: Live-Painting, Erkundungstouren durch die Mainmetropole, Podiumsabende, Workshops und natürlich jede Menge Musik.

Apropos Musik: Am 18. August kuratiert das Online-Community Radio dublab.de das musikalische Programm für Euch in einem „dublab Weekend Special“. Mit dabei sind unter anderem: FM Aether (MMODEMM), Joscha Creutzfeldt (dublab.de), Luzi Gehrisch, Moritz M (dublab.de), Pedo Knopp (Trust Your Audience / LAZY. Frankfurt), RE:BOOT (Archiv für die Musik Afrikas Mainz (AMA) und Sabine Lydia Schmidt (unbreakmyheart). **name dropping off**

 Zwei Pole, die das Urban Art Archiv-Team stets jongliert, sind der Schutz von Eigentum auf der einen, und Schutz der Künstler vor Strafverfolgung auf der anderen Seite.

Zwei Pole, die das Urban Art Archiv-Team stets jongliert, sind der Schutz von Eigentum auf der einen, und Schutz der Künstler vor Strafverfolgung auf der anderen Seite.

Highlights und Sternstunden

Mehr als zwei Wochen lang könnt Ihr also anlässlich des Urban Art Archiv Openings am Osthafen gemütlich zusammensitzen, Freunde treffen, plaudern und entspannt feine Musik genießen. Aber damit nicht genug – die besonderen Schmankerl sind:

  • Stadtführung „Kunst im öffentlichen Raum heute, von der Skulptur zum Graffiti“: Zieht Euch bequeme Schuhe an und steigert Eure Aufmerksamkeit. Bei einem Spaziergang durch Frankfurt geht es darum, Stadträume neu zu erkunden, Frankfurt neu zu entdecken.

    12./19./26. 08 / jeweils um 19 Uhr

     
  • Stadtgespräch „Urban Today: Aufstieg eines subkulturellen Phänomens in die Populärkultur“: Was ist Urban Art? Und was nicht? Wie lassen sich Schutz auf Eigentum und Schutz vor Strafverfolgung vereinen? Was sagt urbane Kunst über unsere Stadt aus? Hier wird es etwas fachlicher! Auf der Bühne versammelt sich die geballte Kompetenz der Szene und versucht sich daran, den Forschungsgegenstand Urban Art zu besprechen, zu verstehen und zu vermitteln. Und am Ende geht jeder ein bisschen schlauer nach Hause – versprochen!

    20. 08. / 19 Uhr

     
  • Workshop: Hier könnt Ihr selbst eintauchen und Euch als Archivar versuchen. Gemeinsam mit dem Team zieht Ihr durch die City, fotografiert und dokumentiert die Kunst unserer Straßen. Zurück am Osthafen habt Ihr dann Gelegenheit, Eure Funde eigenständig ins Archiv einzupflegen und so den Bestand zu erweitern.

    16./23. 08. / jeweils um 15 Uhr / Anmeldung über info@trans-urban.de


Wo muss ich hin?

Der eigentliche Schauplatz der Veranstaltung ist der beliebte Kunst- und Party-Off-Space der Familie Montez in der Honsellstraße direkt am Hafenpark. Hier, im Frankfurter Ostend, ist das fahrende Urban Art Archiv aufgebaut. Am besten informiert Ihr euch via Facebook über die Locations und Uhrzeiten der einzelnen Events. Klick!

 
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