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Schon immer da: Das Stern Café der Kaffeerösterei Wissmüller

So sehr sich die Leipziger Straße über die Jahrzehnte hinweg auch gewandelt haben mag, so beständig hält sich glücklicherweise ein ganz besonders schöner Ort in ihr: Das „Stern-Café“ der Kaffeerösterei Wissmüller. Dabei ist es schnell passiert, und man ist schnurstracks am unscheinbaren Hinterhof der Hausnummer 39 vorbeigelaufen. Schade eigentlich, denn in diesem versteckt sich ein wunderbares Kleinod!

Schon seit 1948 versprüht die Kafferösterei Wissmüller hier das unwiderstehliche Aroma frisch gerösteter Kaffeebohnen und lädt zur kleinen Auszeit vom Großstadttrubel ein. Schön, dass auch die Preise scheinen wie vor siebzig Jahren – wo sonst in Frankfurt gibt es sonst noch eine Tasse hochwertigen Kaffees für „Einsfuffzich“?

„Kaffee ist ein Genuss, den sich jeder leisten können sollte“, sagt Margarete Wissmüller-Sztulmann, während sie sorgfältig eine Tüte Kaffeebohnen abwiegt.

„Ohnehin ist ein Tag, der nicht mit einer guten Tasse Kaffee beginnt, gar kein richtiger Tag“, fügt sie lachend hinzu. Kaffee, das ist ohnehin die allergrößte Leidenschaft der 60-Jährigen. Diese hat sie gewissermaßen in die Wiege gelegt bekommen: Bereits als Kind half sie im Stern-Café der Rösterei aus, welche ihr Vater Hermann Wissmüller gegründet hatte. Kein Wunder also, dass sie sich auf den bevorstehenden runden Geburtstag der Rösterei ganz besonders freut.

„Kaffee ist für mich auch heute noch Genuss und Weltanschauung“, schwärmt sie.

Im Jahr 2012 hat sie die Geschäfte von ihrem Vater übernommen und führt nun ihr Familienerbe fort

Dabei blickt sie hoffnungsvoll in die Zukunft:„Noch vor wenigen Jahrzehnten bestand die Kaffeekultur in Deutschland größtenteils aus Filterkaffee“, erinnert sie sich. Heutzutage erfahre sie eine viel größere Wertschätzung gegenüber des braunen Goldes. „Man trinkt Kaffee heute viel bewusster“, freut sie sich. „Man ist interessiert an der Herkunft der Bohnen, legt Wert auf gute Zubereitung“.

Ihr Handwerk hat die sympathische Inhaberin in Brasilien gelernt. „Dass ich dort als Sprössling eines kleinen Familienbetriebs habe lernen dürfen“, verrät sie, „das war für mich eine große Ehre!“.

Auch sie selbst setzt hohe Maßstäbe: „All unser Rohkaffee wird sorgfältig ausgewählt“, verbürgt sie sich. Dieser stamme aus Mittelamerika, Afrika und sogar Asien – und erreiche Frankfurt auf dem Seeweg. „Ein Genuss, der mit der Welt verbindet“, schmunzelt sie. Und bekräftigt: „Erst nach gewissenhafter Prüfung durch unsere Röstmeister dürfen die Bohnen unseren Namen tragen!“

Doch auch ohne jegliche Kenntnisse von Sorten und Röstmethoden fällt es leicht, sich als Gast im „Stern-Café“ rundum pudelwohl zu fühlen. Herzlichkeit schlägt entgegen, die über Jahrzehnte gesammelten Mitbringsel aus aller Welt sind eine Augenweide. Und der Duft, er tut sein Übriges.

Ob das traditionsreiche Café´auch weiterhin die Herzen Frankfurter Kaffeeliebhaber höher schlagen lassen wird?„Ich habe keine Nachwuchssorgen“, verrät Wissmüller-Sztulman und lächelt. „Schließlich habe ich vier Kinder!“

Grund genug für uns also, um alles Liebe für die nächsten siebzig Jahre zu wünschen!

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Matze

Zugezogen, doch fühlt sich im Herzen längst als Frankfurter. Wenn er nicht gerade zu viel Geld für Bücher, Schallplatten und Kleinbildfilme ausgibt, vertrödelt er mit Vorliebe ganze Nachmittage im Café. Dort trinkt er zu viel Kaffee und raucht zu viele Zigaretten - meint zumindest sein Arzt. Großer Verfechter des Apfelweins (sauer!), betreibt gern Multitasking, kaut ununterbrochen Kaugummi. Liebt Prinzipien und mag es strukturiert:
Selbst für seine To-Do-Listen schreibt er To-Do-Listen.