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Schon immer da: Samen Andreas

Die Tütchen mit dem vielen Saatgut bilden ein Farbenmeer, bunte Blüten soweit das Auge reicht. Bastkörbe sind bis zum Rand mit Steckzwiebeln gefüllt, zwischen kleinen Türmen aus Tontöpfen weht ein Hauch von feuchter Erde. In einer Ecke warten Gießkannen auf ihren ersten Einsatz, gleich nebenan hängen kleine Schaufeln. Schwereres Geschütz dagegen im Schaufenster: Spaten und Äxte für die Grobarbeit im Garten. Willkommen im Paradies für Hobbygärtner, willkommen bei „Samen Andreas“!

Irgendwo zwischen Pflanzstäben und Heckenscheren steht Nils Andreas. In fünfter Generation leitet er die Geschicke des Gartenfachgeschäfts und lässt gemeinsam mit seinen beiden Mitarbeitern die Herzen von Pflanzenfreunden höher schlagen. Seine Leidenschaft für Pflanzen hat er gewissermaßen in die Wiege gelegt bekommen: Sein Ururgroßenkel war es, der im Jahre 1863 die Samenhandlung gründete. Nachdem zunächst im „Steinern Haus“ Tulpen an Mann und Frau gebracht wurden, zog das Unternehmen im Laufe der Jahrzehnte mehrfach um. „Der Frankfurter Altstadt sind wir jedoch immer treu geblieben“, schmunzelt der Nachkomme.

Dass der Familienbetrieb im Jahr 2018 sein 150-jähriges Bestehen feiern kann (und deswegen von uns das Prädikat „Schon immer da“ bekommt!), macht ihn ein wenig stolz. Einfacher, erzählt er, seien die Zeiten nämlich nicht geworden: Längst sei mit Gartencentern und Supermärkten eine große Konkurrenz herangewachsen. Von einst sieben Samenhandlungen in Frankfurt hätten schlussendlich nur zwei überlebt. Dass auch „Samen Andreas“ heute noch floriert, erklärt sich der gebürtige Frankfurter mit der großen Aufmerksamkeit, die einem jeden Kunden hier zuteil wird. Mit Rat und Tat stehe man beiseite, damit ein jedes noch so kleine Samenkorn zu einer Prachtpflanze gedeihen kann. Darüber hinaus betätigt er sich schon mal als Pflanzendoktor, wenn Zimmerpalmen oder Tomatenstauden einmal Wehwehchen plagen. „Meist verrät schon ein kurzer Blick auf ein krankes Blatt, an was es der Pflanze fehlt“, verrät der sympathische Inhaber. Schnell hat er dann Tipps für einen optimalen Standort und das richtige Düngemittel parat. „Vielleicht beruht unser Erfolg jedoch auch ganz einfach auf der Tatsache, dass Gartenzwerge noch nie zum  Angebot gehörten“, wirft er lachend ein. 

Von den Paradebeispielen deutscher Spießbürgerlichkeit einmal abgesehen, kann sich das Sortiment allerdings sehen lassen: Eine Auswahl von 800 Blumen- und Gemüsesorten lockt sogar Pendler aus dem Umland während ihrer Mittagspause aus dem Büro. Doch auch die Frankfurter sind treue Kunden:

„Kaum durchbrechen im Frühjahr die ersten Knospen den Erdboden, sehnen die Städter sich nach Blumen für ihr Zuhause oder wollen Beeren ernten“

hat Nils Andreas beobachtet. Dass beileibe nicht nur Senioren von der Pflanzenlust ergriffen werden, freut ihn dabei ganz besonders: Insbesondere junge Menschen folgten dem Trend des „Urban Growing“ und bauten ihr eigenes Gemüse auf dem Balkon an.

Seine eigene Leidenschaft indes hält auch nach Feierabend an. Wenn der 42-Jährige abends nicht gerade an seinem Pflanzen-Blog werkelt, findet man ihn in seinem Garten. Dort lässt ihn vor allem der Anblick seiner Lieblingspflanze jeden Stress vergessen: „An der Wunderblume kann ich mich kaum satt sehen!“, schwärmt er.  Doch auch den Blick in die Zukunft scheut der Geschäftsführer nicht. Zwar gelte es irgendwann, einen seiner ganz und gar menschlichen Sprösslinge davon zu überzeugen, den Betrieb fortzuführen. „Aber da mache ich mir keine Sorgen“, verrät er zum Abschied. „Grün macht schließlich einfach glücklich!“

Wir jedenfalls wünschen alles Liebe für die nächsten 150 Jahre.
Happy Birthday, Samen Andreas!

*Eine Aussage, die der Autor mit Blick auf seinen Namen nur ausdrücklich unterstützen kann

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Matze

Zugezogen, doch fühlt sich im Herzen längst als Frankfurter. Wenn er nicht gerade zu viel Geld für Bücher, Schallplatten und Kleinbildfilme ausgibt, vertrödelt er mit Vorliebe ganze Nachmittage im Café. Dort trinkt er zu viel Kaffee und raucht zu viele Zigaretten - meint zumindest sein Arzt. Großer Verfechter des Apfelweins (sauer!), betreibt gern Multitasking, kaut ununterbrochen Kaugummi. Liebt Prinzipien und mag es strukturiert:
Selbst für seine To-Do-Listen schreibt er To-Do-Listen.