„Podcasts sind noch immer eine Nische“: Auf einen Kaffee mit Johannes Sassenroth

Podcasts liegen voll im Trend: Ob beim Joggen oder Bügeln, auf dem Weg zur Haltestelle oder zwischen den Regalen im Supermarkt – mit guter Unterhaltung im Ohr gehen Sport, Haushalt und Einkäufe gleich viel besser von der Hand. Kein Wunder, dass die Podcast-Welle auch vor Frankfurt keinen Halt macht. In unserer Lieblingsstadt werden Podcasts jedoch nicht nur eifrig konsumiert, sondern auch produziert. So wie auch „Der Anruf“, in dessen Vorspann es so treffend heißt: „Ein völlig unbekannter Mensch. Und ein Gespräch über das Leben und den ganzen Rest.“

Hinter dem Format steckt niemand geringeres als Johannes Sassenroth. Den meisten von euch dürfte die Stimme des Frankfurters aus dem Radio bekannt sein: Schon seit zehn Jahren sitzt der 40-Jährige beim Jugendsender YOUFM und dessen erwachsener Schwester HR3  am Mikrofon. Gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Clemens Boekholt betätigt er sich obendrein als Podcast-Produzent.

Wir haben den Moderator getroffen, um uns mit ihm über den Reiz der Podcasts, die Zukunft des Radios und die Idee hinter „Der Anruf“ zu unterhalten. Außerdem verrät uns „der Sassenroth“, weshalb er Deutschland ganz neu kennenlernte durfte. Und einen Witz, den hat er vielleicht auch noch in petto…

Heute mal auf der anderen Seite

Grüß‘ dich, Johannes! Als Radiomoderator bist es in aller Regel du, der die Fragen stellt. Fühlt es sich für dich ein wenig komisch an, heute einmal auf der anderen Seite zu sitzen?
Nee, aber gar nicht! Für mich ist ein Interview in erster Linie ein gelungenes Gespräch, sodass ich mich auf beiden Seiten gerne unterhalte.

Schön, dass du dich wohl fühlst. Dann leg‘ ich gleich mal los: Dein Geld verdienst du mit deiner Stimme im Radio. In deiner Freizeit produzierst du nun obendrein einen Podcast. Bekommst du vom Moderieren einfach nie genug?
Nein, nein, das sind für mich zwei ganz unterschiedliche Sachen. Die Leute schalten das Radio ein, weil es sie durch den Tag begleitet, sie informiert und auf dem Weg zur Arbeit unterhält. Podcasts dagegen werden ganz bewusst gehört. Auch für mich ist es am Mikrofon ein gewaltiger Unterschied, ob ich jetzt drei Minuten lang das letzte Spiel der Eintracht kommentiere oder eine ganze Stunde lang ein Gespräch mit einem Menschen führe. Das Podcast-Machen fühlt sich jedenfalls für mich nie nach Arbeit an!

Während seiner Arbeit für den Hessischen Rundfunk hat Johannes seinen heutigen Podcast-Partner Clemens Boekholt kennen gelernt. Von Beginn an hat die beiden ihre Leidenschaft für Podcasts und Hörbücher verbunden. Heute lebt Boekholt in Berlin, zählt aber noch immer zu Johannes‘ besten Freunden.

Nun liegt es gerade ganz allgemein im Trend, einen eigenen Podcast zu haben. Weshalb hast du gemeinsam mit Clemens beschlossen, auf den Zug aufzuspringen und „Der Anruf“ zu veröffentlichen?
An dieser Stelle kann ich guten Gewissens behaupten, dass wir nicht auf den Zug aufgesprungen sind – sondern ihn vielmehr aufs Gleis gesetzt haben! Clemens und ich haben beide schon gerne amerikanische Podcasts gehört, als das in Deutschland noch gar kein Thema war. Clemens hatte dann irgendwann einmal ein Hörbuchprojekt als Podcast herausgebracht. Eine dumme Idee, im Nachhinein – doch hab‘ ich ihn dann angestoßen und gesagt: „Lass‘ uns doch mal einen richtigen Podcast machen!“

Von diesem Vorschlag war es aber sicherlich noch ein langer Weg bis zur ersten Folge…
Natürlich! Anfangs wussten wir beide nicht einmal, welchen Weg wir überhaupt einschlagen sollten. Allein darin, dass wir keinen Bock auf ein Format hatten, in dem sich zwei Menschen einfach unterhalten, waren wir uns einig. Unser Budget war knapp bemessen, sodass wir uns schließlich fragen mussten: Was können wir mit zwei Mikrofonen als Equipment anstellen, ohne nur um uns selbst zu kreisen?„Das ist für euch?“ – Die liebe Kellnerin des Café 48 versorgt den Sassenroth mit Cappuccino und einer großen Tasse schwarzen Kaffees. Koffein hat doch noch jedes Gespräch in Schwung gebracht!

Wie ging es los?

Ouuh, den hab‘ ich gerade richtig nötig. Wo waren wir doch gleich? Genau: Wie hat sich aus einem vagen „Wir starten jetzt was!“ letztendlich „Der Anruf?“ entwickelt?
Du wirst jetzt lachen, aber wir haben einfach einen Termin ausgemacht, zu dem jeder von uns drei Ideen mitgebracht hat. Die haben wir dann besprochen und durchdacht.

Entschuldigung, aber das klingt durchweg deutsch! Von wem stammte denn nun die Idee für „Der Anruf“? Tatsächlich von mir, wir haben das Konzept aber gemeinsam weiterentwickelt und auch mehrfach wieder über den Haufen geworfen. Auch „Die Bratpfanne“ war als Titel im Gespräch, weil wir unseren Gesprächspartnern zum Dank für ihre Offenheit etwas schenken wollten, gerne auch was ganz banales. An Stelle eines Küchenutensils ist es dann ein Rorschach-Bild geworden, das Clemens auf die farblichen Wünsche unserer Gäste hin malt und ihnen schenkt. Seine Kunstwerke dienen nun als Cover der einzelnen Episoden.

„Die Bratpfanne!“? Herrliche Idee, hätte ich auf jeden Fall abonniert! Doch auch unter dem Namen „Der Anruf“ operiert ihr recht erfolgreich: So seid ihr für den deutschen Podcast-Preis in der Kategorie „Unterhaltung“ nominiert. Hand aufs Herz: Macht ihr euch Hoffnungen, den Pokal nach Hause zu tragen?
Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, wie wir dazu gekommen sind. Ich find´s toll, dass wir dabei sind, und ich freu‘ mich wirklich über die Nominierung. Letztlich sind wir aber nur ein Podcast von gut und gerne siebzig, die da auf der Liste stehen. Da die Gewinner aber per Online-Voting bestimmt werden statt von einer Jury, werden eben vor allem die „Großen“ nur noch größer gemacht. Arianna Barborie oder Olli Schulz müssen doch nur mal kurz ins Mikro husten, um das Ding an sich zu reißen. Deswegen haben Clemens und ich uns gar nicht erst für die Preisverleihung angemeldet.

Mag ja sein, dass ihr nicht die „Größten“ seid – trotzdem habt ihr schon siebzig Folgen eures Podcasts produziert. Schon ein großes Special für Folge 100 geplant?
[lacht] Das ist doch längst noch nicht akut! Das Jubiläum der 50. Folge hatten wir übrigens verpennt. Uns beiden ist das wirklich nicht so wichtig.

Sitzt auch hauptberuflich vorm Mikrofon: Johannes Sassenroth, hier im Studio von HR3
Sitzt auch hauptberuflich vorm Mikrofon: Johannes Sassenroth, hier im Studio von HR3


Ist Radio ein Auslaufmodell?

Lass‘ uns doch einmal einen Blick in die Zukunft werfen. Glaubst du, dass das klassische Formatradio ein Auslaufmodell ist? Wird der Rundfunk in zehn Jahren von Podcasts abgelöst sein?
Diese Frage würde ich wirklich gerne beantworten – kann ich aber nicht. Persönlich tendiere ich aber zur Prognose, dass Podcasts das Radio nicht überflüssig machen werden. Auf lange Sicht, glaube ich, werden sich das Radio und Podcasts gut ergänzen. Ich hatte ja vorhin schon erwähnt, dass das Radio an erster Stelle Tagesbegleiter ist, der live abbildet und Emotionen übertragen kann. Auf dem Weg zur Arbeit schalten die Leute nun mal ihren Lieblingssender ein, weil ihnen ein vorproduzierter Podcast keine Nachrichten des Tages und Musik zum Wachwerden liefern kann. Erst abends, wenn sie den Kopf frei haben, widmen sie sich dem interessanten Podcast. Dem können sie dann ihre ganze Aufmerksamkeit schenken.

Auch ich als Moderator kann mich in einem Podcast einem Gesprächspartner viel menschlicher und mitfühlender nähern, als ich das im Studio könnte. Ein Hörer hat mir mal gesagt: Im Radio wirke ich wie ein Profi, im Podcast wie ein Mensch. Vielleicht hat er Recht.

Das beobachte ich exakt so an mir selbst. Einem Podcast höre ich viel bewusster zu als dem Radio, das im Hintergrund dudelt…
Der Rundfunk wird also sicherlich nicht aussterben und seine Daseinsberechtigung behalten! Das Fernsehen ist da ein gutes Beispiel: Viele schauen sich doch immer noch „Germany‘s next Topmodel“ auf ProSieben an und ziehen sich anschließend eine Serie auf Netflix rein. Ich hoffe aber, dass die Radiosender vermehrt hochwertige Podcasts produzieren. Wenn der Konsument irgendwann innerhalb eines Senders nach Lust und Laune zwischen dem Radioprogramm und tiefergehenden Podcasts wechseln könnte, wäre das toll. Noch sind Podcasts ja eine echte Nische.

Findest du? Ich persönlich kenne ja kaum noch jemanden, der keine Podcasts hört…
Da bewegen wir beide uns wohl auch in einer Blase. Ich glaube, es gibt da noch riesige Unterschiede – ob jetzt zwischen Stadt und Land oder zwischen Alt und Jung. Ich kenne zwar keine genauen Zahlen, aber: Man kann sicherlich nicht behaupten, dass jeder Deutsche einen Podcasts hört. Ich hab‘ mal eine Studie gelesen, nach der es jeder Fünfte ist…

Mit dieser Feststellung hast du eine astreine Steilvorlage für einen Übergang geliefert: Es könnte schließlich sein, dass manche unserer Leser deinen eigenen Podcast noch gar nicht kennen. Erklärst du ihnen in ein paar Sätzen, worum es in „Der Anruf“ geht?
Auf die Schnelle gesagt: Clemens und ich sind der Meinung, dass wirklich jeder eine Geschichte zu erzählen hat. Und genau die wollen wir hören! Wir wollen keine Promis hören, die ihren neusten Film promoten oder Leute, die ein Buch geschrieben oder irgendwas erfunden haben.

Uns interessieren Menschen „wie du und ich“, solche, die ein ganz normales „Nullachtfünfzehn“-Leben führen.

In dem Moment, in dem wir sie am Telefon begrüßen, sind sie für uns noch Fremde. Dann aber unterhalten wir uns eine gute Stunde lang mit ihnen – und sind jedes Mal aufs Neue darüber überrascht, dass es da einen Aspekt in ihrer Lebensgeschichte gibt, der uns wirklich umhaut. Selbst bei denen, die glauben, nichts zu erzählen zu haben. Das finden wir beide unglaublich spannend!

Ein Gespräch über das Leben und den ganzen Rest: Im Podcast “Der Anruf” erzählen Menschen wie du und ich ihre Geschichte.

Ein Gespräch über das Leben und den ganzen Rest: Im Podcast “Der Anruf” erzählen Menschen wie du und ich ihre Geschichte.

Therapeuten der Nation?

Nun geben eure Gesprächspartner euch gegenüber auch sehr private Dinge preis. Was glaubst du, weshalb Leute bei „Der Anruf“ mitmachen – und sogar intime Inhalte öffentlich preisgeben?
Eine gute Frage! Zum Ersten vermute ich da eine Art von Community-Gedanken. Wie schon erwähnt, bilden Podcasts noch eine Nische: Viele unserer Hörer denken sich vielleicht: „Hey, ich hab‘ mir jetzt drei Folgen angehört – ich finde das gut, ich mach’ da jetzt auch mit!“. Zweitens gefällt vielen vielleicht auch unsere Art, vollkommen unvorbereitet und ohne jede Wertung in ein Gespräch hinein zu gehen.
Ich habe bis heute fast 150 ARD-Talkshows moderiert – und hab‘ mich immer wieder gefragt: „Warum erzählen die das eigentlich?“ Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es ihnen guttut, mit jemandem zu sprechen, der keinerlei Berührungspunkte zu ihrem eigenen Leben hat. Es gibt eben Dinge, die man selbst mit dem besten Freund oder der besten Freundin nicht gern bespricht. Dann ist es schön, wenn da ein Fremder ist, der keinerlei Voreingenommenheit zeigen kann – und trotzdem ein offenes Ohr hat. Oft hilft es ja schon, sich einfach etwas von der Seele zu reden.

Clemens und du als die Therapeuten der Nation?
Nein, so würd’ ich das nicht sehen. Bei uns rufen ja keine Leute an, die akute Hilfe brauchen. Klar gab es da Ausnahmen, wenn jemand zu Beispiel nicht verarbeiten konnte, dass die eigene Mutter gestorben war. Vielleicht hat es ihm geholfen, dass Clemens sich in einer ähnlichen Situation befand und entsprechend empathisch reagieren konnte. Aber Menschen zu therapieren, ist nicht unsere Aufgabe, das würde uns beide auch überfordern. Wir hören zu und sind interessiert.

Dauerbrenner-Themen

Gibt es denn ein Thema, dass den Menschen besonders am Herz zu liegen scheint quasi ein „Dauerbrenner“? Wie beurteilst du die Lage der Nation?
Es kam da mal eine Phase, in der unsere Anrufer sehr häufig mit dem Thema „Tod“ beschäftigt waren. Entweder im Freundeskreis, oder aber weil sie schwer krank waren und ihr Leben daraufhin ganz neu erfunden haben. Ansonsten aber sind die Themen wirklich querbeet: Egal, ob jetzt jemand bereut, dass er sich nie von seinem Vater hat verabschieden können oder jemand 70.000 Euro bei der Arbeit gestohlen hat.

Manche erzählen davon, wie sehr sie darunter litten, dass nachts bei ihnen eingebrochen wurden, manche davon, weshalb sie ausgewandert sind und wie sie sich in ihrem neuen Leben eingerichtet haben. Die Gespräche sind sehr unterschiedlich, und ich bin wieder ganz überrascht von all den Geschichten, die uns erzählt werden. Ich will jetzt nicht pathetisch werden, aber: Ich bin der Meinung, dass Clemens und ich durch „Der Anruf“ Deutschland ganz neu kennenlernen durften.

Das musst du mir jetzt aber ein wenig genauer erklären…
Clemens und ich haben während unserer Anrufe Dinge gehört, die wir wirklich niemals für möglich gehalten hätten. Schon oft hab‘ ich nach einer Aufzeichnung meine Freundin angeschaut und gesagt: „Weißt du eigentlich, wie gut es uns geht?“ Es gab da zum Beispiel einen Anwalt aus Frankfurt, der bei uns angerufen hat. Der davon erzählt, wie er von seinen Mandanten gestohlene Teppiche durch die Gegend fährt, damit deren Coup nicht auffliegt. Wie harmlos sind dagegen irgendwelche Alltagsprobleme?

Das klingt krass!
Ich könnte dir da noch viel mehr Beispiele aufzählen! Clemens und ich sind uns darin einig, nicht voyeuristisch sein zu wollen – aber natürlich sind wir irgendwo auch sehr berührt von all den Schicksalen, von denen uns berichtet wird. Ob es jetzt die sieben Abiturienten sind, die mit dem Schulbus von Alaska bis nach Südamerika gefahren sind – oder die Frau, die unter einer Krankheit leidet, wegen der ihr keine Haare mehr wachsen…


Mit dem Schulbus von Alaska bis nach Südamerika?


Mit dem Schulbus von Alaska bis nach Südamerika? Dagegen komme ich mir ja richtig langweilig vor… Trotzdem frag’ ich einmal andersrum: Gibt es Geschichten, die bei „Der Anruf“ keinen Platz finden sollen?

Ich entgegne ein klares „Nein“! Selbst mit einem Rechtsradikalen würde ich mich unterhalten, allein, um die Hintergründe seines Denkens zu erforschen. Kritisch wird es für mich nur da, wo strafrechtliche Grenzen überschritten werden. Mit einem Pädophilen zum Beispiel könnte ich niemals ein Gespräch führen. Es kam auch schon vor, dass Clemens und ich festgestellt haben, dass jemand sich wirklich keinen Gefallen damit tat, uns seine Geschichte zu erzählen. Wenn wir beide das Gefühl haben, dass jemand nicht überblicken kann, dass ihm theoretisch die ganze Welt zuhören kann – dann verzichten wir auf eine Veröffentlichung. Zum Schutz unseres Anrufers.

Siebzig Episoden von „Der Anruf“, das bedeutet auch: Siebzig verschiedene Schicksale. Ist dir eines davon ganz besonders in Erinnerung geblieben? Hast du vielleicht sogar eine Lieblingsfolge?
Ja, tatsächlich! Es sind sogar zwei Folgen, die mir ganz besonders in Erinnerung geblieben sind. Zum einen die Folge 15, das weiß ich sogar auswendig…

Respekt!
… da hatte ein Mädel angerufen, dessen Mutter starb, als sie noch ein Kind war. Schlimm genug, doch dann hatte auch ihr Vater noch Selbstmord begangen. Trotz ihrer dramatischen Erlebnisse gab sich die junge Frau aber sehr lebensfroh am Telefon, das hat mich wirklich umgehauen. Nicht umsonst haben wir die Folge „Das stärkste Mädchen der Welt“ getauft.

Zum anderen erinnere ich mich besonders gern an das Gespräch in Folge 52. Unsere Anruferin hatte noch in der Schwangerschaft erfahren, dass ihr Kind am Down-Syndrom leiden wird. Dass sie sich trotzdem für das Kind entschieden hat, hat mich sehr berührt. Ich könnte dir wahrscheinlich noch viel mehr Beispiele aufzählen, aber diese beiden Schicksale haben sich mir am meisten eingebrannt. Ich sollte an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass es bei „Der Anruf“ nicht immer traurig, sondern häufig auch sehr lustig zugeht!

Ich finde auch, das hält sich gut die Waage. Als großer Herrengedeck-Fan mag ich natürlich die Folge ganz besonders gerne, in der sich Ariana Barborie als Gastmoderatorin versucht.
Ja, für sie war das eine schöne Abwechslung. Es hat ihr Spaß gemacht, mal ganz unvorbereitet in ein Gespräch zu gehen, ohne die Rolle des „Performers“ einnehmen zu müssen. Im Ergebnis war eine ganz andere Ariana zu hören, das war wirklich eine ungewöhnliche Folge. Anschließend meinte sie zu mir, dass viel zu selten einfach nur aufmerksam zugehört wird. Da bin ich ganz bei ihr.

Kennt den “Sassenroth” vom Radio: Clemens Boekholt.
Kennt den “Sassenroth” vom Radio: Clemens Boekholt.

Ich übrigens auch. Und eure Hörerschaft?
Wir haben zum Glück fast ausschließlich positives Feedback bekommen! Clemens und ich sind uns dessen bewusst, dass wir mit einer Menge Fingerspitzengefühl arbeiten müssen. Umso schöner, dass den Leuten gefällt, dass wir nicht voyeuristisch agieren und uns aus ehrlichem Interesse und auf Augenhöhe unterhalten.

Fester Bestandteil einer jeden Episode von „Der Anruf“ ist der „Erstkontakt“. Mit Fragen wie „Mit wem hattest du zum letzten Mal Sex?“, „Hast du dich schon einmal strafbar gemacht?“ reden die beiden Moderatoren nicht lange um den heißen Brei zurück und gehen gleich ans Eingemachte. Trotzdem lassen sie es nie am notwendigen Respekt gegenüber ihres unbekannten Anrufers mangeln.

Die plötzlich am Himmel erscheinende Sternschnuppe („Du darfst dir was wünschen!“) ist dabei genauso obligatorisch wie die Aufforderung, doch mal einen guten Witz zu erzählen. So gelingt es den beiden Machern, sich ein erstes Bild ihres zunächst fremden Gesprächspartners zu zeichnen und erste Anknüpfungspunkte für den folgenden Dialog zu finden.

Jetzt haben wir uns schon eine ganze Weile lang unterhalten. Trotzdem starte ich mal einen kleinen „Erstkontakt“. Johannes, stell‘ dir doch mal vor, du selbst würdest bei „Der Anruf“ mitmachen: Wie würde der Titel „deiner“ Folge lauten?
Uff… darüber hab‘ ich mir noch keine Gedanken gemacht. Lass‘ mich mal kurz überlegen… [Johannes zieht die Stirn in Falten, bevor ihm ein Licht aufgeht] … „Ganz schön viel Glück gehabt“! Gerade angesichts all der Dinge, die ich im Podcast immer wieder zu hören bekomme, muss ich doch immer wieder feststellen, wie gut es mir eigentlich geht. Ja, ich hatte viel Glück!

Schau‘ mal da – eine Sternschnuppe! Verrätst du mir deinen größten Wunsch?
[lacht] Mit dieser Frage hätte ich nicht gerechnet! Ja, was wünsche ich mir eigentlich… Zuallererst, dass wir Menschen zufriedener sind.

Es gibt doch viel zu viele Menschen da draußen, die sich wegen irgendwelcher Kleinigkeiten viel zu viele Gedanken machen.

Und für mich persönlich wünsche ich mir, dass ich irgendwann auch mit dem Podcast Geld verdienen kann. Wovon ich zum heutigen Tage nicht ausgehen kann, weil Clemens und ich noch immer nur eine „Nische innerhalb der Nische“ bedienen.

Vielleicht magst du mir zum Abschluss noch einen richtig guten Witz erzählen?
Oh nein, ich vergesse Witze doch selbst immer so schnell! Blöderweise habe ich mir seit dreißig Jahren nur einen einzigen merken können: „Treffen sich zwei Jäger im Wald – beide tot!“

Der Klassiker unter den Schenkelklopfern! Wurde aber immerhin mal zum besten Witz aller Zeiten gewählt, wenn ich mich recht entsinne. Ich bedanke mich für deine Zeit und wünsche dir und Clemens noch viele bewegende Gespräche und viel Erfolg für euren „Podcast made in Frankfurt“!

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Matze

Zugezogen, doch fühlt sich im Herzen längst als Frankfurter. Wenn er nicht gerade zu viel Geld für Bücher, Schallplatten und Kleinbildfilme ausgibt, vertrödelt er mit Vorliebe ganze Nachmittage im Café. Dort trinkt er zu viel Kaffee und raucht zu viele Zigaretten - meint zumindest sein Arzt. Großer Verfechter des Apfelweins (sauer!), betreibt gern Multitasking, kaut ununterbrochen Kaugummi. Liebt Prinzipien und mag es strukturiert:
Selbst für seine To-Do-Listen schreibt er To-Do-Listen.