Frankfurts kunterbunte Kuriositäten, Teil 2: Die mysteriösen Kugeln der Deutschherrnbrücke

Frankfurts kunterbunte Kuriositäten, Teil 2: Die mysteriösen Kugeln der Deutschherrnbrücke

 

Viel Zeit zum Verschnaufen blieb Matze nicht: Nachdem er nach Monaten der investigativen Recherche das Geheimnis um die Töpfchen am Rossmarkt lüften konnte, stolperte er nur wenig später über ein weiteres, bis dato ungeklärtes Mysterium. Diesmal verschlug es unseren “Ersten Detektiv” in den Frankfurter Osten, genauer: An die Deutschherrnbrücke zwischen Sachsenhausen und dem Areal der europäischen Zentralbank. Doch lasst uns diese Geschichte von Anfang an erzählen…

Eine Brücke gibt ein Rätsel auf

Fotografen sind sich einig, wenn man sie nach ihrem liebsten Standort für ein Bild der Frankfurter Skyline fragt: Die im Jahr 1913 als Verbindung zwischen dem Süd- und Ostbahnhof errichtete Eisenbahnbrücke bietet heutzutage einen an Anmut kaum zu übertreffenden Ausblick auf unsere geliebte Heimatstadt. So ist es auch kaum ein Wunder, dass sich in ihrer Mitte gerne ganzen Horden von Hobbyfotografen treffen, die das Panorama für Schnappschüsse nutzen und vorbeifahrende Schiffe in ihre Motive einbauen. Auch Jogger halten immer wieder inne, um kurz Kraft zu tanken und die Aussicht zu genießen. Die wenigsten von ihnen bemerken allerdings die beiden bunten Kugeln, die über ihren Köpfen an den Streben der Brücke befestigt sind…

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Auch Autor Matze musste erst einmal überlegen, als ihn die größte Heldin unserer Redaktion auf die sonderbaren Kugeln ansprach. “Du weißt doch immer so gut Bescheid”, schmeichelte Vicky unserem Spürfuchs. “Dann weißt du sicherlich auch, weshalb an der Deutscherrnbrücke zwei große Kugeln baumeln, die eine blau, die andere rot?” Nur vage gelang es dem Detektiv, sich ein entsprechendes Bild in Erinnerung zu rufen. “Ach, die meinst du”, klingelte es ihm dann doch. “Sind das nicht einfach zwei Helium-Luftballons, die sich in den Streben verfangen haben?” Noch im Satz biss sich Matze auf die Zunge. Dass sich zwei Luftballons über Jahre hinweg unbeschadet in luftiger Höhe hielten, erschien recht hanebüchen. “Vielleicht haben die Kugeln ja auch etwas mit dem Flughafen zu tun”, setzte der Detektiv zu einer weiteren Erklärung an. “So als, äh, Landungs-Wegweiser für die Flugzeuge?”

Auch mit dieser Theorie ließ sich seine Kollegin Vicky nicht restlos überzeugen. Matze fühlte sich bei seiner Detektiv-Ehre gepackt: Es galt, das Rätsel um die bunten Kugeln zu lösen. Koste es, was wolle.

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Die Recherche beginnt

Wo beginnt man als wissbegieriger, urbaner und technisch versierter Redakteur eine erfolgsversprechende Recherche? Richtig, Freunde: Natürlich bei gutefrage.net !

Eine entsprechende Anfrage war schnell formuliert. Keine zwei Minuten später trudelte eine Antwort ein: Der User therealkickers erwies sich als ausgewiesener Experte für bunte Kugeln an Brückenköpfen. “Das sind Kunstobjekte einer Klanginstallation von so einem Künstler”, klärte er den Autor auf. Bei den Kugeln handele es sich um Lautsprecher, welche aufgenommene Klänge und Vibrationen wiedergeben würden.

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Eine Klanginstallation also? Diese Behauptung kam unserem Spürfuchs zwar noch immer etwas spanisch vor, allerdings noch immer weitaus plausibler als die Theorien von Helium-Ballons oder Flugzeuglandewegweisern. Um Gewissheit zu schaffen, das war klar, führte kein Weg an einem Vor-Ort-Besuch vorbei.

Sturm, Hagel und merkwürdige Geräusche: Ein Außeneinsatz mit Schwierigkeiten

So begab es sich am Rosenmontag, dass sich unser investigativer Reporter auf den Weg zur Deutschherrnbrücke machte. Regen und Sturm ließen sorgten für erschwerte Bedingungen, zeitweise drohte der Wind dem Abenteurer gar sein Smartphone aus der Hand zu wehen. Doch keine noch so große Widrigkeit vermochte ihn davon abzuhalten, unseren Bildungsauftrag zu erfüllen!

Während andere also Kamelle schmissen, ihre Kostüme zur Schau stellen und fragwürdige Lieder sangen, suchte Matze zunächst gemeinsam mit einer Nilgans-Familie Zuflucht unter einem Brückenpfeiler. Schon zu diesem Zeitpunkt bis auf die Knochen durchnässt und frierend, nutzte er den Schutz der Mauern, um die erwähnten Rohre ausfindig zu machen. Vallah, wow, tatsächlich: Unweit des Treppenaufgangs ließ sich doch glatt ein Rohr erspähen, in welches ein Kabel hineinragte. Sollte es wirklich zu einem Mikrofon gehören?

Gedanklich schon von einer fetten Erkältung niedergestreckt und mit Wärmflasche im Bett, nutzte unser Großstadtdetektiv die Gunst des Moments, als der Wettergott sich endlich gnädig zeigte und kurzzeitig zumindest den Hagel einstellte. Ein kurzer Sprint über die Treppe, und schon fand sich Matze mitten auf der Brücke wieder, ein Güterzug donnert vorbei und maximiert die Ungemütlichkeit. Doch dann, den Kopf gen Himmel gestreckt, zeigten sich dem begossenen Pudel die mysteriösen Kugeln in ihrer ganzen Leibhaftigkeit.

Doch nicht nur das: Die Ohren gut gespitzt, drangen tatsächlich sonderbare Töne aus den Kugeln. Ein sonores Rauschen, begleitet von gruseligen Fiep- und Brummtönen ließ sich die Theorie des Klangkunstwerks zu manifestieren - auch wenn, Kunst bekanntlich eine Sache des Geschmackes ist. Vor Kälte zitternd und durchnässt wie eine Matratze im Altersheim beschloss unser Detektiv, den Außeneinsatz abzubrechen und der Sache in seiner warmen Stube im hippen Frankfurter Nordend weiter auf den Grund zu gehen….

Vom auditiven Erlebnisraum im Intervall
einer Quinte

Klangkunstwerk oder Luftballon? Nach einem heißen Bad sollte eine Anfrage bei der zuständigen Behörde für endgültige Gewissheit sorgen. Eine entsprechende Anfrage war schnell verfasst. Ebenso fix reagierte das Umweltamt: "Ja, es handelt sich um ein Klangkunstwerk”, stellte Pressesprecher Martin Müller prompt klar.

Die Installation mit dem fancy Namen “Sonic Vista” sei bereits am 2. Oktober 2011 von den beiden Künstlern Sam Auinger und Bruce Odland eröffnet worden. Seitdem fingen die Aluminiumröhren unter den Brückenköpfen die Geräuschkulisse ein und verwandelten diese in “harmonische Töne, eine Art Obertonmusik”. Über Mikrofone gelangten diese zu den beiden kugelförmigen Lautsprechern, welche schließlich einen “auditiven Erlebnisraum” kreirten.

Für die Nerds unter unseren Lesern liefert Pressesprecher Müller noch einige weitere Fun Facts: So sei das Resonanzrohr an der Nordseite der Brücke auf H gestimmt, sein Pendant an der Südseite dagegen auf Fis. Zusammen erklängen sie dann im Intervall einer Quinte.

Ferner bildeten sich basierend auf ihren Grundtönen Obertonreihen heraus: So regten Züge, Lastkrafwagen und Busse die ersten drei bis vier Obertöne an, während Autos, Motorräder und Stimmen die höheren Noten hervorriefen. Ah, gut zu wissen.

Der Kopf unseres Detektivs brummte nur so vor Input. Quinte, Grundtöne, Obertonreihen? Nun, es würde schon seinen Grund haben, weshalb er sein Geld mit dem Texten statt dem Musizieren verdiente.

Eine Frage an den netten Herrn vom Umweltamt hatte er dann doch noch:
Wie viel Freude haben die Frankfurter an “Sonic Vista”? Um keine Antwort verlegen, versicherte Pressesprecher Müller: “Die Bürger sind positiv überrascht!” Und zwar so sehr, dass die Genehmigung für das Klangkunstwerk um fünf Jahre verlängert wurde.

Die Passanten auf der Deutschherrnbrücke dürfen sich also noch bis ins Jahr 2021 in einen auditiven Erlebnisrausch stürzen und am Anblick der Kugeln ergötzen. So sie das Kunstwerk denn entdecken.

Wieder mal ein Fall gelöst

Erschöpft ließ sich unser Detektiv ins Bett fallen. wo er auch jetzt noch liegt, um seine Erkältung auszukurieren. Das Rätsel um die bunten Kugeln war gelöst, und auch ihr seid nun hoffentlich ein bisschen schlauer. Matze wird bei einigen Folgen der “Drei Fragezeichen” neue Kraft sammeln, um sich schon ganz bald wieder in neue Abenteuer zu stürzen.


Wohin sein Weg ihn führt? Das bestimmt ihr:
Habt auch ihr etwas rätselhaftes entdeckt? Ein dunkles Mysterium, das es zu erhellen gilt?

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