Skyline Frankfurt Sachsenhausen
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Die Neun | Fragen, die man Frankfurtern nie stellen sollte…

Ein “Der, die, das” liegt uns auf den Lippen. “Der, die, das “, singen wir, “wieso, weshalb warum” – na, klingelt’s bei euch? Genau: “…wer nicht fragt, bleibt dumm!”

So stellt denn auch die alte Volksweisheit gleicht fest, dass es keine blöden Fragen, allenfalls blöde Antworten gäbe. Nichtsdestotrotz sind einige Fragestellungen tunlichst zu vermeiden, wenn es gilt, ein entspanntes Verhältnis zu waschechten Frankfurtern und den sogenannten Eingeplackten zu bewahren. Also, liebe Neu-Frankfurter: Aufgepasst!

1 · “Was zahlst du denn eigentlich an Miete?”

Die Frankfurter sind an und für sich ein recht lebensfrohes Völkchen und geben sich gern unbeschwert. Dies gelingt ihnen jedoch allein aufgrund der Tatsache, dass sie nicht weiter darüber nachdenken, dass sie für das Vermögen, das sie selbst für das zugigste Einzimmer-Loch monatlich so hinblättern, anderswo im Lande ein fürstliches Anwesen bewohnen könnten – großflächigem Lustgarten inklusive. Seit annähernd zwei Jahrzehnten heißt es auch in der Mainmetropole: Gentrification at its best !

Was wir dir sagen wollen? Erinnere Einheimische besser nicht durch naive Fragerei daran, dass sie den kläglichen Rest ihrer Einkünfte dazu verwenden, finanzielle Sorgen im Apfelwein zu ertränken. Erhebe lieber dein Glas, um mit ihnen auf das Verdrängen anzustoßen – sie werden es dir danken!

2 · “Schmeckt dieser Apfelwein nicht nach saurem Essig?”

Wir bleiben direkt beim Apfelwein: Ja, wir Frankfurter wissen, dass von Kiel bis Berchtesgaden mit reichlicher Vorliebe dem Bier zugesprochen wird. Doch sind wir hier weder in Kiel noch in Berchtesgaden noch irgendwo dazwischen! Also respektiere bitte das “Stöffche” als goldgelben Teil unserer hessischen Identität. Nein, es schmeckt uns nicht nach Essig, sondern ist uns vielmehr sowohl pur als auch in sauer dargereichter Form ein Hochgenuss. Selbstverständlich darfst du gerne weiterhin dem Gerstensaft zusprechen und dabei eine Wampe ansetzen. Doch wissen wir auch deine Integrationsbereitschaft zu schätzen und nehmen es dir nicht übel, wenn du beim ersten Schluck dein zugezogenes Gesicht verziehst. Jedenfalls, solange du keinen “Süßen” bestellt – denn das ist ein Frevel. Wer so etwas tut, kann gleich nach Kiel ziehen. Oder Berchtesgaden. Oder irgendwo dazwischen.

3 · “Diese grüne Soße, ist die nicht eigentlich ein Dressing?”

Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch – waschechte Frankfurter erkennt man daran, dass sie selbst im Schlaf die sieben Kräuter aufzählen können, welche zur Herstellung ihrer heißgeliebten Grie Soß benötigt werden. Womit wir gleich beim Thema wären: Die Frankfurter Spezialität wird nämlich heiß geliebt und kalt genossen. Es kursiert die Geschichte, dass einst eine ahnungslose Gruppe Hannoveraner in einer Apfelweinwirtschaft saß und ihre sachgerecht mit Salzkartoffeln und vier halben Eiern dargereichte Grüne Soße zurückgehen ließ, weil letztere ja vollkommen kalt und somit keine Soße sei. Der Wirt reagierte (zurecht!) mit Entrüstung und lebenslangem Hausverbot. Fassen wir zusammen: Wer auch immer dir erzählt hat, dass eine Soße heiß zu sein hat, ist ein Narr – und stammt womöglich gar aus Berchtesgaden. Der Umstand, dass zehn nach dem besten Rezept für Grüne Soße befragte Frankfurter elf verschiedene Antworten geben, soll an dieser Stelle kein Thema sein.

4 · “Wer war doch gleich Heinz Schenk?
Hat der nicht den Struwwelpeter geschrieben?”

Nein und nochmals nein. Immerhin: Wenn du diese frage stellst, beweist du Expertise auf dem Gebiet der Kinderliteratur – denn der “Struwwelpeter” mit den seinen langen Fingernägeln und der ungepflegten Mähne ist tatsächlich ein “Frankfurter Bubb”. Sein Schöpfer war allerdings Heinrich Hoffmann (1809-1894), seines Zeichens Psychiater und Kinderbuchautor. Heinz Schenk dagegen ist, schenkt man dem Gassenhauer der Kult-Rocker “Rodgau Monotones” glauben, niemand weniger als der hessische David Bowie!Demzufolge gilt uns Frankfurtern der Moderator der legendären Fernsehsendung “Zum blauen Block” – obwohl in Mainz geboren – bis heute als Held und gottgleicher Botschafter der hessischen Wirtschaftskultur. Zollt gefälligst Respekt und verneigt euch vor “unserm Heinz” – möge er in Friede ruhen.

5 · “Entschuldigung, könnte ich zu meinem Handkäs’ noch
eine Gabel gereicht bekommen?”

Mag ja sein, dass du aus gutem Hause stammst und ein gewisser Herr Knigge seine helle Freude an dir hätte. Trotz deiner guten Tischmanieren wirst du dich allerdings selbst disqualifizieren, wenn du dem Kellner oder der Kellnerin die oben genannte Frage stellst! Lass’ dir also gesagt sein: Fachgerecht verputzt wird der “Handkäs’” unter ausschließlicher Verwendung der Messerspitze. Hierbei wird ein mundgerechtes Stückchen abgeschnitten und mit dem Messer durch die Soße (die Musik, sprich: “Mussig”) gezogen.

Anschließend wird der nunmehr triefende Happen – noch immer mit dem Messer! – auf eine Scheibe Brot düpiert, von wo aus er anschließend in deinem Mund verschwindet. Du bist gerade auf “Low Carb”? Kein Problem, denn es ist kein Frevel, die Spezialität auch direkt vom Messer aus zu vernaschen. Hauptsache, die Gabel bleibt aus dem Spiel!

6 · “Hat nicht jeder Fußballverein seine Daseinsberechtigung?”

Nicht erst seit dem jüngsten Höhenflug unserer “Adler” sollte sich diese Frage im gesamten Stadtgebiet endgültig erübrigt haben. Nicht umsonst lautet unser Motto und Schlachtruf schon seit jeher: “NUR DIE SGE!” Unsere Mannschaft zeigt sich so bunt, wie es wir selbst sind – und wenn ihr euch schon nicht vom Eintracht Frankfurt – Virus infizieren lasst, dann verschweigt gefälligst eure Vorlieben für irgendwelche anderen Vereine. Wer spielt hier nochmal international?

Die Eintracht gehört zu unserer Identität wie der Apfelwein, die Skyline und die sich im schwarzen Main spiegelnde Skyline. “Alles außer Frankfurt ist scheiße” – diese Tatsachenbeschreibung lässt sich ohne Einschränkungen auch auf König Fußball übertragen. Oder ist eure Mannschaft etwa DFB-Pokalsieger 2018?

7 · “Wo geht’s denn hier bitteschön zum Goetheturm?”

Jetzt bitte gut aufpassen: Unter unserem dicken Frankfurter Fell versteckt sich nämlich ein ganz, ganz wunder Punkt. Es gibt wohl keinen unter uns, der keine schöne Erinnerungen an unseren geliebten, 43 Meter hohen Holzturm im Stadtwald in seinem Herzen trägt. Der unbeschreibliche Ausblick auf die Stadt hinab hat uns jedes Mal aufs Neue die Sprache verschlagen und für jede einzelne der 196 Treppenstufen entschädigt. Auf der Aussichtsplattform hat uns Papa beim Sonntagsspaziergang die Welt erklärt, dorthin sind wir geflüchtet, wenn sich die ganze Welt gegen uns verschworen hat. Dort oben haben wir unsere ersten heimlichen Zigaretten geraucht und zum ersten Mal unsere Liebe geküsst.

Kannst du dir vorstellen, welch Lücke in unserem Herz der Turm hinterlassen hat, als er im Herbst 2017 den Flammen zum Opfer fiel? Na bitte. Also frag’ erst wieder nach dem Weg dorthin, wenn er wieder steht. Danke.

8 ·”Findest du nicht auch, dass es in Offenbach
auch schöne Ecken gibt?”

Ganz, ganz dünnes Eis! Als Lokalpatrioten fühlen wir uns dazu verpflichtet, die über Generationen hinweg gepflegte Tradition der gegenseitigen Ablehnung gebührend fortzuführen. Ja, ja, wir wissen schon, dass sich bei unserem “kleinen Nachbarn” während der letzten Jahre einiges getan hat. Möglich, dass wir uns sogar einmal ins “Feindesland” gewagt und festgestellt haben, dass Offenbach entgegen unserer felsenfesten Überzeugung doch eigentlich ganz nett ist und durchaus charmante Seiten hat. Doch würden wir eher unseren Handkäs’ mit einer Gabel essen, als das zuzugeben! Das Schönste an der Lederstadt ist nach wie vor der Ausblick auf Frankfurt, basta. Abschließend verweisen wir an dieser Stelle nochmals eindringlich auf Punkt 6 dieses Artikels.

9 · “Ist Frankfurt nicht total gefährlich und kriminell?”

Zugegeben, hin und wieder haben wir uns gerne mit dem zweifelhaften Titel der “Hauptstadt des Verbrechens” geschmückt und auf T-Shirts spazieren getragen. Mittlerweile können wir es aber wirklich nicht mehr hören! Wer auch immer uns diese Frage stellt, wird von uns reflexhaft darauf aufmerksam gemacht, dass die absolute Anzahl in Frankfurter registrierter Straftaten maßgeblich von Durchreisenden am Flughafen begangene Zolldelikte sowie von den Banken angezeigte Wirtschaftsdelikte geprägt ist. Letztere haben ihren Hauptsitz nun mal zumeist in Frankfurt. Klar, wie in jeder anderen Großstadt gibt’s auch in Frankfurt zwielichtige Gestalten. Doch sind die meisten davon “Assis mit Herz”, und die Gefahr, dass du nachts auf die Fresse bekommst, ist in Berlin, Hannover oder Dortmund weitaus höher. Glaubst du nicht? Dann klick mal hier. Und jetzt hör’ auf zu fragen, sonst rufen wir unsere Brüder.

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Matze

Zugezogen, doch fühlt sich im Herzen längst als Frankfurter. Wenn er nicht gerade zu viel Geld für Bücher, Schall- platten und Kleinbildfilme ausgibt, vertrödelt er mit Vorliebe ganze Nachmittage im Café. Dort trinkt er zu viel Kaffee und raucht zu viele Zigaretten - meint zumindest sein Arzt. Großer Verfechter des Apfelweins (sauer!), betreibt gern Multitasking, kaut ununterbrochen Kaugummi. Liebt Prinzipien und mag es strukturiert:
Selbst für seine To-Do-Listen schreibt er To-Do-Listen.