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Knärzje Bier: Das Ende vom Brot

Bierflasche Knärzje in Brotresten

Theatralische Überschrift – das wissen wir. Grundsätzlich sprechen wir hier auch nicht von dem Zeitpunkt, an dem etwas aufhört, sondern viel mehr davon, dass jedes Ende unwiderruflich mit einem neuen Anfang einhergeht. Ungefähr so, wie bei „Knärzje“. Ein regionaler, hessischer Begriff, für das Brotendstück. 

Bilder: Knärzje

Zusammen gegen die Lebensmittelverschwendung

Eine Scheibe Brot, verarbeitet mit Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe = Bier. Hört sich beinahe wie eine einfache mathematische Gleichung an. Doch in diesem Fall geht es nicht nur um eine Scheibe Brot oder um irgendein Bier, sondern um einen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung. Ein wichtiger – einer, der uns alle betrifft. Denn das Brot wird nicht extra für die Bierproduktion hergestellt, sondern es handelt sich um aussortierte Ware der Frankfurter Bio-Brot Bäckerei „Biokaiser“. Recycling, also. Noch besser: Upcycling. 

Im Interview erzählt Daniel, dass Ralf und er, die beiden Gründer, sich bereits aus Schulzeiten kennen. Betrachtet man den beruflichen Background der beiden, könnten sie allerdings nicht gegensätzlicher sein. Daniel engagierte sich bereits zu seinen Studienzeiten im Bereich der Lebensmittelverschwendung. Heute ist er Autor, Coach für Zero Foodwaste-Workshops, Redner und Gründer eines gemeinnützigen Vereins. Ralf hingegen ist ein klassischer BWLer und der coole Kopf mit Blick für Zahlen und das Wesentliche.

…mehr als „to go“  

Gegensätze hin oder her, die beiden verfolgen die gleichen Ziele: Sich selbst, in einer Welt voller kurzfristiger Trends nicht zu verlieren und infolgedessen unüberlegte Kooperationen einzugehen. Sie möchten mehr: Mit Nachhaltigkeit etwas schaffen, was zukunftsfähig ist, denn „Nachhaltigkeit kann sexy sein“. Das Projekt dient zum einen dazu, die Distanz zu unseren Lebensmitteln zu verkürzen und die Leute auf einem undogmatischen Weg zu erreichen.

„Das Thema Genuss, das Thema Lebensmittel – das ist mehr als „to go“. Du kannst es zelebrieren, Dich damit auseinandersetzen. Das tut am Ende Dir gut, das tut den Erzeugern gut, das tut der Umwelt gut.“ 

Dass dieses Streben alleine allerdings nicht genügt, sondern Selbstständigkeit mit vielen Herausforderungen einhergeht, ist kein Geheimnis. Trotz fehlender finanzieller Sicherheit, massenweise Papierkram und vielen – davor völlig unbekannten – rechtlichen Aspekten, erzählt Daniel, dass er die ein oder andere schlaflose Nacht gerne für das mehr an Sinn und unternehmerischer Freiheit in Kauf nimmt. Auch positive Rückmeldungen und ehrliches Feedback bestätigen die beiden immer wieder in ihrem Tun und Handeln. 

Fotos: Knärzje

Where to shop „Knärzje“ in FFM 

„Es erfüllt einen schon mit Stolz, wenn das eigene Produkt dann in einem bekannten Supermarkt steht.“ Daniel spricht von Alnatura, wo „Knärzje“ seit kurzem verkauft wird. Doch nicht nur Alnatura wurde auf das Unternehmen aufmerksam. Diverse Frankfurter Lebensmittelgeschäfte vertreiben das ökologisch zertifizierte Zero-Waste-Bier. So sind Wein im Hof, die Bierothek, die Auffüllerei und Gramm.genau bereits auf das Start-up aufmerksam geworden, genauso wie Dépanneur in Kassel. Und, hier kommt die gute Nachricht für alle couch potatoes! „Knärzje“ hat einen eigenen Online-Shop und kann somit direkt zu Euch nach Hause bestellt werden. 

Für die Zukunft 

Im laufenden Jahr möchten die beiden Gründer noch mehr Präsenz im Lebensmitteleinzelhandel erzeugen, sich an neuen Sorten ausprobieren, an neuen Geschmäckern – auch an alkoholfreien Alternativen. Und, ganz wichtig: Zum Wandel anregen, Nachhaltigkeit so kommunizieren, dass die Thematik in der Gesellschaft Gehör findet. Denn die beiden beweisen, dass Nachhaltigkeit einfach umzusetzen ist.

Für die Bierkenner unter euch: „Knärzje“ geht übrigens zu allem: einer deftigen Mahlzeit, einem Abend mit Freunden, aber am besten wohl zu einer Mahlzeit, die aus leftovers gezaubert wurde. 


Schaut doch mal auf Instagram bei @knaerzje oder im Online-Shop vorbei!

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Stefanie

Assistentin in einer Unternehmensberatung, eigentlich Sozialarbeiterin. Redegewandt, schlagfertig, zugleich wahnsinnig verkopft. Ambitionierte „coffee to-go“-Spaziergängerin, hoffnungslos verloren ohne Google Maps. Liebt Struktur, Ordnung und vor allen Dingen Partys, die nicht in ihren eigenen vier Wänden stattfinden. Fasziniert von Frankfurt – der Größe, der Vielfalt, dem Angebot und der Menschen.