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Die Mendelssohnstraße im Westend – ein Spaziergang

Straßencafés, Vogelgezwitscher und frischer Brötchenduft – kaum eine Straße in Frankfurt hat auf so wenig Raum so viel zu bieten wie die Mendelssohnstraße. Die kleine Lindenallee quer durch das südliche Westend verzaubert uns auf ihren gut 600 Metern. Und zwar mit kleinen kulinarischen Hotspots und einer für die Innenstadt fast unwirklichen Ruhe. Auf geht’s zu einem kleinen Spaziergang! 

Wir starten auf halbem Weg zwischen der Alten Oper und der Bockenheimer Warte. Auf Höhe der U-Bahnstation Westend biegen wir von der stark befahrenen Bockenheimer Landstraße nach Süden ab. Schon finden wir uns in der kleinen Mendelssohnstraße wieder. Bereits nach einigen Metern lässt uns das laute Gezwitscher der Vögel, die altehrwürdigen Stadtvillen und die dichten Linden den Trubel der City vergessen. Auf den ersten Blick wirkt die Szenerie wie eine gewohnt idyllische, noble Anwohnerstraße, wie sie sich zuhauf im Westend finden. Doch das täuscht! Hier verbirgt sich neben Zahnarztpraxen, Kanzleien und Kosmetiksalons eine ganze Riege an kleinen Restaurants, Cafés und Läden. Und die lohnen sich für einen Besuch!

Vif & L’Unico

Direkt zur Rechten stolpern wir förmlich über eines der kulinarischen Highlights: Das vif. Das gemütliche intime Café mit der verwunschenen Terrasse bietet an Werktagen einen vegetarischen und veganen Mittagstisch an. Dabei setzt das Frauenpower-Team um Inhaberin Luise Hoepfner nach Möglichkeit auf saisonale Bio-Produkte sowie Nachhaltigkeit und Less-Waste. Leckerbissen wie Röstblumenkohl-Tahin und kreative Salate mit Blutorange und Röstfenchel warten zwischen 12 und 15 Uhr auf hungrige Gäste. Das „vif“ ist „ein Ort mit Seele, in dem man gute Vibes und immer ein freundliches Wort findet“, so Luise. Besser kann man es nicht beschreiben. Am Wochenende kann die kleine Location mit dem Stilmix an verschnörkelten Einrichtungselementen und modernen Möbeln für Events gemietet werden. Auch Catering kann vom vif gebucht werden.

Direkt nebenan, hinter einer Lorbeerhecke, schließt sich der imposante Außenbereich des L’Unico an. Doch meist ist es nicht die Terrasse, die uns schon von Weitem auffällt, sondern der freundliche Golden Retriever, der tiefenentspannt mitten auf dem Bürgersteig vor dem Eingang liegt. Restauranthund Charlie ist der Liebling der Gäste und lässt sich von dem ganzen Trubel nicht beirren.

Das L’Unico ist einer der Lieblingstreffs des Viertels und besonders an Sommerabenden gut besucht. Ein Blick auf die Karte und ein kleines Testessen verrät uns auch warum. Das L’Unico-Team bietet alles, was man von einem leckeren italienischen Restaurant erwartet. Knusprige Pizzen in verschiedensten Variationen, Pasta-Delikatessen wie „Conchiglie mit Flusskrebsen und Spargel“ oder „Papardelle mit Entenragout“. Außerdem gibt es hier ein buntes exquisites Angebot an Antipasti und Fleisch- sowie Fischspezialitäten. Durch die große Markise samt Heizstrahler ist man auch vor Kälte geschützt. Ansonsten kann man sich ebenso ins gemütliche Interieur mit Holz und Natursteinwänden zurückziehen. Im angrenzenden „L’Unico Gelato“ holen wir uns noch einen kleinen süßen Snack (Tipp: Unbedingt Granatapfel-Eis probieren!) und schlendern weiter die Mendelssohnstraße hinunter. 

SAKS & Henry’s Bar

Schon wenige Häuser weiter begegnen wir einem wahren Geheimtipp. Ein 60er-Jahre Bau an der Ecke zur Schubertstraße beherbergt das SAKS Urban Design Hotel. Und das hält angesichts des unscheinbaren Äußeren eine echte Überraschung bereit. die Die stylische Henry’s Bar in der Lobby des kleinen Designhotels ist eine Toplocation für einen Absacker und verdient eindeutig mehr Aufmerksamkeit. Dunkle Wände, senfgelbe Designsessel, halboffene Raumteiler und frische Blumen zieren das Innere. Begleitet wird das Interieur von einer kleinen feinen Long Drink-Karte – was braucht man mehr für einen gelungenen Barabend? Während wir uns vornehmen, hier einmal Urlaub in der eigenen Stadt zu machen, wenn das Hotel wieder seine Pforten öffnet, setzen wir unseren kleinen Spaziergang fort. 

Die Buslinie 50 zieht an uns vorbei. Auf dem Weg von der Bockenheimer Warte zur Messe fährt sie die Mendelssohnstraße einmal komplett ab. Das ist perfekt für alle, die nicht laufen möchten und Lust auf eine kleine Bustour haben. Die Schubertstraße zur Rechten gibt den Blick frei auf die hübsche denkmalgeschützte Christuskirche aus Naturstein. Direkt vor uns sind hinter den alten Villen der Messeturm und der Tower 185 mit dem Logo einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu erkennen. Die Gebäude bilden den für Frankfurt so typischen spannenden Kontrast zwischen Modern und Alt. Wir lassen das Generalkonsulat Bosnien-Herzegowina hinter uns. Zur Linken bewundern wir eines der deutschen Büros des traditionsreichen Auktionshauses Sotheby’s mit seiner von Rosenranken umgebenen Villa. 

Liebesbrot & Jaffa Market

Ein gutes Stück weiter die Straße hinunter überqueren wir den Kettenhofweg. Hier legen wir einen Kaffeestop bei einem weiteren Liebling der Mendelssohnstraße ein: der Bäckerei Liebesbrot. Besonders in den Morgenstunden erfüllt sie die Straße mit einem wunderbaren Duft nach frisch gebackenen Brötchen. Kein Wunder, dass viele Nachbarn auf dem Weg zur Arbeit die Gelegenheit nutzen, leckere Croissants oder einen Cappuccino mitzunehmen und dadurch die Schlange oft bis vor den Laden reicht. Doch auch nachmittags lädt die kleine Eckterrasse mit den Birkenstämmen zu einem Snack oder Stück Kuchen ein.

Ein Haus weiter in den Räumlichkeiten des ehemaligen „Leah’s“ schließt sich einer der jüngsten Neuzugänge der Straße an. Ob Shakshuka, hausgemachter Hummus, Falafel-Teller oder das Frühstück „Tel-Aviv Morgen“ – im Jaffa Market werden wir mit frischen israelischen Spezialitäten verwöhnt. Wir können nicht widerstehen und legen einen weiteren Stopp auf der schönen Terrasse ein. Ein kleiner Hamshuka-Snack (Hummus mit Shakshuka) hat ja noch niemandem geschadet. 

Brenman’s Deli & Takumi

Direkt gegenüber, etwas versteckt an der Ecke zum Kettenhofweg, bietet sich übrigens die nächste Möglichkeit für ein Frühstück. Oder einen Mittagssnack oder ein Stück Kuchen. Das Brenman’s Deli lockt mit einem wechselnden leckeren Mittagstisch. Es gibt unter anderem Zimtschnecken und Backwerk aller Art sowie Bio-Tees und Kaffeespezialitäten. Wer die Wahl hat, hat die Qual. 

So langsam lassen wir die kulinarische Meile der Mendelssohnstraße hinter uns. Kurz vor dem Bettinaplatz soll jedoch eine weitere Location nicht unerwähnt bleiben: Das japanische Restaurant Takumi bietet unter anderem authentische Ramen in verschiedensten Varianten sowie Gyoza und Sake an. 

Schließlich erreichen wir den Kreisel am Bettinaplatz. Wir sind pappsatt und voll neuer Eindrücke. Bei einem Blick zurück ist in der Ferne noch die Bockenheimer Landstraße zu erkennen. Waren das wirklich nur gut 600 Meter? 


Alle Adressen:
vif Westend | Mendelssohnstraße 83 | @vifwestend
L’Unico | Mendelssohnstraße 83 | www.restaurant-unico.net
Liebesbrot | Mendelssohnstraße 60 | www.liebesbrot.com
Jaffa Market | Mendelssohnstraße 60 | @jaffamarketfrankfurt
Brenman’s Deli | Mendelssohnstraße 59 | www.brenmans.de
Takumi | Mendelssohnstraße 44 | www.takumi-frankfurt.com

Fröhliches Schlendern durch diese schöne Straße!
Weitere Spaziergänge gibt es hier nachzulesen.

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Nathalie

Gebürtig aus Darmstadt, seit mehreren Jahren Wahlfrankfurterin - und immer noch frisch verliebt in die Stadt. Leidenschaftliche Spaziergängerin, Kaffee-Trinkerin, Yogi, Tänzerin, Medienkulturwissenschaftlerin und PR-Trainee. Kochmuffel und daher Restaurantfan. Theater- und Kunstliebhaberin. Früher Vogel oder Nachteule je nach Tagesform. Reich an Sommersprossen.