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Die “Pflanzenklappe”: botanoadopt® vermittelt einsame Pflanzen

Die vergangenen Monate haben uns beigebracht, unser bisheriges Denken und Handeln auf vielen allen Ebenen zu hinterfragen. Doch: Habt Ihr schon einmal über das Leben eurer Haus- und Balkonpflanzen nachgedacht? Wenn Ihr bereit für ein bisschen mehr Pflanzenliebe seid, dann könnte das Konzept von Haike Rausch und Torsten Grosch etwas für Euch sein. Unter dem Namen botanoadopt® vermitteln sie nämlich verwaiste Pflanzen. Eine schöne Idee, oder?

botanoadopt® sitzt im Atelier 431art in Frankfurt-Unterliederbach, wo es im Jahr 2006 als Kunstprojekt ins Leben gerufen wurde. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der eigenen Sicht von Natur und welche konkreten Möglichkeiten zu verantwortungsvollem Handeln der Alltag bietet. Die Künstler Haike Rausch und Torsten Grosch fischten immer wieder halbtote Pflanzen aus Biotonnen. Die wurden meistens ohne Pflanzenkenntnis billig in Deko-Kaufhäusern gekauft (ähm, na, wer fühlt sich auch ertappt?). Das führte sie zur Idee der Pflanzenklappe®.

Fotos: botanodopt

Ungeliebte Gewächse anonym abgeben

Daraus ist die Pflanzenklappe® entstanden, in man ungeliebte Gewächse anonym abgeben kann. Den temporären Standort der Pflanzenklappe® findet ihr immer auf der Webseite www.botanoadopt.org/pflanzenklappe. Möchte man eine Pflanze an einen neuen Besitzer vermitteln, kann das auch über das Internet laufen. Wer über das Internet anbietet, beherbergt die Pflanze noch bis zu ihrer Adoption.

Pflanzen wieder als Lebewesen betrachten

Wer über das Internet adoptiert, holt die Pflanze selbst beim Anbieter/in ab. Um Adoptiveltern zu werden, braucht es übrigens nicht viel. „Wir erwarten zweimal im Jahr ein Foto der gepflegten Pflanze und gerne auch einen kurzen Zustandsbericht“, so Torsten Grosch. Und dennoch sollte man sich seiner Verantwortung bewusst sein. Auf der Webseite von botanoadopt® findet man alle für eine Adoption notwendigen Voraussetzungen. Zur Vorbereitung findet ihr außerdem eine Checkliste sowie Links zu Datenbanken, die Hinweise zur Pflanzenpflege geben. Die Initiatoren nehmen den Umgang mit Pflanzen sehr ernst: „Mittels Adoption und der Personifizierung von Pflanzen werden diese aus dem Warenkreislauf gelöst, was sie als Lebewesen neu betrachtbar und erfahrbar macht“, erklärt Haike Rausch.

Auch ein passendes Buch hat das Künstlerduo schon veröffentlicht. “Urban Plants” zeigt die Schicksale städtischer Zimmerpflanzen und hält ein künstlerisches Plädoyer für eine neue Sicht auf Pflanzen. Geldbaum „Lehman” oder Sukkulente “Emily Sensorship“ sind zwei von 100 pflanzlichen Persönlichkeiten, die das Buch vorstellt.

Der Erfolg des Online-Adoptionsbüros reicht inzwischen sogar bis ins deutschsprachige europäische Ausland. Und über 1.400 Pflanzen wurden bereits gerettet und vermittelt.

“Wir freuen uns über die zahlreichen Adoptionen und natürlich über das Feedback von Menschen, deren Wertschätzung von Pflanzen sich durch botanoadopt® verändert hat”, so das Künstlerduo.

Wer von Euch wird gleich sehr lieb zur Monstera und den Sukkulenten sein? Wer übrigens keinen Platz daheim oder Lust auf mehr (gemeinsames) Gärtnern draußen hat, findet in unserem Urban Gardening Guide Inspiration.

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Maria

Kam ursprünglich zum Arbeiten nach Frankfurt und ist inzwischen so sehr angekommen, dass sie hier geheiratet hat und sich als Mama eines Frankfurter Mädsche bezeichnen darf.
Liebt Wein, dunkles Bier, Musik, gepflegte Füße und philosophische Bücher über
alternative Lebenskonzepte.
Hegt eine Vorliebe für gute Kaffeesorten, die sie sich in Genussmaßen zuführt.
Schätzt an Frankfurt, dass Südfrankreich und der Rest der Welt schnell erreichbar sind und hofft schon lange auf eine autofreie Innenstadt – denn am liebsten bewegt sie sich per Fahrrad durch die vielen lebens- und liebenswerten Stadtteile.