Marie Nauheimer
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Fünf Generationen Wellengang: Die Primus Linie

Eine Seefahrt, die ist lustig. Das ist bekannt. In Kreuzfahrten steckt das große Geld. Die Flussschifffahrt ist hingegen ein Nischen-Geschäft, der Markt ist überschaubar. Und wer sich behaupten will, braucht Durchblick und Weitsicht. Marie Nauheimer führt in Frankfurt die Primus Linie mit viel unternehmerischem Geschick. Wir haben mit ihr gesprochen.

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Nautisches Blut hat die Familie in den Adern: Seit fünf Generationen schippern die Nauheimers auf dem Main. Dabei ist Frankfurt natürlich kein klassischer maritimer Standort. Und konkurrenzlos ist die Familie auch nicht. Deshalb setzt Marie Nauheimer, die Frau am Primus-Ruder, neben tradierten Formaten auf frische Konzepte. Sie weiß: Wer sich flexibel hält und neuen Trends eine Plattform gibt, schafft Chancen und Zukunft für die Ausflugsfahrt zu Wasser.


Frau Nauheimer, Ihr Werdegang hat Sie mit 16 Jahren erst nach Australien, dann nach England und in die Schweiz geführt. Wie haben ihre Auslandserfahrungen Ihr Frankfurt-Gefühl verändert?

MARIE NAUHEIMER: Wirklich Heimweh hatte ich anfangs nicht, vor allem, weil ich in in Australien, wo ich auch mein Abitur gemacht habe, eine zweite Heimat gefunden habe. Als ich nach einigen Stationen und einem guten Jahrzehnt zurückkam, habe ich Frankfurt ganz neu lieben gelernt: Mir erschien die Stadt kosmopolitischer und vielfältiger. Als Jugendliche war ich froh, von hier wegzukommen. Genauso froh war ich dann, mein Zuhause wiederzuentdecken.


Als Sie zurückkamen, haben Sie das Geschäft von Ihrem Vater übernommen. Was hat Sie an dem Metier gereizt?

Ich habe mich letztendlich dafür entschieden, weil es so unzählig viele Möglichkeiten gibt, dieses Geschäft zu gestalten. Anders als etwa bei Autos, bei denen man sich dieses oder jenes Modell aussucht, konstruiert man ein Schiff völlig frei nach eigenen Vorstellungen. Klar, es muss schwimmen und es gibt gesetzliche Auflagen. Aber im Großen und Ganzen ist alles möglich. Und damit stehen auch allen Programmideen erst einmal Tür und Tor offen.

Sie führen ein mittelständisches Unternehmen. Welche unterschiedlichen Aufgaben fallen in ihrem Betrieb an?

Wir haben rund 80 Mitarbeiter. Der größte Bereich ist natürlich die Nautik: Schiffsführer, Steuermänner, Matrosen. Ein anderer wichtiger Sektor ist die Gastronomie, die wir auch in Eigenregie machen: Wir beschäftigen einen F&B-Manager, vier Köche, Küchenhilfen und Servicepersonal. Dazu kommen natürlich Fahrplan, Ticketverkauf, Kundenberatung. Und zu guter Letzt: Administration und Verwaltung.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie und die Branche?

Wir arbeiten immer noch gegen das altbackene Kaffeefahrt-Image an – und sorgen dafür, dass unsere Formate zeitgemäß bleiben, indem wir laufend versuchen, neue Kundengruppen anzusprechen. Varieté- und Dinner-Programme, After-Work-Partys, Barbecue-Fahrten, Familienangebote mit Märcheninhalten; außerdem Kooperationen etwa mit dem RMV sowie Digitalisierungs- und Branding-Maßnahmen – die halbe Miete ist, wenn neue Gäste an Bord kommen. Denn dann fällt der Groschen, dass es hier weder gepolsterte Eckbänkchen noch faden Kartoffelsalat gibt, ganz von selbst.

Die Geschichte der Familie Nauheimer ist in der Frankfurter Stadtgeschichte, gestatten, fest verankert. Heute transportieren insgesamt fünf Schiffe jährlich rund 280.000 Passagiere über 35.000 Flusskilometer auf Main, Rhein und Neckar: Die Primus-Linie zählt zu den ganz großen und nicht zuletzt modernsten Schifffahrtsunternehmen in Hessen.

Immer schon nautisch


Mit dem Ururgroßvater von Marie Nauheimer hat alles begonnen. 1880, vor beinahe 140 Jahren, ließ Peter Nauheimer einen Raddampfer bauen. Diesen taufte er, der Name war wohl noch frei, „Frankfurt“ und setzte ihn ein, um Marktfrauen von Schwanheim, damals ein kleiner Vorort von Frankfurt, mainaufwärts in die große Stadt zu bringen, wo sie dann ihren Tätigkeiten nachgehen konnten – ein Fährservice für Lohnarbeiterinnen gewissermaßen. Und damit ein wichtiges Angebot.
















Konkurrenz auf Schienen

Doch das Geschäft flaute nach einigen Jahren ab, als die Frankfurter Waldbahn, eine dampfbetriebene Tram, in Betrieb genommen wurde. Die Strecke verband seinerzeit Sachsenhausen mit Neu-Isenburg mit Abzweigungen unter anderem nach Schwanheim. Peter Nauheimer zögerte nicht, stellte sein Geschäft neu auf und setzte fortan, mit nunmehr fünf Schiffen in der Flotte, auf die Ausflugsschifffahrt.

Auch als wenige Zeit später die Geschicke des Unternehmers wieder auf die Probe gestellt wurden, handelte er klug. Die Nachfrage nach Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sank vor dem Hintergrund des maßlosen Unheils und der Schrecken, die der erste Weltkrieg brachte. Zur selben Zeit stieg jedoch der Bedarf nach logistischen Lösungen. Und so verlagerte die Familie ihren Fokus auf Schleppdienste.

Leinen los!

Der nächste Weltkrieg kam und mit ihm mehr Elend, Leid – und abermals neue Herausforderungen. Ein Schiff wurde zerstört, ein weiteres als Löschboot beschlagnahmt. In den Nachkriegsjahren brachte das Wirtschaftswunder frischen Wind auch für die Nauheimers und es hieß wieder: „Leinen los!“ Mit der neuen „Frankfurt“ fuhr eines der flottesten und fortschrittlichsten Passagierschiffe unter der Flagge der Familie.

Maries Vater, Anton Nauheimer, hatte 1946 das Licht der Welt erblickt. Auch er sammelte früh Erfahrungen auf dem fließenden Gewässer. 1973 bestellte er sein erstes eigenes Schiff, die „Primus“ und machte sich seinerseits selbstständig. Auch er ehrte die Familientradition mit vielen florierenden Geschäftsjahren. 1980 wurde seine Tochter geboren. 2012 wurde die „Maria Sybilla Merian“, das jüngste Schiff der Flotte in Dienst gestellt. Im selben Jahr heuerte Marie Nauheimer im Unternehmen an. Wir wünschen ihr – weiterhin – immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!


Lust auf eine Fahrt?
Karten und mehr Infos direkt an der Anlegestelle Mainkai/Eiserner Steg oder auf

www.primus-linie.de

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Felix

Bonvivant.

Mehr als irgendeine Stadt lässt Frankfurt Felix' Herz höher schlagen. Sein Enthusiasmus für Bob Dylan provoziert mitunter offene Besorgnis. Einem achtbaren Lebenswandel steht obendrein noch seine Cinephilie im Wege. Aber kochen kann er.

Dem Chaos ist er näher als der Ordnung. Sofern das nicht eh ein und dasselbe ist. Genau wie Schreiben und Denken. Erwischt sich immer wieder bei Selbstgesprächen. Mit anderen unterhält er sich aber auch gerne.