Büdchentag Titel

Eine Stadt wird zum Fest: Der Düsseldorfer Büdchentag

Ein Tapetenwechsel tut ab und zu gut. Deswegen treibt es uns regelmäßig aus dem wunderbaren Frankfurt hinaus in andere spannende Städte. Zum Beispiel? Ins ebenfalls zauberhafte Düsseldorf. Die Kunstmetropole im Westen teilt sich mit Frankfurt nicht nur den Ruf des manchmal verkannten Stadtgenies, sondern auch einige weitere Eigenschaften. Eine abwechslungsreiche Museenlandschaft, eine vielfältige Gastronomie, einen kosmopolitischen Mix aus Kulturen und eine bunte Auswahl an Trinkhallen – in Düsseldorf: Büdchen. Dem rheinischen Pendant zu unseren Wasserhäuschen ist sogar ein eigener Tag gewidmet. Natürlich durften wir uns den Büdchentag bei unserem diesjährigen Düsseldorf-Besuch nicht entgehen lassen.

NICS 1
NICS 2

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Willkommen im Club

In knapp 2,5 Stunden von Tür zu Tür geht es für uns am Vortag des Büdchentags Richtung NRW. Weil uns nicht nur in Frankfurt neue Konzepte immer interessieren, müssen wir auch dort direkt eine neue spannende Location auschecken. Seit Mitte August hat im wunderschönen Stadtteil Oberkassel, vergleichbar mit unserem Westend, ein neues Kiosk-Konzept eröffnet. Der „New International Club Stop“ ist Treffpunkt, Kiosk, Café, Galerie und Musikbar mit einem handverlesenen Sortiment und herzlicher Gastfreundschaft von Inhaber Walid. Umgeben vom Charme der Jahrhundertwende in der ehemaligen Buttermacherei mit ihren alten Fliesen und Stuckelementen gönnen wir uns Matcha Latte und Kombucha-Limonade. Zwischen internationalen Tageszeitungen, Süßigkeitengläsern für die Kiosk-Legende Gemischte Tüte und Getränken von Cappuccino bis Champagner genießen wir den Nachmittag auf der kleinen Terrasse. Der NICS ist Community Spot zum Verweilen oder kurzer Stopp auf dem Weg von A nach B. Apropos B – wir müssen weiter.

Bilker Bunker 1
Bilker Bunker 2
Bilker Bunker 3

Alles für die Kunst

Unser B steht in diesem Fall für den Kunst- und Kulturort „Bilker Bunker“ – denn ohne Kunst geht ein Besuch in Düsseldorf einfach nicht. Hinter den meterdicken und an der Front auffällig bemalten Betonwänden des ehemaligen Luftschutzbunkers verbergen sich auf zwei Etagen zeitgenössische Kunstformate und ein experimentelles Kulturprogramm. Neben Ausstellungen findet sich dort auch eine Musikbar. Weiter geht’s nach Flingern zur Sammlung Philara in einer ehemaligen Glaserei. Die Philara ist ein Ausstellungshaus für internationale Gegenwartskunst. Sie zeigt auf beeindruckenden 1700 Quadratmetern Einzel- und Sammelausstellungen. Wir sehen die Jubiläumsausstellung „HOUSE OF BALAGAN“ mit mehr als 100 Arbeiten von über 80 Künstler:innen anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens und sind beeindruckt. Nach einem Blick in den wunderbaren Skulpturengarten auf dem Dach geht es für uns zur Stärkung ins Museumscafé, das „Bulle Bistro“. Die Backwaren kommen aus der „Bulle Bäckerei“ und sind stadtbekannt. Übrigens: Der Eintritt zur Philara ist auf Spendenbasis – pay what you wish.

Bulle Bistro
Philara 2
Philara 1
Philara 3

Ihr habt Lust auf noch mehr Kunst in Düsseldorf? Dann holt Euch den Art:walk-Museumspass. Mit dem Pass bekommt Ihr für 25 Euro 48 Stunden lang Zugang zu allen Sammlungen, Dauer- und Sonderausstellungen von sechs renommierten Kunstmuseen der Stadt. Mehr Infos hier.

Art Walk

One Night in Tokyo

Ein Düsseldorf-Trip ohne Little Tokyo ist ebenfalls undenkbar. 15.000 Japaner:innen leben in und um Düsseldorf und machen es zur drittgrößten japanischen Community Europas nach London und Paris. Gut, dass wir mit dem me and all Hotel in der Immermannstraße eine Adresse direkt mittendrin haben. Das japanisch angehauchte Interieur des Hotels mit Kirschblüten und Drachen versetzt uns direkt in die richtige Stimmung für Umgebung und Abendessen. Hierfür haben wir uns nämlich eine der angesagtesten Adressen in Little Tokyo rausgesucht: das Takumi. Der Ramen Store serviert originale „Sapporo Ramen“ aus Nordjapan und ist so lecker wie legendär. Gut zu wissen: Auch in Frankfurt gibt es einen Laden, etwas weniger bekannt – aber ohne Warteschlange. Wenn der Weg nach Düsseldorf zu weit ist, schaut hier mal in der Mendelssohnstraße im Westend vorbei. Nach einer erholsamen Nacht und Frühstück mit Blick auf Düsseldorf in der Skybar des Hotels starten wir mit einem Bummel inklusive kurzem Nostalgie-Moment: Im Gashapon Bandai Official Store können Token gegen Geld eingetauscht werden, mit denen man sich an Automaten Sammelfiguren, Tamagotchis und kleine Anhänger ziehen kann. Japanischer geht es nicht.

Takumi
Little Tokyo
Little Tokyo 1
Little Tokyo 2
Little Tokyo 3

Kulturbüdchen & Büdchenkultur

Noch ein Abstecher zu den prägnanten Bauten des US-amerikanischen Architekten Frank O. Gehry am Düsseldorfer Hafen, dann startet das Highlight unserer Reise: der Düsseldorfer Büdchentag. Einmal im Jahr verwandeln sich in Düsseldorf ganz normale Kioske in kleine Bühnen, Tanzflächen, Spielplätze  und Treffpunkte – und das mittlerweile zum zehnten Mal. Entstanden ist er 2016 und hatte gleich zwei wunderbare Funktionen: wieder mehr Raum für Kultur und Off Spaces außerhalb der Altstadt bieten sowie den wirtschaftlich in Bedrängnis geratenen Büdchen eine Zukunft geben. Aus den 20 Büdchen der ersten Ausgabe sind nun mehr als 50 lokale Kioske geworden, die Kunst, Kultur, Musik, Literatur und Nachbarschaft feiern. Mit jährlich rund 15.000 Besucher:innen und über 250 Künstler:innen stärkt der Büdchentag immer aufs Neue die Stadtgesellschaft. Das müssen wir uns anschauen.

Büdchen Merch 1
Büdchen Merch 3
Büdchen Merch 2

Für alle und alles

Wir machen uns auf den Weg zum ersten Kiosk, dem Palermo-Büdchen Unterbilk. Die sizilianische Stadt ist ebenfalls seit zehn Jahren die Schwesterstadt von Düsseldorf. Für den Büdchentag wurde extra das palermitanische DJ-Duo Riccardo Schirò und Marina Morena eingeflogen. Zwischen guten Beats aus Italien und Würstchengrill treffen wir Clemens Henle vom Team Büdchentag, eines der Gesichter des dezentralen Festivals. Das Ziel des Büdchentags sei im Grunde, Menschen zusammenzubringen und diese wichtigen Alltagsorte zu feiern, erklärt uns Clemens auf dem Weg zum nächsten Büdchen. Inzwischen sei die Veranstaltung so etabliert, dass sie auch über die Büdchen hinausgehe. Immer mehr Menschen möchten sich beteiligen und veranstalten an diesem Tag Straßenflohmärkte, Kinderspiele und Aktivitäten in der ganzen Stadt.

Sankt-Martin-Platz
Sankt-Martin-Platz 1

Von Menschen für Menschen

Das merken wir auch am Friedensplätzchen. Dort ist ein Spieleparcours für Kinder aufgebaut, eine Urban-Art-Ausstellung, es gibt Getränke, Düsseldorfer Altbier, Empanadas, Bastelworkshops, Fotospots und eine Siebdruck-Station. Und vor allem: viele Menschen und noch mehr gute Stimmung. Der Name des Plätzchens ist einfach Programm. Wir schlendern weiter zum Fürstenplatz und finden uns im Büdchendorf wieder: zwischen dem Bunten Büdchen der Eltern und Omas gegen Rechts, dem Demokratiebüdchen mit Vielfaltsbibliothek, dem 4Future-Büdchen als Trost- und Mutmach-Ort für Zukunftsängste und -hoffnungen, dem Literatur- und dem Kinderbüdchen. Natürlich statten wir uns auch erst einmal  mit dem bunten Büdchen-Merch aus. Die Idee des Büdchentags ist hier spürbar: Es geht um ein lebendiges und tolerantes Miteinander, um ein buntes Fest von Menschen für Menschen, offen für alle und alles. Büdchenbetreiber:innen, DJ-Kollektive, Bands, Künstler:innen und lokale Initiativen bewerben sich mit ihren eigenen Ideen und Programmvorschlägen – und kreieren gemeinsam einen tollen Tag.

Friedensplätzchen 1
Friedensplätzchen 2
Friedensplätzchen 3

Von Palermo bis Sri Lanka

Wie bunt es ist, wird uns bei unserem weiteren Rundgang noch einmal richtig bewusst. Über einen Straßenflohmarkt (wir konnten uns zusammenreißen und haben nichts gekauft) ging es zum Hip-Hop Büdchen, dem Kiosk Karakus. Mit jedem Büdchen andere Leute, verschiedene Schwerpunkte, neue Eindrücke. Kulinarisch stärken konnten wir uns in der Trinkhalle am Volksgarten – dem Sri Lanka Büdchen. Hier gibt es traditionell Streetfood aus Sri Lanka (daher der Name) mit Drinks und Musik, natürlich. Den Abschluss unseres Rundgangs bildet der Lessingplatz mit seiner Blockparty. Hier dreht sich alles um Beats, es wird ausgelassen getanzt und aufgelegt. Auch für Drinks ist gesorgt und wir haben die Bulle Bäckerei wieder getroffen – diesmal in Form von leckeren Bulle Burgern. So schließt sich der Kreis.

Lessingplatz 1
Hip-Hop Büdchen
Lessingplatz 2
Sri Lanka Büdchen

Gut gesättigt und hydriert, mit zugegeben etwas müden Füßen, aber voll guter Laune beenden wir unseren Büdchen-Bummel. Was wir mitnehmen? Viele schöne Eindrücke und die Erkenntnis: Düsseldorf ist IMMER eine Reise wert – und erst recht am Büdchentag.

 

Hafen Düsseldorf
Frank Gehry
Kö Bogen 2

Ihr möchtet beim nächsten Mal dabei sein? Mehr Infos zum Büdchentag hier. Mehr tolle Erlebnisse auf dem Blog.

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