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Ein Spaziergang durch Bockenheim

Bestimmt habt Ihr schon lange darauf gewartet, mit uns durch das schöne Bockenheim zu flanieren. Für Euch sind wir durch die Straßen gezogen und haben mal in einen Blick in einige Innenhöfe geworfen. Was wir dabei entdeckt haben, erfahrt Ihr im Beitrag.

Ist das noch Frankfurt?

In unmittelbarer Nähe zu Messe und Finanzdistrikt ist Bockenheim so etwas wie ein Dorf in der Stadt. Es vereint seine zentrale Lage mit nachbarschaftlicher Gemütlichkeit. Die spezielle Mischung seiner Bewohner verleiht dem Stadtteil eine ganz eigene Note: Studenten, Revolutionäre, Familien – und außergewöhnlich viele Ur-Frankfurter leben hier. Bockenheim ist umsäumt von Grüneburgpark, Niddapark und Palmengarten – und heute beginnt unser Spaziergang im Stadtteilgarten „Rote Beete“. Das malerische Gelände zwischen Appelsgasse und Grempstraße ist am Ende der Leipziger Straße zu finden und erweitert das grüne Repertoire Bockenheims um einen wunderbaren Quell der Erholung. Seit 2018 ist es in den Händen von Freizeitgärtnern, die gemeinsam Gemüse, Kräuter und Pflanzen anbauen. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Stadt Frankfurt, weshalb der Garten für alle zugänglich ist.

Die Revolution des Oma-Cafés

Bevor wir uns so richtig auf den Weg machen, möchten wir uns mit Kaffee und Kuchen stärken. Eine gute Gelegenheit dafür bietet das gemütliche Eck-Café heimelig, das vor rund zwei Monaten in der Diemelstraße 9 eröffnet hat. Hier hat die 29-jährige Tina Brückmann gemeinsam mit ihrer Mutter Renate das klassische „Oma-Café“ revolutioniert. „Ich wohne seit sechs Jahren in Bockenheim und musste mit Erschrecken feststellen, wie viele ältere Menschen alleine in der Stadt wohnen – ohne soziale Kontakte oder Familie. Für mein Café habe ich deshalb ein generationsübergreifendes Konzept geschaffen, das den Austausch zwischen Jung und Alt fördern soll. Gleichzeitig gibt es unseren Rentnern aber auch die Chance, sich etwas zur Rente dazu zu verdienen.“

Deshalb zaubert Renate an vier Nachmittagen pro Woche zusammen mit Senior:innen traditionelle Rezepte aus deren Backbüchern in der heimelig-Backstube. „Gemeinsam bringen wir den Kuchenduft, den man von früher kennt, in unser kleines Café“, so Renate.

Hier könnten wir es uns jetzt richtig gemütlich machen, aber heute ziehen wir weiter und landen erstmal am Hessenplatz. Mit seiner Erscheinung ist er ein Sinnbild für Bockenheims nachbarschaftliche Hofkultur. Denn umsäumt von Wohnhäusern, Kneipen, kleinen Boutiquen und Büros und überdacht von Kastanien, wirkt der Hessenplatz wie ein großer Innenhof. Erst vor einem Jahr wurde hier ein nagelneuer Kinderspielplatz eröffnet, auf dem sich seither der Nachwuchs tummelt.

Bild oben rechts: Café Heimelig

Für Craftbier-und Auto-Liebhaber

Direkt neben dem Spielplatz, in der Basaltstraße 21, steht im Hinterhof eine Autowerkstatt mit angeschlossener Bierboutique Ølwechsel. Dietmar Flucke betreibt das Etablissement für Craftbier-Liebhaber bereits seit 15 Jahren. „Wir haben hier lange vor dem Hype schon Craft-Bier verkauft und sind damit einer der ältesten Craftbier-Läden überhaupt“, erinnert er sich. Im Angebot hat er eine sorgfältig sortierte Auslese aus regionalen Bieren, wie beispielsweise das charakterstarke Flügge aus Niederrad oder das Kuehn Kunz Rosen aus Mainz, sowie überregionale Sorten, wie etwa das Blech Brut aus Bamberg. „Es ist nicht mein Hauptgeschäft, aber eines meiner Lieblingsbeschäftigungen“, sagt Dietmar und kehrt jetzt erstmal zurück in die Werkstatt.

Foto rechts: Bierboutique

Familiengefühle bei Tapas und Wein

Uns schickt er zu seinem Lieblingsrestaurant Ponte Am Weingarten 5. Hier switchen wir von Bier auf Wein und werden dabei von Simon Schnorr umfangreich beraten: „Wir haben portugiesische, spanische, französische, griechische und italienische Weine auf der Karte“, legt er los. Mit dem Ponte wollten Simon und sein Team mediterranes Flair nach Bockenheim bringen, aber gleichzeitig regionale Produkte anbieten: „Wir haben, statt großen Hauptgängen, Gerichte in Tapas-Größen, sodass man sich sein ganz individuelles Buffet zusammenstellen kann. Das lädt zum Naschen und Verweilen ein“, so Simon. Und das tun die Leute hier auch. Simon schätzt an Bockenheim das nachbarschaftliche Verhältnis: „Viele unserer Stammkunden kommen aus der Gegend und wir haben oft das Gefühl, eine große Familie zu bewirten“, erzählt er.

Aktuell hat das Ponte seine Karte übrigens so umgestaltet, dass man viele Gerichte problemlos mitnehmen und sich so das Mittelmeer-Feeling nach Hause holen kann. Bestellungen werden gerne telefonisch entgegengenommen.

Fotos: Ponte

Taichi Weber

Nach so viel Gemütlichkeit bei Bier und Wein, verlangt unser Körper nach Bewegung. Wir kennen auch dafür eine gute Adresse in Bockenheim und besuchen Rolf Weber im Hinterhof der Kiesstraße 8. Seit 1982 betreibt er hier die inzwischen älteste Schule für Altchinesische Bewegungskunst, Atmung und Meditation. Rolf bietet gezielt Unterricht für Schüler*innen aus der Umgebung und hat selbst lange in Bockenheim gelebt. Wir schnuppern in die verschiedenen Künste rein und ruhen anschließend in uns – auch der charmante und ruhige Hof, in dem die Schule liegt, trägt dazu bei. Rolf bietet übrigens regelmäßig kostenlose Schnupperstunden an. Alle Infos findet ihr hier.

Kino mit Tradition

Wir setzen unseren Spaziergang in Richtung Hamburger Allee fort, und möchten noch an einer letzten Institution Bockenheims Halt machen: dem Programmkino Orfeos Erben. Das kleine Kino bietet Raum für kulturellen Austausch, Filmkunst und Kulinarik. Damit folgt es einer langen Tradition, denn schon seit den 80iger Jahren kann man hier Filme und andere Delikatessen genießen. Jim Jarmusch, Emir Kusturica, Aki Kaurismäki, Sally Potter und Andrei Tarkowski gingen hier ein und aus. Zu verdanken hat das dieser Ort einem der bedeutendsten deutschen Filmproduzenten: Karl Baumgartner. Er hat die Werke dieser schillernden Figuren mit produziert und vertrieben, als es für den populären Kunstfilm den Begriff „Arthouse“ noch nicht gab.

Natürlich hat das kleine Kino es in der aktuellen Zeit nicht leicht, bietet aber dennoch ein Konzept, das es ermöglicht, hier weiterhin einzukehren. Tickets könnt ihr über die Webseite erwerben, beispielsweise für die Film&Food-Reihe oder auch für die Silvesterveranstaltung, die in diesem Jahr zum ersten Mal stattfinden wird. Der Film beginnt, unser Spaziergang endet.

Weitere liebste Läden gegen Hunger & Durst in Bockenheim:

Café Plazz
Stattcafé
Café Crumble
Izakaya Mangetsu
Bockenheimer Weinkontor
Pizzeria Paolo
Fridas Café

Ihr möchtet andere Stadtteile erkunden? Dann holt euch unsere neue Stadtkarte. Und mehr Spaziergänge findet ihr hier.

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Maria

Kam ursprünglich zum Arbeiten nach Frankfurt und ist inzwischen so sehr angekommen, dass sie hier geheiratet hat und sich als Mama eines Frankfurter Mädsche bezeichnen darf.
Liebt Wein, dunkles Bier, Musik, gepflegte Füße und philosophische Bücher über
alternative Lebenskonzepte.
Hegt eine Vorliebe für gute Kaffeesorten, die sie sich in Genussmaßen zuführt.
Schätzt an Frankfurt, dass Südfrankreich und der Rest der Welt schnell erreichbar sind und hofft schon lange auf eine autofreie Innenstadt – denn am liebsten bewegt sie sich per Fahrrad durch die vielen lebens- und liebenswerten Stadtteile.