Zwischen Gemüsebeeten und Gestrüpp: Auf Abwegen durch Frankfurts wilde Gärten

Zwischen Gemüsebeeten und Gestrüpp: Auf Abwegen durch Frankfurts wilde Gärten

 

Keine Frage: Dass Frankfurt eine ausgesprochen grüne Stadt ist, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Zum Feierabend die Decke in einem der vielen Parks auszubreiten oder sich mit Freunden am Mainufer zum Afterwork zu treffen, gehört für die Einheimischen schon fest zum Alltag. Und auch am Wochenende zieht es die Frankfurter nach draußen; sie genießen die frische Luft im Stadtwald oder gleiten auf zwei Rädern den Grüngürtel entlang.

Ein ganz besonderes Idyll dürfte aber auch manch eingefleischter Naturliebhaber unter ihnen noch nie betreten haben: Die Rede ist von jener Fläche östlich der Friedberger Landstraße, welche sich trapezförmig zwischen Günthersburg- und Wasserpark schiebt. Hier, unweit der Innenstadt, versteckt sich bis heute eine sonderbare Landschaft aus Kleingärten, verschlungenen Pfaden, wildem Gestrüpp und Apfelbäumen. Werft ihr mit uns einen Blick hinein? 

 

Magische Anblicke: Die Natur erobert ihren Raum zurück

Kaum eingetaucht, vermögen wir uns kaum mehr vorzustellen, dass sich quasi "nebenan" eine niemals enden wollende Blechlawine über die Friedberger Landstraße schlängelt. Seit über hundert Jahren besteht ein großer Teil des insgesamt 16,6 Hektar großen Gebiets aus Freizeitgärten, es sollen bis zu 300 (!) sein. Gepflegt und gehegt werden längst nicht mehr alle davon. Doch gerade die verlassenen Kleinode sind es, welche dem Areal eine geradezu mystische Atmosphäre verleihen: Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Natur die Parzellen Stück für Stück zurückerobert! 

Hier legt sich Dickicht über verlassene Gartenhütten, in denen lange keine Party mehr geschmissen wurde. Eine Badewanne steht im Gras, einfach so, niemand weiß, warum. Allein die Phantasie des Betrachters vermag hier Antworten zu geben. Morsche Tischtennisplatten werden selbst zum Bestandteil eines Biotops, während verwitterte Bänke von Sommerträumen zeugen, denen längst Erwachen folgte. Melancholisch thront ein Baumhaus zwischen den Wipfeln, wirkt seltsam aus der Zeit gefallen. Selbst ein Vogelhäuschen wirkt verlassen, sanft schaukelt es an einem Ast. Wann hier Meise, Amsel & Co wohl zuletzt Futter gefunden haben mögen? Es muss lange her sein. 

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Ein grüner Rückzugsort für Mensch und Tier 

Das Federvieh scheint sich daran indes nicht zu stören: Stolze 46 Arten haben in der urbanen Wildnis ein Zuhause gefunden, auch über 220 Farn- und Pflanzenarten wurden gezählt. Manche davon gelten gar als ausgesprochen selten und schützenswert. An keinem anderen Ort in Frankfurt herrscht eine vergleichbare Artenvielfalt vor. Bienenvölker bilden eine Symbiose mit der Pflanzenwelt, sorgen mittels Bestäubung für eine farbenfrohe Blütenpracht. Auch Schmetterlinge und sogar Füchse gehören zu den Bewohnern.  

Doch nicht allein Flora und Fauna schätzen das Gelände als Rückzugsort: Auch Vertreter der Gattung Homo Sapiens ziehen sich hierhin zurück, nehmen eine Auszeit vom Großstadttrubel und genießen die frische Luft. Noch immer kümmern sich Gartenfreunde mit viel Herzblut um ihre grüne Oase. Sie pflanzen Blumen und Bohnen, ernten Kürbisse und Beeren. Und, natürlich: Äpfel. Apfelbäume, sie bilden den Großteil des etwa 2.500 Exemplare großen Baumbestandes im Areal. An ihren Ästen übt sich manches Kind im Klettern, wenn es nicht lieber schaukeln geht. Mitten in Frankfurt.  

 

Paradies mit Ablaufdatum 

Glatt könnte man angesichts dieser Eindrücke vergessen, dass ein heftiger Streit um das wilde Idyll entbrannt ist. Seit Pläne bekannt wurden, an seiner Stelle ein Wohnquartier mit bis zu 1.500 Wohnungen entstehen zu lassen, befinden sich Natur und Gärten in Gefahr.

Während die Einen die dringende Notwendigkeit eines neuen Viertels betonen und auf den eklatanten Wohnungsmangel verweisen, fürchten die Nutznießer der Gärten um ihren grünen Rückzugsort.

Viele von ihnen haben sich in der Initiative Grüne Lunge zusammengeschlossen und kämpfen für den Erhalt der urbanen Wildnis. Die Stadt, so sagen sie, dürfe das Gebiet als Frischluftschneise nicht verlieren. Eine massive Verschlechterung der Luftqualität sei die Folge. Auch sei es unverantwortlich, den Vögeln, Füchsen und Insekten ihren Lebensraum zu nehmen. 

 

Lasst euch verzaubern! 

Wir von Frankfurt, du bist so wunderbar wollen und können in diesem Streit keine Partei ergreifen. Doch möchten wir euch ans Herz legen, selbst einmal eine Safari durch diesen wahren Großstadtdschungel zu wagen. Folgt den verwunschenen Pfaden und staunt über einen Ort, den ihr inmitten unserer Metropole sicherlich niemals erwartet hättet. Lasst euch ein weiteres Mal von Frankfurt überraschen! 

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Save the date: Die nächste Gelegenheit hierfür habt ihr beim von der Initiative "Grüne Lunge am Günthersburgpark" angebotenen 

TAG DER OFFENEN GÄRTEN
(EIN KLICK FÜHRT ZUM FLYER)
AM 9. SEPTEMBER 2018
VON 15.00 BIS 19.00 UHR

Lasst euch vom Idyll verzaubern. Zögert nicht, denn schon bald schon könnte es dafür zu spät sein....

 
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Mehr als ein Café: die Bohnerie

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