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Der Urban Gardening-Guide: Gärtnern in Frankfurt

Städter mit einem Balkon können sich glücklich schätzen. Ein eigener Garten, in dem das eigene Obst und Gemüse gedeiht, ist in der Stadt jedoch ein echter Glücksfall. Trotzdem wollen auch wir Städter genau dies tun: Die Hände in die Erde graben, Samen verteilen, Unkraut jäten und stolz wie Bolle beobachten, wie das eigene Obst, Gemüse und die eigenen Kräuter wachsen. Die Arbeit mit den Händen, das Interesse an nachhaltiger Landwirtschaft und zum nachhaltigen Konsum oder der Wunsch sich in seinem Stadtteil zu engagieren und diesen zu begrünen – die Beweggründe zum „Gärtnern in der Stadt“ sind vielfältig. Wir stellen Euch vor, wo Ihr Euch hierzu im Raum Frankfurt informieren oder sogar engagieren könnt und wie Ihr Euren Balkon oder Euer Fensterbrett zum kleinen Garten machen könnt.

Texte: Marie Brauberger, Joliene Stephan, Maria Hager
TitelBILD: Ananda Balkone

Urban Gardening-Projekte in Frankfurt:
Eine Übersicht

Urban Gardening Projekte prägen das Stadtbild auf vielfältige Weise: Sie bieten die Möglichkeit öffentliche Plätze für die Bewohner zurückzuerobern, realisieren Kultur- und Bildungsangebote für Erwachsene und Kinder und schaffen Raum für Begegnungen. Das Münchner Institut „Anstiftung“ fördert städtische Garteninitiativen und forscht zu urbaner Landwirtschaft. Auf der Webseite des Instituts findet Ihr eine Karte der gemeldeten Urban-Gardening-Projekte in Deutschland. In einem Umkreis von 10 km rund um Frankfurt zählen wir 12 solcher Projekte. Von Griesheim bis nach Offenbach sind Nachbarschaftsprojekte zu finden, welche brachliegende Flächen in kleine Oasen verwandeln, Gärten nach dem Prinzip der Permakultur bewirtschaften oder ein Treffpunkt für Anwohner aus unterschiedlichen Kulturkreisen bieten wollen. Kleiner Tipp: Auf der Webseite des Instituts findet Ihr auch interessante Artikel, Praxistipps oder Publikationen rund um das Thema Urban Gardening.

Foto: Friederike Mast

Die Kooperative

“Gesunde, frische, biologische Lebensmittel aus regionaler und nachhaltiger Herkunft, verpackt in einer Kiste.” Mit diesem Satz stellt sich „Die Kooperative“ auf ihrer Webseite vor. 2018 gegründet, trifft die junge Genossenschaft den Nerv von jenen Frankfurtern, die sich intensiv mit nachhaltiger und regionaler Ernährung befassen. Die Kooperative versorgt die städtische Bevölkerung durch Ernteanteile, welche wöchentlich an ihre Mitglieder ausgegeben werden. Die Grundnahrungsmittel stammen einerseits aus dem eigenen Anbau der Frankfurter Cityfarm, andererseits von kooperierenden Bio-Bauernhöfen. Als reiner Konsument besteht die Möglichkeit sich die Bio-Kiste einfach nur an einen Verteilungspunkt anliefern zu lassen. Bei einer Mitgliedschaft hingegen werden Anteile an der Genossenschaft selbst erworben. In diesem Fall wird nicht nur die Biokiste angeliefert, sondern es besteht die Möglichkeit aktiver Partizipation an dem Projekt z.B. durch die Unterstützung bei der Ernte.

www.diekooperative.de

Gemeinschaftsgarten der Sozialen Manufaktur/ DRK

Wer die eigene Freude an Pflanzen, Blumen und Kräutern mit bunt gemischten Kontakten verbinden mag, ist im Gemeinschaftsgarten der Sozialen Manufaktur genau richtig. Initiiert vom DRK-Bezirksverband Frankfurt, versteckt sich in Bockenheim in einem Hinterhof ein richtiges kleines Gärtner-Paradies: Hier können Hobbygärtner an Hochbeeten nach Herzenslust anpflanzen, verschönern und ausprobieren. Wer durch Mitarbeit, Gartenkenntnisse oder Sachspenden unterstützen möchte, erhält mehr Informationen unter unten stehenden Kontaktdaten.

Kaufunger Str. 9 – 60486 Frankfurt (Bockenheim)
sozialemanufaktur@drkfrankfurt.de
069 / 6783 1431

Foto: Deutsches Rotes Kreuz – Bezirksverband Frankfurt am Main e. v.

Kleingartenverein

Der eigene Schrebergarten in der Stadt. Was früher noch als spießig galt, erfüllt heute die Sehnsucht nach einer kleinen Oase im trubeligen Stadtleben. Im Gegensatz zu Urban Gardening Projekten ermöglichen Kleingärten mehr Freiräume zur individuellen Gestaltung des eigenen Gartens und selbstverständlich mehr Privatsphäre. Es ist nicht einfach einen Schrebergarten zu ergattern, unmöglich ist es aber auch nicht. Auf der Seite der Stadt Frankfurt findet Ihr eine nützliche Übersicht zu Adressen, auf denen ihr Euch zur Vergabe von Kleingärten informieren könnt.

www.frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/orte/gaerten/kleingartenvereine

Workshops

Es gibt fast nichts schöneres als an einem sonnigen Tag mit dem Fahrrad an den Lohrberg zu fahren und den aufkommenden Durst mit einem großen Apfelsaft im Bistro des Main Äppelhaus zu löschen. Selbstverständlich werden dort auch Kaffee, selbstgemachter Kuchen und herzhafte Platten angeboten. Speis und Getränk können im Hof oder direkt in den Streuobstwiesen verzehrt werden. Das Main Äppelhaus macht dadurch Streuobstwiesen erlebbar. Das gemeinnützige Zentrum bietet darüber hinaus auch Kurse und Veranstaltungen rund um die Themen Natur und Umwelt an. So werden im Streuobstseminar der Baumschnitt und die Pflege einer Streuobstwiese vermittelt. Weitere Kurse bieten einen Einblick in die Bienenhaltung oder die Wirkung und Verwendung von Küchen- und Wildkräutern. Im Veranstaltungskalender findet ihr die Kurse übersichtlich nach den Zielgruppen Familien, Hobbygärtner und Naturfreunde oder Profis und Streuobstwiesenbesitzer kategorisiert.

www.mainaeppelhauslohrberg.de

Den Dottenfelderhof kennen sicherlich die treuen Besucher des Wochenmarkts am Konstablermarkt. Am Marktwagen kann sich der Besucher am Biosortiment kaum satt sehen: Brot und Backwaren aus der Holzofenbäckerei sowie Käse aus der Hofkäserei sind dort zu finden. Der Dottenfelderhof ist jedoch nicht nur eine Betriebsgemeinschaft bestehend aus mehreren Familien. Er umfasst auch eine Landbauschule, in der Aus- und Weiterbildungen zur Biodynamik, dem Pflanzenbau oder zur Pflanzenzüchtung angeboten werden. Im Veranstaltungskalender findet ihr auch hier kleinere Kurse zu Wildkräutern, dem Tomatenanbau oder dem Sommerschnitt bei Obstbäumen. Darüber hinaus bietet der Dottenfelderhof viele weitere Veranstaltungen, in denen das Bauernhofleben erlebbar gemacht wird. Sei es in einer Bauernhofwerkstatt (für Kinder von 9-12 Jahren), einem Farmworkshop (für Jugendliche von 12-15 Jahren) oder einem „after work workout im Kuhstall“ für Erwachsene. Das ist mal was anderes, dachte auch die Autorin dieses Textes und hat sich den nächsten Termin im September hierfür direkt vorgemerkt.

www.dottenfelderhof.de


Kräutergarten auf dem Balkon anlegen und pflegen

Wenn Ihr Euren Balkon gerne selbst bepflanzen möchtet, fangt Ihr am besten mit einem kleinen Kräutergarten an. Die meisten Kräuter sind pflegeleicht und haben keine hohen Ansprüche an ihre Umgebung. Somit sind sie die idealen Gefährten für alle, die noch keine oder wenig Erfahrung mit Pflanzen haben. Außerdem macht es Spaß, die verschiedenen Kräuter wachsen zu sehen und später ernten zu können.

Für den Start könnt Ihr es Euch recht einfach machen, indem Ihr erst mal (Bio-) Kräutertöpfe aus dem Supermarkt kauft und in größere Töpfe oder Pflanzenkästen umtopft. Überlegt Ihr noch, welche Kräutergewächse auf Eurem Balkon heimisch werden dürfen? Im nächsten Abschnitt erfahrt Ihr, welche Kräuter einfach gedeihen und für leckere Speisen oder Getränke verwendet werden können.

6 beliebte Kräuterarten für den Balkon

Basilikum: Basilikum mag es sonnig, schließlich kommt das Kraut ursprünglich aus den Tropen. Die Erde sollte gut durchlässig und immer leicht feucht sein – bestenfalls steht der Topf so, dass er vor plätscherndem Regen geschützt ist. Zudem verträgt sich Basilikum prima mit Tomatenpflanzen – die beiden ergänzen sich sogar richtig gut: Der intensive Duft und die ätherischen Öle halten Schädlinge von der Tomatenpflanze fern und im Gegenzug schützen die Tomaten das Basilikum vor Regen.

Oregano ist ein weiteres Kraut für die mediterrane Sommerküche, besonders beliebt ist es als Pizzagewürz und für Tomatensoßen. Ihr könnt das Würzkraut sowohl in einem Kräuterbeet als auch in Töpfen oder Kübeln anpflanzen. In der Pflege ist Oregano relativ anspruchslos und braucht nur wenig Wasser. Der Standort sollte wie bei Basilikum sehr sonnig und warm und die Erde leicht durchlässig sein. Die beiden Kräuter passen also gut als Pflanzenpartner zusammen. Die feinen Oreganoblüten sind außerdem eine wertvolle Bienenweide, denn wenn die Kräuter blühen bieten sie viel Nektar und Pollen für Wildbienen.

Petersilie darf eigentlich in keinem Kräutergarten fehlen! Das Küchenkraut wird schon seit knapp 400 Jahren zum Verfeinern und Würzen von Fleisch-, Fisch- und Gemüsegerichten, sowie Salaten und Soßen verwendet. Es enthält viele Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium, Kalium und einen hohen Anteil an Vitamin A, B und C. Das nährstoffreiche Kraut mag es halbschattig und braucht viel Wasser, ansonsten ist es pflegeleicht.

Schnittlauch passt ideal zu Salaten, Kräuterquark oder kann einfach direkt aufs Brot gestreut werden. Seine lilafarbenen Blüten sind ebenfalls essbar, sie sind zudem eine schöne Zierde im Kräuterbeet und eine weitere wichtige Nektarquelle für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln. Wie Petersilie liefert das würzige Kraut außerdem viel Vitamin B und C. Der Schnittlauch wächst am besten an sonnigen bis halbschattiges Plätzen mit feuchter Erde – er verträgt aber keine Staunässe, also Obacht!

Rosmarin: Das immergrüne, intensiv duftende Kraut ist allein schon wegen seines Duftes ein tolles Balkongewächs. Rosmarin mag es sonnig und trocken. Er benötigt zwar regelmäßig Wasser, sollte aber immer nur mäßig gegossen werden.

Mit Minze könnt Ihr nicht viel falsch machen. Es gibt sie in unterschiedlichen Arten, die sich durch ihren Geschmack und Duft unterscheiden. Am besten gedeihen sie an sonnigen bis halbschattigen Plätzen in torffreier Erde. Minze benötigt viel Wasser, insbesondere im Sommer möchte das Gewächs regelmäßig gegossen werden.


Wenn Ihr lieber vor Ort Hilfe beim Balkonbepflanzen möchtet, gibt es da ein Frankfurter Start-up für Euch:

Ein Frankfurter Balkon-Startup: Ananda

Es ist selbst noch ein zartes Pflänzchen: Das Angebot von Ananada Balkone gibt es erst seit April 2020. Hinter dem Projekt steckt Maximilian Schenk, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Frankfurter Luft zu verbessern: „Wenn alle Balkone in der Stadt bepflanzt sind, dann wird auch die Luft etwas klarer.“ Und schön sieht es obendrein auch noch aus. Der Name „Ananda“ stammt aus der Yogasprache und bedeutet Glückseligkeit. Und die empfindet Maximilian, wenn er die Großstadt mit seinen Balkonkästen grüner macht. Apropos: Seinen grünen Daumen hat Maximilian seinem Vater und den Großeltern zu verdanken, die ihn schon in seiner frühen Kindheit an das Gärtnern herangeführt haben. Mit Ananda Balkone möchte er nun einen Beitrag zur Verbesserung der Umwelt leisten – dafür setzt er auf regionale und saisonale Pflanzen.

Fotos: Ananda

Aktuell stehen zwei Varianten an bepflanzten Balkonkästen zur Auswahl: der Sunlover, bestehend aus Petunien, Efeu und Spindelstrauch – für alle halbschattigen bis sonnigen Balkone – und eben ein Kräuterkasten. Bestellen kann man ganz bequem über den Webshop. Ist die Bestellung abgeschickt, liefert Maximilian innerhalb von 48 Stunden persönlich – und bald auch noch umweltfreundlicher mit Cargo-Bike – die liebevoll und ganz frisch bepflanzten Kästen. Auf Wunsch installiert er die Kästen auch direkt – einfacher gehts doch gar nicht! Um noch mehr Service, wie etwa eine individuelle Pflanzenberatung, in Anspruch zu nehmen, könnt ihr ihn ganz einfach über das Kontaktformular anschreiben.

www.ananda-balkone.de
www.instagram.com/anandabalkone

Ganz viel Freude beim Gärtnern in der Stadt wünschen wir Euch! Und wenn Ihr Lust auf mehr Grün drinnen habt, geht es hier zu unserem Urban Jungle Pflanzen-Guide für Frankfurt.

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