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Start with a Friend: Tandempartnerschaft in Frankfurt

Nadine Aladib kam vor zwei Jahren von Syrien nach Deutschland, inzwischen arbeitet sie in Frankfurt als Architektin. Sie weiß, was es heißt, alles zurückzulassen und in einem neuen Land von vorne anzufangen. Über den Verein „Start with a Friend“ (SwaF) hat Nadine eine Tandempartnerin und eine Gemeinschaft gefunden: Die Organisation schafft bundesweit persönliche Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte. Durch den Austausch und ein gemeinsames Engagement möchte SwaF so die Menschen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Im Interview erzählen Nadine und ihre Tandempartnerin Dorota, welche Gemeinsamkeiten sie verbinden und was sie bisher voneinander lernen konnten.

Nadine

FDBSW: Nadine, Du bist während der Corona-Pandemie in Frankfurt angekommen. Abstandsregeln und Lockdown erschweren es da natürlich, Kontakte zu knüpfen und die Stadt besser kennenzulernen. Wie hast Du die erste Zeit nach Deiner Ankunft wahrgenommen?

Nadine: Am Anfang war es schon sehr schwierig für mich, die ganze Zeit alleine zu sein.Ich hatte ja gar keinen Kontakt zu anderen Menschen. Dann habe ich aber einfach angefangen, im Internet zu suchen, wie ich hier neue Leute kennenlernen kann. So bin ich dann auf die Internetseite von „Start with a Friend“ gestoßen.

FDBSW: Wie ging es dann weiter?

Nadine: Ich hatte dann einen Telefontermin mit jemandem aus dem Vermittlungsteam. Sie hat mich nach meinen Hobbys und Interessen gefragt, damit sie schauen kann, wer für mich als Tandempartner:in infrage kommen könnte. Anderthalb Monate später hatte ich dann mein erstes Treffen mit Dorota.

Es lohnt sich, mit einem Local die Stadt zu entdecken. So lernt man immer noch neue Orte kennen.

Nadine

FDBSW: Welche Interessen verbinden Euch beide?

Nadine: Wir interessieren uns beide sehr für Kultur und Politik.

Dorota: Wir haben entdeckt, dass wir beide Foodies sind. Als ich gehört habe, dass Nadine den Aroma-Imbiss auf dem Oeder Weg noch nicht kennt, musste ich mit ihr natürlich dahin gehen. Falafel sind in Syrien ja ein traditionelles Essen und ich war gespannt, ob Nadine die Falafel hier genauso lecker findet.

Nadine: Ich habe gedacht, es gibt hier niemanden, der weiß, wie man gute Falafel macht, bis Dorota mir das Aroma gezeigt hat. Es lohnt sich also, mit einem Local die Stadt zu entdecken. So lernt man immer noch neue Orte (und die besten Falafel in Frankfurt) kennen.

FDBSW: Nadine, was war Dir besonders wichtig, als Du neue Kontakte geknüpft hast?

Nadine: Es interessiert mich, neue Kulturen kennenzulernen, um meinen Horizont zu erweitern.  Deshalb wollte ich hier auch zuerst Deutsche oder Europäer:innen kennenlernen und nicht nur Leute aus der syrischen und arabischen Community.

Dorota

FDBSW: Dorota, was kannst Du für Dich aus der Tandempartnerschaft mitnehmen?

Dorota: Ich finde den Austausch mit Nadine sehr bereichernd und wir verstehen uns richtig gut. Man ist sich total ähnlich, aber entdeckt auch immer wieder Unterschiede. Nadine und mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass sie in der Schule ganz andere Dinge gelernt hat als ich damals in der Schule in Polen.

Als ich vor sieben Jahren nach Deutschland gekommen bin, hätte ich es auch total cool gefunden, eine Tandempartnerschaft zu haben. Einfach jemand, mit dem Du etwas unternehmen kannst, wenn Du neu in der Stadt bist.

Alles, was es braucht, ist Offenheit und Neugier!

Dorota

FDBSW: Was würdet Ihr Leuten raten, die sich als Tandem anmelden wollen?

Dorota: Alles, was es braucht, ist Offenheit und Neugier.Zeit ist auch noch wichtig. Die Grundidee eines Tandems ist es ja schließlich, Zeit miteinander zu verbringen und sich kennenzulernen.

Nadine: Ich würde sagen, es ist wichtig, keine Vorurteile zu haben und keine großen Erwartungen an die andere Person zu stellen.

FDBSW: Nadine, kannst Du Dir vorstellen, selbst mal als Local bei dem Tandem dabei zu sein?

Nadine: Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen. „Start with a Friend“ war eine große Hilfe für mich. Ich habe darüber ja nicht nur Dorota kennengelernt, sondern auch eine große Gruppe anderer Leute, mit denen ich mich einmal die Woche treffe. Die Menschen, die ich so kennengelernt habe, haben mir sehr geholfen, hier anzukommen. Die gleiche Möglichkeit würde ich gerne anderen Leuten geben, die in einer ähnlichen Situation sind, wie ich es damals war.

FDBSW: Was verbindest Du nach zwei Jahren mit Frankfurt?

Nadine: Frankfurt fühlt sich nicht an wie mein Zuhause in Syrien. Aber immer, wenn ich Heimweh habe und meine Schwester und Freunde vermisse, unternehme ich etwas mit Dorota oder anderen Freund:innen. Das hilft mir sehr und vereinfacht die Situation für mich. Ich bin aber auch noch recht neu in der Stadt. Je mehr ich hier erlebe, desto mehr komme ich in Frankfurt an.

Ihr interessiert Euch für das Tandemprogramm? Mehr Infos zu „Start with a Friend“ findet Ihr hier: www.start-with-a-friend.de. Ihr möchtet Euch ehrenamtlich in Frankfurt engagieren und Gutes tun? Dann schaut mal auf den Blog!

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Alexandra

Aus Versehen in Hessen gestrandet, nennt Frankfurt aber mittlerweile liebevoll ihre „hippe Provinzmetropole“. Schreibt über alles, was sie inspiriert. Arbeitet immer an ihrer Bucket List. Muss jeden Hund streicheln, der ihr über den Weg läuft. Wenn Sie nicht am Schreibtisch sitzt, steht sie in der Küche und kocht irgendwas mit Kreuzkümmel und Harissa.